Was tun, wenn die Welt in der Apokalypse versinkt?

Gabby und die kleine Claire wachsen ganz normal heran – bis die Welt in der Apokalypse versinkt. Die Jagd um das Überleben ist eröffnet! Soweit die Grundlage zu LEFT BEHIND VANISHED, der am 8. Dezember auf DVD, Blu-ray und als VoD startet. Academicworld.net nahm das als Anlass, sich mal mit zwei echten Survival-Spezialisten über postapokalyptische Welten und Überlebenstrainings zu unterhalten.

Gabby steht vor den Ruinen ihrer Welt: Der Großteil der Menschheit ist plötzlich verschwunden – Panik bricht aus. Bild: EURO VIDEO

Herr Arlet, folgende Situation: Ich habe mich in der Naturwildnis verlaufen. Welche drei Dinge sollte ich idealerweise dabei haben oder ausfindig machen?
BA: An erster Stelle steht das Survival-Set oder EDC (Every Day Carry), ohne das ich niemals in die Wildnis aufbrechen würde. In so einem Set steckt Ausrüstung, mit der ich meine sieben Überlebensbedürfnisse zumindest für einen oder zwei Tage befriedigen kann. Diese Bedürfnisse sind Unversehrtheit, Wasser, Feuer, Unterkunft, Nahrung, Orientierung und Rettung.

In einem Szenario wie diesem sind vor allem Orientierung und Rettung wichtig, mögliche Ausrüstungsgegenstände dafür sind Karte und Kompass sowie eine laute Trillerpfeife oder eine reflektierende Rettungsdecke. Wenn ich nicht allzu weit draußen bin, wäre aber vor allem ein Handy nützlich.

Wenn man sich verlaufen hat – wie findet man den richtigen Weg?

BA: Selbst der beste Weg nützt mir nichts, wenn ich mein Ziel nicht kenne. Darüber muss ich mir also klar werden. Nehmen wir an, ich weiß, dass mein Ziel ein See im Nordosten ist. Wenn ich eine Karte dabei habe, kann ich mein Ziel darauf finden und schätzen, wo ich mich jetzt befinden könnte. Mit einem Kompass bestimme ich die Himmelsrichtung – habe ich keinen dabei, nutze ich eine analoge Armbanduhr, den Sonnenstand oder die Gestirne. Die Richtung am Moosbewuchs der Bäume abzulesen funktioniert übrigens nicht.

Es hilft ungemein, sich einen Überblick zu verschaffen – auf einem Hügel, einem Hausdach oder von einem Baum. Wenn ich in der Entfernung Orientierungspunkte entdecke und diese auf der Karte wiederfinde, kann ich meinen Standort mittels einer Kreuzpeilung bestimmen. Aber auch ohne Karte bietet mir die Natur viele Hinweise darauf, wo ich lang muss: Da mein Ziel in unserem Beispiel ein See ist, achte ich auf Vögel und Wildpfade, die meistens in Richtung Wasser unterwegs sind.

Irgendwann werde ich auf eine Auffanglinie treffen, etwa eine Straße, ein Fluss oder ein Waldrand. Diese Linien finde ich beinahe immer auf einer Karte wieder und kann von dort aus weiter vordringen. Während ich unterwegs bin, mache ich regelmäßig Orientierungshalte, damit ich nicht vom Kurs abkomme. So erarbeite ich mir Schritt für Schritt meine Umgebung und treffe irgendwann auf mein Ziel oder werde gerettet. 

Bei LEFT BEHIND VANISHED spitzt sich die Lage zu, als die Menschen nicht nur verschwinden, sondern sich auch gegeneinander richten … Bild: EURO VIDEO


Mein Wasservorrat ist alle – was tun?
DS: In so einem Fall lautet meine erste Aufgabe: Wasser sparen. Ich muss vermeiden zu schwitzen und darf trotzdem gebildeten Schweiß nicht abwischen, sondern sollte ihn zur besseren Kühlung auf dem Körper verteilen. Das bedeutet auch, dass ich mich nur wenn nötig bewege und direkte Sonneneinstrahlung vermeide. Um meinen Körper weiter zu kühlen und Schweißabsonderung zu vermeiden, wickle ich feuchte Tücher um meinen Kopf – dafür kann ich beispielsweise dreckiges Wasser oder Urin benutzen. Und ich trage nur minimalste Kleidung beim Marschieren. In den Pausen wird sich gegebenenfalls umgezogen.

Danach erstelle ich mir einen Plan, wie ich an Wasser komme. Je nach Situation, Region und Jahreszeit kann ich beispielsweise eine Auffangvorrichtung für Regenwasser aufstellen, ein Feuer zum Abkochen oder Destillieren von dreckigem Wasser machen, Sammelbehälter vorbereiten, Tauwasser auffangen, oder Tierspuren suchen, die mich zu einer Wasserquelle führen.

Das sind nur einige von viel mehr Möglichkeiten, um an Trinkwasser zu kommen – auf unseren Workshops lernt man das dann in der Praxis.

Man stelle sich vor, die Menschheit ist plötzlich verschwunden und ich bin mit Freunden immer noch da. Was wäre unser erster Schritt – in der Wildnis versus in der Großstadt?

DS: In der Wildnis sähe der Ablauf so aus: Versteck suchen, Unterkunft/Lager bauen, Trinkwasser herstellen, Nahrungslogistik sicherstellen, gegebenenfalls ein Team aufbauen und strukturieren, Waffen und Verteidigung herstellen oder in Besitz bringen, Kommunikationsmittel beschaffen, Ziele und Visionen erarbeiten, und schließlich soziale gesellschaftliche Strukturen und Schicht- sowie Einsatzpläne erarbeiten und etablieren.

BA: In der Großstadt ist es ähnlich, nur ist dort die Ausgangslage für viele der Tätigkeiten eine ganz andere. Zum Beispiel wird es in den ersten Tagen einfacher sein, Nahrung und Ausrüstung zu finden. Dafür muss ich mehr Zeit und Aufwand in die Verteidigung meiner Unterkunft und Gruppe investieren, da ich mich in der Stadt nicht so gut verstecken kann.

Überlebt man alleine besser oder in der Gruppe?
DS: Diese Frage kann man sich mit einem einfachen Gedankenspiel beantworten: Was passiert, wenn ich müde bin und schlafen will? Spätestens dann besteht die Gefahr, überfallen, ausgeraubt oder von wilden Tieren angegriffen zu werden. In einer Gruppe kann immer jemand Wache halten, während die anderen schlafen. Überhaupt werden alle anfallenden Aufgaben im Team effizienter gestaltet, und bestimmte Aufgaben sind oft nur im Team zu lösen, zum Beispiel Hindernisse zu überwinden, Selbstverteidigung oder Werkzeugbau – und natürlich die Fortpflanzung. (lacht) Dazu kommt, dass wir Menschen soziale Wesen sind – Vereinsamung führt irgendwann in den Wahnsinn.

Braucht man einen Anführer?
DS: Ja, denn die Effizienz und Effektivität eines Teams steigt oder fällt mit der Führungsarbeit. Die wichtigste Aufgabe des Anführers ist es, Ziele, Regeln, Prozesse und die Umsetzung und Kontrolle derselben – inklusive Strafen und Konsequenzen – einzuführen und umzusetzen.

Wichtig ist jedoch, dass der Anführer die Gruppeninteressen vertritt und als Diener der Gruppe tätig ist, anstatt seine eigenen Interessen durchsetzen zu wollen. Weitere Aufgaben für den Anführer sind: alle Funktionen und Positionen einer Gruppe organisieren und besetzen, Aufgaben und Stellenbeschreibung sowie Verantwortlichkeiten und Entscheidungsbefugnisse festlegen, Stellvertreter und Notfallpläne erarbeiten und trainieren – und auch eine übergeordnete Kontrollinstanz, also eine Art Aufsichtsrat, Rat der Ältesten et cetera ins Leben rufen.

Werkzeuge oder Essen, was ist wichtiger?

BA: In einer Krisensituation ist Nahrung erstmal nicht so wichtig – ein Mensch kommt tagelang, im Notfall wochenlang ohne Essen aus. Wichtiger ist, dass ich meine körperliche Unversehrtheit sicherstellen kann und eine warme Unterkunft, Trinkwasser sowie ein Feuer habe. Wenn diese Werkzeuge mir also helfen, meine akuten Survival-Bedürfnisse zu befriedigen, dann nehme ich sie lieber als einen Müsliriegel.

Was ist der größte Fehler, den man in einem postapokalyptischen Szenario machen könnte?

DS: Das ist einfach: Nicht vorbereitet sein. Wenn ich mich nicht mental vorbereite, bekomme ich Panik; wenn ich keine Ausrüstung vorbereitet und mir kein Survival-Know-how angeeignet habe, sterbe ich durch Erfrieren, Verdursten, Verhungern oder werde umgebracht; wenn ich mich nicht fit halte, ist meine Handlungsunfähigkeit durch Übergewicht, geringe Muskelmasse oder Zivilisationskrankheiten eingeschränkt; wenn ich mir kein Netzwerk aufbaue, habe ich im Ernstfall keinen Teamanschluss, keinen Schutz und keine Know-how-Ergänzung mit der Folge, ein Opfer oder Sklave zu werden.

In Notsituationen hat man meistens kein Survival-Kit dabei – was sind die am schnellsten Umsetzbaren Tipps und Tricks fürs Überleben?

BA: In einer plötzlichen Notsituation, auf die ich überhaupt nicht vorbereitet bin, empfehle ich den STOP-Algorithmus. Das bedeutet:

S wie Stop: Ich höre mit dem auf, was ich gerade tue, damit ich zur Ruhe komme und mir einen Überblick verschaffen kann.

T wie Think: Ich mache eine geistige Inventur: Wie ist meine Situation, was sind meine dringendsten Bedürfnisse, auf welche Referenzerfahrungen kann ich zurückgreifen?

O wie Observe: Ich schaue mich um und frage mich: Welche Ausrüstung habe ich eventuell dabei oder ist in der Nähe verfügbar, auf welche Ressourcen kann ich zurückgreifen? Was ist der beste Fluchtweg? Müssen noch andere Menschen gerettet werden?

P wie Plan: Bevor ich anfange zu handeln, erstelle ich einen kurzen Plan: Was ist am wichtigsten, was am zweitwichtigsten, und so weiter.

Diese Vorgehensweise ist nicht nur in großen Krisenszenarien nützlich, sondern auch im Kleinen, etwa bei einem Autounfall.

Benjamin Arlet (BA, oben rechts) und Daniel Schäfer (DS, oben links) sind Survival-Trainer und die Gründer von SurviCamp. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, Menschen auf schwierige Situationen vorzubereiten und sie mit Wissen, Fähigkeiten und Equipment auszustatten. Zusätzlich sind beide im Prepping-Bereich aktiv und leiten eine Berliner Prepper-Gruppe. Zu den immer wichtiger werdenden Themen Survival und Krisenvorbereitung werden sie regelmäßig in Medien (u.a. Deutschlandfunk, ZDF, Tagesspiegel, rbb) und von Institutionen wie der Bundeszentrale für politische Bildung befragt.

Das sagen die Trainer von SurviCamp über sich:
Beinahe täglich sind wir schwierigen und herausfordernden Situationen ausgesetzt – im Beruf, im Alltag, oder sogar während einer Notsituation wie einem Unfall oder einem Hochwasser. Genau dann braucht es Menschen, die in der Lage sind, schnelle und richtige Entscheidungen zu treffen.

Sich selbst und andere beschützen, Menschen retten: Das erfordert Fähigkeiten, Ausrüstung und die richtige Einstellung. SurviCamp bildet Männer und Frauen in Überlebensfähigkeiten aus und versorgt sie mit der richtigen Ausrüstung.

In Berlin und Umland veranstaltet SurviCamp regelmäßige Survival-Workshops, Survival-Camps sowie Prepping-Kurse, in denen die Teilnehmer praktische und theoretische Kenntnisse über die Themen Survival und Krisenvorsorge erlernen.

Zusätzlich baut SurviCamp sogenannte Prepper-Gruppen auf, in denen sich Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten zusammenschließen und für Krisenfälle organisieren können.

Eine Gratis-Leseprobe des beliebten SurviCamp-Handlungsplans für Krisen kann hier angefordert werden: http://www2.survicamp.de/sicher-vorbereitet-durch-die-krise-die-leseprobe/

Mehr Informationen: www.survicamp.de 

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