Frauenliteratur

Es gibt das Genre “Frauenliteratur”, aber keine vergleichbare Männerliteratur (obwohl die Bezeichnung Frauenliteratur für alle Nichtleser solcher Bücher sofort als abschreckender Stempel gilt: Unrealistische Heileweltmärchen vom Retter auf dem weißen Pferd bzw. im weißen Porsche, der der chaotischen Heldin den Himmel auf Erden bereitet im luxuriösen Designerbett und darüber hinaus.) 40 % (!) aller Taschenbuchverkäufe fallen in dieses Segment. Protagonistin solcher Geschichten ist fast immer die städtische, gebildete Singlefrau Mitte Dreißig, auf der Suche nach dem Wunderknaben, oft im selbstironischen Ton aus der Ich-Perspektive geschrieben, zur besseren Identifikation. Handtaschen, bester Freundinnen, Lippenstifte, Designerfummel, die irgendetwas Positives am eigenen Körper besonders unterstreichen und natürlich sexy Stilettos sind Standard-Assessors und Ende der emanzipierten Fahnenstange.

Männer träumen ja auch von Mrs. Right. Und wahrscheinlich würde Optik und leichte Hilflosigkeit bei gleichzeitigem Zweitverdienst gepaart mit guten Sex (den schein ja alle zu suchen) vielen Männern sogar zusagen. Wieso finden sie sich dann nicht? Liegt es daran, dass Männer lieber Fernseh/Internet daddeln und Bier trinken – und Frauen das gar nicht mögen? Sind es also die Frauen, die zu den Männern passen, aber die Männer nicht zu den Frauen?

Zum Frauenversteher mit der richtigen Lektüre

Wissen Männer eigentlich, dass es in sämtlichen Frauenromanen und Frauenzeitungen fast nur um Männer geht? Auf jeden Fall wäre es sinnvoller für Männer solche Frauenliteratur zu lesen, als den Playboy oder die GQ, in denen Tipps zum Frauenfang noch verschrobener und unrealistischer sind, als die Hühnerliteratur.

Eine große schockierende Erkenntnis sei hier verraten: Genauso wie Männer auf gutaussehende Frauen stehen, wollen Frauen gutaussehende Männer ihr Eigen nennen. Selbst die härteste Emanze schmilzt dahin, wenn ein attraktiver Mann vorbei kommt. Das mag Männer schocken, weil man für sein Aussehen nur sehr begrenzt etwas tun kann, also der Ohnmacht ausgeliefert ist (tja, meine Herren, das wissen wir Frauen schon länger). Mittlerweile sind die Hälfte der Patienten in den schönheistchirurgischen Praxen Männer, weil sie genauso wenig, wie wir Frauen gewillt sind diese Ohnmacht zu akzeptieren.

Nicht nur die Optik zählt

Das Aussehen bei einem Mann kann bei der Damenwahl sogar einiges beim Einkommen kompensieren. Was es nicht kompensieren kann sind: Manieren und innere Stärke, d.h. echtes gesundes Selbstbewusstsein. Leider muss Mann sich dafür aber mit sich selbst auseinander setzen. Und das hassen Männer am aller meisten. Denn auch der schönste Mann wird bald verlassen, wenn er ein infantiler Idiot ist. Übrigens wissen wir Frauen das auch schon länger, denn wer nur auf Äußerlichkeit setzt, vorzugsweise die eigene, leidet früher oder später an Altersdepression. Doch es gibt neben dem Alter noch etwas anderes, das die ungerechte Attraktivität der Gerechtigkeit zuführt: Selbstwertgefühl und Charakter. Aber den findet man nicht in der Frauenliteratur (weder als Leserin, noch als Leser) und auch nicht vor dem Fernseher oder in einer Bierflasche. Da findet man nur die Sehnsüchte der Gegenpartei, die an das eigene Geschlecht gestellt werden, die Anklagen und Vorwürfe ob der eigenen Unzulänglichkeit – und wie man sein sollte, um die infantilen Wünsche des anderen Geschlechts endlich zu erfüllen.

Vielleicht könnte man sich abwechseln: Eine Woche darf der Mann Bier trinken, Kumpels treffen, sich nicht rasieren, nicht einkaufen etc. und die Frau umsorgt ihn in High Heels und verhätschelt ihn mit Komplimenten, trotz seinem schlechten Benehmen, bringt ihm das Essen vor den Fernseher. Und die andere Woche bringt er ihr täglich Rosen mit oder lädt sie zum Essen ein, geht mit ihr in Frauenfilme und verdreht nicht die Augen, wenn sie stundenlang Klatsch und Tratsch mit der Freundin am Telefon bespricht, sondern stellt ihr eine frisch bereitete Latte Macchiato hin. Man könnte dann diese Wechselfrequenz stundenweise herbeiführen und irgendwann minütlich durchsetzen. Aber dann wären alle Paare glücklich und keiner würde mehr Frauenliteratur kaufen.

Von Katharina Ohana

Stand Juli 2012

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