Security-Comedy

Wenn man New York verlässt über die Penn Station mit dem Zug, kann man, wenn man in deutscher Pünktlichkeit natürlich viel zu früh ist, etwas Interessantes beobachten: Im Wartebereich der Station für die Fernzüge gibt es ein Video in Endlosschleife mit Sicherheitsanweisungen gegen böse Terroristen.

Katharina Ohana, Psychologin, Bestsellerautorin und academicworld-Expertin

Der Titel lautet „see and say“. Man sieht einen jungen Mann mit einem Bart und einem Kapuzenshirt, der erst auffällig nach rechts blickt, dann auffällig nach links blickt, sich dann in überhasteter Eile einer Sitzgruppe ahnungslos wartender Reisender nähert, eine schwarze Tasche neben die erste Sitzreihe stellt und dann fluchtartig, mit gesenktem Kopf, Hände in den Taschen seines Kapuzen-Sweatshirts, den Raum verlässt. Ein weißer stattlicher Amerikaner sieht das Ganze, kratzt sich am Kinn (spätestens hier hört man im Kopf die Musik des rosaroten Panther) und geht dann zu einem properen schwarzen Police Officer, tippt ihm mit ausholender Geste auf die Schulter und zeigt mit ausgestrecktem Arm erst auf die schwarze Tasche, dann in die Richtung, in der der Kapuzenmann verschwunden ist. Ein fettes Logo erscheint: „See an Say“ und dann spricht der kräftige Polizist direkt in die Kamera und sagt so ungefähr: „Wir wollen natürlich niemanden verdächtigen, aber wir sind auf ihre Aufmerksamkeit angewiesen und wenn sie irgendwelche verdächtige Personen sehen, dann teilen Sie uns das bitte sofort mit und wir kümmern uns dann darum. Natürlich kann es falscher Alarm sein usw. aber wir sind auf Ihre Hilfe angewiesen, um Amerika, um Ihre Familie, das Leben aller Amerikaner zu beschützen….“.

Nächste Szene: Ein mit einem Klemmbrett ausgestatteter dunkelhäutiger Mann macht sich Notizen, er blickt verschlagen nach links, er blickt verhuscht nach rechts. Dann wirft er eine dralle Plastiktüte in einen Mülleimer, eine blonde Frau kratzt sich am Kopf, nachdem sie das beobachtet hat, und tippt einer propere hispanische Polizistin an die Schulter…

Wenn man, wie ich, zu übertriebener Pünktlichkeit neigt, kann man ungefähr zehn verschiedene Szenen dieser Art beobachten. Und man denkt sich: Meinen die das ernst?! Ist das vielleicht eine Comedy Serie (die hier auch gerne zur Unterhaltung im öffentlichen Bereich gezeigt werden)?  Aber wenn das ernst ist, dann war vielleicht auch der Hinweis des Stewards auf dem Hinflug mit American Airlines ernst gemeint, dass immer nur ein Mensch stehen darf und ab dem zweiten stehenden Fluggast dies als „Gruppenbildung“ gewertet wird … unerwünscht…“ drei Deutsche ein Verein“…“Zwei tuschelnde Fluggäste, eine Attentat“ …?!

Liebe Amerikaner: Ich liebe Euer Land und wenn ihr Whole Food Bio Supermärkte macht, dann aber richtig und wenn Eure Straßenbeschilderung in Boston echt ne Zumutung ist, zeugt Eure Rücksicht beim Autofahren von wirklicher innerer Größe und Eure Service im letzten Mac Donald  ist besser als in Deutschland im besten fünf Sterne Hotel, aber bitte bitte wählt im November NICHT Romney und bitte ändert Eure Außenpolitik.

Wir Deutschen haben wirklich erlebt wohin das führt, mit dem unüberlegten, übertriebenen Narzissmus (von wegen „Gods own Country“ und so…) und es ist dann mühsam die Welt wieder von den eigenen guten Eigenschaften zu überzeugen. Bitte… wir werden immer alle nur Menschen bleiben, keiner wirklich besser als der andere und wenn man den Lauf der Geschichte anschaut, kann man das deutlich sehen… wir bleiben alle sterblich und fürchten uns alle davor und hätten es lieber, dass unser Dasein irgendeine größere Bedeutung hätte, als die gelebten, immer sich wiederholenden Werte zwischen Selbstverwirklichung und Verbindung mit anderen …ist aber leider nicht so…und der American Way of live, der geht nun mal nicht mehr, wenn wir hier auf dieser Erde mit 6 Milliarden anderen unserer Art leben müssen… bitte wählt Obama, bitte… it is not a Comedy, not at all…

Von Katharina Ohana

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