17 und noch nicht am Ende

Die Zahl steht nicht für das Alter eines Protagonisten, sondern für die Zahl der Leichen, die die ehemalige Detektivin Linden im Wald findet. Was bedeuten könnte, dass ein brutaler Mörder vielleicht in diesen Fällen zu Unrecht verurteilt wurde …

Da sind sie plötzlich, die Leichen, die Sarahs Leben schon immer begleitet haben. Foto: Pandastorm/ Studiocanal

Sarah Linden ist nicht mehr als Ermittlerin tätig, der Fall Rosie Larsen war ihr letzter. Emotional vollkommen kaputt zieht sie sich auf eine Insel in der Nähe zurück und beginnt ihr Leben neu zu gestalten. Das wird unterbrochen von Holder, der seine ehemalige Partnerin plötzlich besuchen kommt. Im Gepäck hat er ein oder zwei oder drei verschwundene Mädchen. Die tauchen bald als Leichen wieder auf – und mit Spuren, die sich mit einem alten Fall aus Lindens Geschichte decken. Der Mörder wurde damals gefasst und steht gerade mal wenige Tage vor der Vollstreckung seiner Todesstrafe. Ist er in dieser Sicht etwa unschuldig?

Die plötzliche, sensationelle Entlassung braucht keiner zu fürchten, da er gerade mal eben den Gefängnispastor getötet hat. Trotz Hochsicherheitstrakt. Holder muss Linden als (Arbeits-)Partnerin zurückgewinnen, sonst sterben wer weiß wie viele Mädchen, geht seine Karriere bergab und sein eigenes Weltbild flöten … Wer ist der Serienkiller, der über 17 Mädchen auf dem Gewissen hat?!

Die Kritik

Eigentlich war der Fall um Rosie Larson gelöst – warum braucht es eine Staffel 3? Weil jetzt alles besser wird. Versprochen! Das Duett aus Linden und Holder muss sich nicht mehr zusammenraufen und einen Fall klären, der so krass von der Öffentlichkeit beobachtet wird und viel Leid in der Familie des Opfers auslöst. Jetzt ist der Fokus tatsächlich auf den beiden Ermittlern. Das entspannt die Serie im Vergleich zu den ersten beiden Staffeln merklich.  Was gleich bleibt ist der Regen, der in quasi jeder Außenszene dabei ist. Aber selbst der wirkt in der dritten Staffel nicht mehr so zwanghaft bedrohlich oder depressiv.

Die beiden Hauptcharaktere haben sich weiterentwickelt: Linden hat kapiert, dass man Beziehungen nicht zwanghaft aufrechterhalten muss. Sie chillt sich auf die Insel und fängt einfach mal ganz locker was mit einem wesentlich jüngeren Kollegen an. Holder ist ruhiger und selbstbewusster. Sein neuer Partner ist mehr Show denn Können und bald lässt er ihn links liegen. Er hat endlich seine Welpenhaftigkeit abgelegt und schöpft aus seinem vollen Potenzial.

The Killing, Staffel 3 kann jeder sehen, der Staffel 1 und 2 nicht kennt. Inhaltliche Zusammenhänge werden immer wieder mal erklärt, sodass jeder mitkommen kann. Insgesamt ist The Killing 3 ein entspannter Krimi, der nicht mit Hochglanzlaboren ablenkt und möglichst fancy Forschungsmethoden anwendet. The Killing ist brutal, aber nicht sensationsheischend. Es ist kritisch, weil er die Probleme von Jugendlichen ohne Eltern thematisiert und das Sozialsystem der USA kritisiert. Es ist spannend, weil es in jeder Folge eine Weiterentwicklung gibt, die tatsächlich logisch ist und sich gut einpasst. Dazu zwei bemerkenswert normale Ermittler, die aus der Realität entstammen könnten.

Fazit: Wer einen längeren Krimi sehen möchte, der nicht mit zig Explosionen von fehlender Handlung abgelenkt werden möchte und dazu unüblich normale Charaktere genießen – der ist mit The Killing Staffel 3 sehr gut bedient!

Bettina Riedel (academicworld.net)

The Killing, Staffel 3
12 Episoden

Darsteller: Mireille Enos, Joel Kinnaman, Peter Sarsgaard, Billy Campbell, Liam James

Seit dem 16. Juli im Vertrieb der Pandastorm Pictures als DVD und BluRay im Handel erhältlich

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