Wenn man einen mitteleuropäischen Baum wie eine Eiche in den Tropen anpflanzt, verliert er da trotzdem seine Blätter einmal im Jahr oder bleibt er immer grün?

 

aboutpixel.de / Eiche im Frühling © Ma Lac

Frage: Wenn man einen mitteleuropäischen Baum wie eine Eiche in den Tropen anpflanzt, verliert er da trotzdem seine Blätter einmal im Jahr oder bleibt er immer grün?

Antwort: “Das Abwerfen der Blätter bei Laubbäumen der gemäßigten Breiten ist in erster Linie ein Schutzmechanismus, um vor Frost zu schützen und den Wasserverbrauch im Winter praktisch einzustellen. Laubbäume sind daher an diese widrigen klimatischen Bedingungen, die periodisch auftreten, angepasst. Exogene Faktoren wie abnehmende Tageslänge und Temperatur helfen dabei beispielsweise der Eiche, den richtigen Zeitpunkt für den Laubabwurf zu finden, denn vorher werden gerne wertvolle Inhaltsstoffe aus den Blättern abgebaut und gespeichert und Abfallstoffe dort angereichert, um diese letztendlich so zu entsorgen. In den Tropen wäre anzunehmen, dass es weder die Notwendigkeit für den Laubabwurf, also keinen Frost, noch entsprechend endogene Faktoren gibt, denn es herrschen ziemlich konstante Tageslängen und Temperaturbereiche. Unter diesen Umständen sollte eine Pflanze ihre Blätter behalten. Und tatsächlich haben Versuche zumindest an Eichen unter künstlich konstanten Bedingungen gezeigt, dass diese immergrün wurden. Dennoch altern diese Blätter, wie bei jedem Baum, und müssen laufend erneuert werden. Das  heißt, der Baum muss während des natürlichen Wachstums neue Triebe und Blätter ausbilden. Die Neigung dazu, dies wie in jedem Frühjahr schubweise zu tun, behielten die Eichen in diesem Experiment allerdings bei, was auf eher genetische Veranlagung dieses Prozesses hinweist. Allerdings gehen die „alten“ Blätter dabei nicht auf einmal verloren und der Baum steht nie wirklich kahl da. Er wäre damit tatsächlich immergrün geworden. Allerdings gibt es auch in den Tropen eine ganze Reihe von laubwerfenden Bäumen. Diese werfen ihre Blätter auch als Anpassung an widrige Jahreszeiten ab, wobei es in diesem Fall Trockenperioden sind, die die Bäume zu einer solch drastischen Maßnahme zwingen. Es ist dabei allerdings unwahrscheinlich, dass unsere Eiche so schnell darauf reagierte und die Trockenzeit für eine Art Winter hielte, da sie sich durch unbekannte exogene Faktoren ankündigt. Sie würde dann wohl eher, wie bei einem extrem trockenen Sommer in Mitteleuropa auch, einfach vertrocknen.”

Heutiger Spezialist: Dr. Johannes Dietz ist Geoökologe und arbeitet am World Agroforestry Centre in Nairobi, Kenia. Wenn er nicht gerade Baumgitarre spielt.

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