„Schüler sind Bürger des Staates Schule!“

Melda Akbas engagierte sich während ihrer Schulzeit als stellvertretende Schulsprecherin, im Bezirksschülerausschuss und arbeitete in ihrer Freizeit für die Türkische Gemeinde in Deutschland. Das Thema Schule ließ sie auch nach dem Abitur nicht los. In diesem Jahr erschien ihr Buch „Warum fragt uns denn keiner? Schüler sagen, was in der Schule falsch läuft“, in dem sie kritischen Schülern eine Stimme gab. David Lins von academicworld sprach mit der 22-jährigen Wahlhamburgerin.

Eigentlich bist du nun bereits drei Jahre raus – und studierst Jura und nicht auf Lehramt. Was brachte dich dazu, sich weiterhin mit dem Thema Schule zu beschäftigen und das Buch zu schreiben?

Schule beschäftigt einen noch lange nach dem Abitur. Das wurde bei mir noch verstärkt dadurch, dass ich auf Lesereise insbesondere in Schulen vorgelesen habe und permanent mit den Sorgen der Schüler und Lehrer konfrontiert wurde. Irgendwann fragt man sich: Wie war das bei mir? Warum fand ich Schule gut oder schlecht? Beeindruckt hat mich vor allem wie unterschiedlich die Schulen in Deutschland sind! 

Ganz kurz: Was läuft denn aus deiner Sicht in der Schule falsch? Was sind die Hauptkritikpunkte? 

Ich denke es gibt zwei Punkte, die sich zentral ändern müssen: Das eine ist die Forderung, dass Schüler mehr zu sagen haben müssen und den Schulalltag mitgestalten sollen, weil sie als Schüler „Bürger“ des Staates Schule sind. Ein bisschen mehr Demokratie würde ich mir quasi wünschen. Das andere ist das große Drumherum: Das System, die Lehrer, die Schulgebäude, also alles was Schule theoretisch ausmacht. Ich finde unser System ist zu steif, das sieht man zum Beispiel an der Lehrerausbildung, die seit Jahren gleich abläuft obwohl schon lange nach mehr Pädagogik geschrien wird. 

Ich habe etwas vermisst in deinem Buch und das ist der Faktor „Elternhaus“. Die allererste Berührung mit Wissen und der Wertschätzung von Bildung erfolgt normalerweise schon vor der Schule. Nimmst du Eltern komplett aus der Pflicht – oder was verlangst du von ihnen? 

Natürlich kann Schule ein gutes Elternhaus nicht ersetzen. Aber Schule kann auch nicht erwarten, dass jedes Elternhaus gut ist. Schule muss viel mehr die Schüler da abholen, wo sie stehen, auch wenn das manchmal ein riesiger Kraftakt ist. Was in den Elternhäusern passiert wird Schule nämlich wohl nie beeinflussen können. Ich würde mir an dieser Stelle aber mehr Unterstützung für die Lehrer wünschen in Form von Sozialarbeitern, die mögliche Problemfälle unterstützen, lösen oder begleiten.   


MELDA AKBAS. Warum fragt uns denn keiner?
Schüler sagen, was in der Schule falsch läuft
14,99 Euro, C. Bertelsmann

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