Liebe im Zeichen des Generationenwechsels

Diese Woche saß ich in der Aufzeichnung der Sendung „Plasberg persönlich“ und mit mir, in illustrer Runde, saßen dort auch u.a. Hugo-Egon Balder und Wolfgang Fierek. Das Thema der Sendung war die leidige Liebe und ich war dort eingeladen wegen meines neuen Buches über die Suche nach Mr. Right und die überhohen Erwartungen, die heute zu den Vorstellungen vom perfekten Partner führen.

Von Katharina Ohana, Psychologische Beraterin, Bestsellerautorin und academicworld-Expertin

Hugo-Egon Balder war vier Mal verheiratet und wurde jedes Mal geschieden. Herr Fierek ist seit zwanzig Jahren glücklich verheiratet (immer mit derselben Frau) und nicht geschieden. Was die beiden vereint und mir plötzlich, während ich da so saß und ihren sehr lustigen und gekonnten Darstellungen zum Thema lauschte (immer bedacht darauf, dass mir nicht die Gesichtszüge entgleiten, ausgerechnet wenn die Kamera mir gegenüber mit rotem Licht ihre Aufnahme anzeigte), ist ihre absolut selbstverständliche und tief unbewusst verankerte Einstellung zu Frauen als bloßem Beiwerk im Leben der Männer. Für beide Männer (beide sogenannte ü-60er) waren und sind Frauen: Sex auf zwei (hoffentlich langen) Beinen, den man sich mit ein paar coolen Tricks (Klavierspielen) und humorvollen Sprüchen („Frühstück bei mir oder bei dir“) erobern muss und die sich dann (bei ausreichender Qualität der Damen = extrem fesches Dirndl) damit rächen, das coole unabhängige Männer-Leben auf den Kopf zu stellen und die selbst-herrlichen Eigenschaften nicht zu tolerieren.

So kamen seltsame Thesen zur Diskussion, so z.B., dass „die Frau“ im optimalen Fall 15 Jahre jünger sein muss, als der Mann, damit die Beziehung klappt (?), oder dass Frauen in Beziehungen Männer immer verändern wollen, um sie dann nach erfolgreicher Kastration sofort zu verlassen, weil es dann langweilig wird (??)… Lustig war für mich dabei auch der Gesichtsausdruck der Sportmoderatorin Katrin Müller-Hohenstein, die ebenfalls in der Runde saß und deren inneres Kopfschütteln öfter in ein äußeres überglitt und der ein ständiges „Hä?!“ deutlich anzumerken war.

Es war fast rührend zu sehen, wie hilflos diese Generation Männer sich an steilen Machothesen festhielt, immer darauf bedacht, das eigene Scheitern noch in den Erfolg des „wilden Kerls, der nichts hat anbrennen lassen“ zu wandeln, den das Leben geschüttelt hat, wie ein Trip auf der Harley auf der Route 66 und für den Frauen einfach nur Wesen vom anderen Stern waren, verführerische Hysterikerinnen, die kein echter Mensch versteht. Und unweigerlich wanderten meine Gedanken während und nach der Sendung (man saß noch bei hervorragendem Catering zusammen in der Produktionsfirma herum – bis uns die schwarzen Limousinen des Chauffeurservice wieder in alle Welt zerstreuten und die Prominenten von den Nichtprominenten trennten) zu meiner Generation, in der Männer keine Komplimente mehr machen und Frauen sich nicht mehr – innerlich geehrt von dieser Wertzuweisung – zieren müssen, um dann doch dem männlichen Charme zu erliegen. In meiner Generation der ü-40er treibt ein anderer Irrsinn sein Unwesen: Beide Geschlechter reichen „Wunschlisten“ ihrer hohen Ansprüche ein, auf den Partnerportalen im Internet, wie Bestelllisten ihrer inneren Sehnsucht nach Perfektion und Wiedergutmachung für all die Leistungsanforderungen und unerfüllten Versprechen, geschürt durch die TV-Serien der 80er, 90er und dem Besten von heute.

Und was wird erst mit den jetzigen ü-20ern werden, die mit Heidi Klum und Dieter Bohlen und ihren völlig hohlen Dünnbrettbohrer-Werten groß geworden sind, mit den Scheinidentitäten im Internet und der Weltuntergangsstimmung sich aneinanderreihender globaler Kapital- und Klimakrisen? So hat wohl jede Generation ihre eigene Last mit der Liebe und dem anderen Geschlecht und dem Glück und die einen bekommen es trotz ihrer seltsamen Vorstellungen hin, wie Herr Fierek, und die anderen kämpfen weiter darum, wie Herr Balder, der auf Nachfrage in der Sendung zugab, dass er natürlich auch ein fünftes Mal heiraten würde.  Bin nur gespannt, ob meine Generation ihren Umgang mit der Liebe je so selbstironisch und witzig darzustellen weiß, wie die ü-60er in dieser Sendung…

PS: Wer sich selbst ein Bild machen will: Diese Sendung „Plasberg persönlich“ wird am 7.2. im WDR abends um 21.45 Uhr ausgestrahlt.

Share.