Weltuntergang

Wahrscheinlich haben Sie es schon gehört: Diese Woche geht die Welt unter. Es verschafft anscheinend unheimlich viel Menschen eine Lust, die eigenen innere Verzweiflung, Orientierungslosigkeit und Schwarzsicht auf das Bestehen der Welt zu projizieren.

Katharina Ohana, Psychologische Beraterin, Bestsellerautorin und academicworld-Expertin

Was kann man sich selbst so schön ernst nehmen, was befriedigt es den eigenen Narzissmus so wohlig, wenn man die innere Dramatik endlich mal im außen findet, endlich mal was von Bedeutung passiert, was man selbst noch dazu schon lange wusste und voraus gesagt hat. Und dann können all die Geldgierigen Finanzmogule und all die anderen bösen Menschen und die große Jugendliebe, die einen so schmachvoll verlassen hat und der Exmann der einen auch so schmachvoll verlassen hat, alle die können dann sehen, wo sie bleiben. Jawohl. Nur: Haben wir selbst natürlich auch nix mehr davon.

Eine Bekannte, eine wirkliche Esoterikerin, erzählte  mir neulich, sie hätte fast ihr Haus in die Luft gesprengt: Weil sie für den Weltuntergang vorsorgen wollte, hatte sie Gasflaschen im Internet bestellt, aus Polen und die Ventile waren nicht dicht. Und wenn sie nicht zufällig die Weihnachtsdeko auf dem Dachboden gesucht hätte und ihr dabei der penetrante Gasgeruch aufgefallen wäre, dann hätte wohl irgendwann nur das Betätigen des Lichtschalters gereicht und dann wäre auf jeden Fall ihr Haus untergegangen. Sie wird auch im nächsten Jahr auf ihren Urlaub verzichten müssen, denn sie hat tausende von Euro ausgegeben für Schutzkleidung bis -40 Grad Celsius und Schutzzelte und Essen und Wasservorräte und alles was man so brauch, wenn man als einzige den Weltuntergang überleben will. Aber eigentlich wollte sie ja sogar einen Bunker bauen im Garten, so richtig unter der Erde mit Konservenvorräten, die 15 Jahre halten. Aber da hätten ihre Bank und die Baubehörde gestreikt.

Nehmen wir mal an, es stimmt und Freitag ginge die Welt wirklich unter. Was würden Sie machen an ihrem letzten Tag? Würden Sie die alte Jugendliebe anrufen und ihr sagen, dass sie sie immer noch lieben? Würden sie mit dem Exmann und den gemeinsamen Kindern Weihnachten vorziehen? Wen würden sie anrufen, um nochmal die Stimme zu hören? Was würden Sie essen oder trinken? Wäre Sex eine gute Idee? Und wenn ja, mit wem? Oder sind Sie froh auch endlich alle Sogen, Hauskredite, Schulabbruch des Sohnes, Zahnvorsorge und Renteneinzahlung los zu sein? Wen würden sie hoffen zu treffen, danach im Paradies? Denn das Jenseits ist ja bei den Majas genauso sicher gewesen, wie der Weltuntergang. Und würde man dann wirklich etwas ändern, im Paradies, wenn man so einen Weltuntergang mal erlebt hätte? Wäre uns dann klar was und wer wichtig ist? Wahrscheinlich müsste mit der Welt auch die menschliche Natur untergehen und engelsgleich neu auferstehen, damit sich nach Freitag wirklich mal was ändert. Die Klausel hätten wir den Majas dringend abhandeln sollen…

 

Von Katharina Ohana, Psychologische Beraterin, Bestsellerautorin und academicworld-Expertin

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