Menschen des 21. Jahrhunderts: Marie Bäumer, die neue Romy Schneider

Marie Bäumer, zerbrechlich schön, Grimme-Preis-ausgezeichnet und im Herbst 2013 in der Romanverfilmung „Der Geschmack von Apfelkernen“ im Kino zu sehen, unterwarf sich dem academicworld-Fragebogen.

Marie Bäumer in den “Apfelkernen” © Concorde Filmverleih 2013 / Gordon A. Timpen


Was an Ihrer Arbeit hat Sie heute glücklich gemacht?

Einiges erledigt – und mich nicht geärgert, nicht alles geschafft zu haben.

Welche Ziele haben Sie im Leben?

Das weiterzugeben, was ich geschenkt bekomme und gelernt habe. Filme zu drehen, die Fragen aufwerfen und berühren.
     

Welchen Beruf haben Sie sich als Kind als den Aufregendsten vorgestellt?

Rockstar.


Was ist die größte Veränderung in Ihrem Leben in den letzten Jahren gewesen?

Der Tod meines Vaters in diesem Jahr.


Was hat Ihre Karriere am meisten beschleunigt?

Ich habe immer eher an der Entschleunigung gearbeitet. Ich halte nichts vom schnellen     Ruhm. Das geht in den meisten Fällen schief.


Wie sind „Harte Arbeit” und „Glück/Zufall” als Grundlage Ihres Erfolges verteilt? 

Etwa 60 zu 40 Prozent.


Was gibt Ihnen Kraft bei der Arbeit?

Die absolute Hingabe und Leidenschaft an der Sache und zwar von allen Seiten, vornehmlich der Regie und der Darsteller. Und eine komplexe, widersprüchliche Figur spielen zu können.
    

Welches war bisher der größte Fehler in Ihrem Berufsleben?

Die Absage eines Projektes, das dann internationalen Erfolg hatte.


Was bedeutet es für Sie, zu scheitern?

Wenn ich mir selber nicht glaube – ein Albtraum!!!

Worauf sind Sie beruflich stolz?

Auf meinen Forschungsdrang – weiter zu versuchen, die menschlichen Tiefen auszuloten und das Instrument (Körper – Seele – Geist) dafür zu schulen.


Was hat Ihnen Ihr schulischer Werdegang für Ihren Beruf gebracht?

Nix – Künstler sind Menschen mit einer außerordentlichen Sensibilität. Zum Glück wird dafür immer noch kein tolles Zeugnis erwartet.


Woran können Sie verzweifeln?

An Pünktlichkeit, am deutschen „ich habe Recht und du hast Schuld“-System, an mangelndem Handeln, was die Erziehung, Bildung und Gesinnung unserer Kinder anbelangt, am Kater nach einem weinseligen Abend, am Medienwahnsinn, an meiner Computerlegasthenie.


Welche Rolle ist Ihnen bisher am schwersten gefallen?

Die Komödiantischen – da habe ich mehr Unsicherheiten.


Welche Rolle würden Sie gerne einmal spielen?

Kassandra.


Was vermuten Sie, wie würden Ihre Kollegen Sie beschreiben, wenn Sie nicht im Raum sind?
      

Oh Gott! Das kommt ganz auf die Situation an – wahrscheinlich von „herrlich, wunderbar“ bis „was für eine Schreckschraube“! Wobei ich mit meinen Schauspielkollegen glücklicherweise fast immer gut bis sehr gut zurecht kam.   


Haben Sie Vorbild er und wenn ja, was haben Sie von diesen gelernt?

Für mich sind alle vorbildhaft, die erkennen, was ihr Kern ist und daraus ihr Leben gestalten. Diese Menschen leben all die ihnen zur Verfügung stehenden Kräfte aus.


An wessen Stelle würden Sie gerne einmal für einen Tag lang stehen?

An der einer Pilotin, einer Dirigentin oder einer Rockmusikerin.


Wie verbinden Sie Karriere und Leben miteinander?

Karriere, also Beruf, ist auch Leben! Grenzen zu ziehen ist für alle ein Thema, vor allem in Deutschland. Es gilt immer wieder, bewusste Pausen einzulegen und ganz für sich und nahe Menschen zu sein.


Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Weiterhin viel in Bewegung, aber sicher mehr in Frankreich und auf dem Land. Schreibend, liebend, atmend.
  

Welchen Rat würden Sie unseren Lesern geben?

Es gibt etwas, worauf du dich immer verlassen kannst – deine innere Stimme!


Vollenden Sie bitte den Satz „Wichtiger als Karriere ist …“

Beziehung(en), Liebe, Familie.

Share.