EthikBank: Begeisterte Auszubildende

Bei der EthikBank starten Lehrlinge in einem jungen Team. Über ihre Erlebnisse berichten sie im eigenen Blog. Am ungewöhnlichsten aber ist der Ausbildungsbeginn: Der findet auf dem Bauernhof statt.

Karsten Seifarth ist begeistert von seiner Ausbildung bei der EthikBank – Praktikum auf dem Bauernhof inklusive!

Immer schön steif, immer schön lächeln, Aktenkoffer in der Hand, Rendite im Sinn – das Klischee vom typischen Banker. Endlos Kopien ziehen, Akten abheften, Kaffee kochen – das Klischee vom Banklehrling.Bei der EthikBank sucht man beides vergeblich. Wer hier lernt, erlebt eine Ausbildung, die alles ist außer gewöhnlich.

Das beginnt schon in den ersten vier Wochen, denn die verbringen die Lehrlinge auf einem Bauernhof. Schubkarre und Mistgabel statt Laptop und Laserdrucker, Latzhose statt Anzug. Hier erleben sie, was tagtägliche körperliche Arbeit bedeutet, und lernen Respekt im Umgang miteinander. Zum siebten Mal findet dieses Praktikum jetzt zum Start des Ausbildungsjahres statt.

Vom Praktikum zum Traumberuf

„Ich finde die Idee mit dem Bauernhof richtig gut,“ sagt Karsten Seifarth, der derzeit sein Praktikum auf dem Hof der Agrargenossenschaft Buchheim-Crossen absolviert. „Und körperliche Arbeit macht mir nichts aus. Die bin ich von Ferienjobs schon gewöhnt.“ Fitness und Ausdauer dürften für den 19-jährigen Eisenberger auch kein Problem sein: Seit dreieinhalb Jahren betreibt er Taekwon-Do, eine waffenlose asiatische Kampfkunst, die er selbst vor allem als Gesundheitssport betrachtet: „Drei oder viermal pro Woche zu trainieren, das macht Körper und Kopf fit. Es hilft, die Konzentration zu trainieren und Stress abzubauen. Jede Gürtelprüfung, der ich mich stelle, ist ein neuer Anreiz.“ Eine Einstellung, die ihm sicher auch in der Ausbildung nützen wird.

Was mit dem Geld der Kunden geschieht

Karsten Seifarth hatte zunächst bei einem Schülerpraktikum Bank-Atmosphäre geschnuppert. Später reifte die Erfahrung zum Berufswunsch: Bankkaufmann. An der Volksbank Eisenberg, der Mutter der EthikBank, gefällt ihm, dass sie verwurzelt ist in der Region, dass sie Tradition hat und zugleich neue Wege geht. Die EthikBank investiert das Geld ihrer Kunden nach strikten ethisch-ökologischen Anlagekriterien. Nicht in Atomkraft, in Militärwaffen oder grüne Gentechnik zum Beispiel. Dafür unterstützt sie soziale Projekte und die Nutzung erneuerbarer Energien. „Das wird in Zukunft immer wichtiger“, glaubt Karsten Seifarth. „Immer mehr Menschen machen sich Gedanken, woher unsere Energie kommen soll und wer das finanziert. Aber auch darüber, wo sie ihr Geld anlegen und was damit gemacht – oder eben nicht gemacht – werden soll.“

Mit jungen Leuten auf einer Wellenlänge

Wenn das Bauernhof-Praktikum vorüber ist, geht es für die Auszubildenden in die Bank. Hier kommen sie in ein ausgesprochen junges Team. Während bundesweit das Durchschnittsalter von Arbeitnehmern in den vergangenen Jahrzehnten immer weiter gestiegen ist (2010 lag es bei 41,4 Jahren), hat sich die Volksbank Eisenberg verjüngt: Hier liegt das Alter im Schnitt bei 35,2 Jahren. Nancy Ahlendorf, die selbst hier gelernt hat und heute das Kundenzentrum der EthikBank leitet, ist 25. So jung wie sie und jünger sind 21 Mitarbeiter der Eisenberger Bank.

Die Auszubildenden lernen in allen Abteilungen. Im Gegensatz zu einer Großbank sind hier die Hierarchien flach, die Wege kurz, die Kommunikation unkompliziert. Jeder bekommt früh Verantwortung übertragen, aber auch Hilfe zur Seite gestellt. Ein Lehrling lernt stets den nächsten bei einer Aufgabe an – davon profitieren beide. Die jungen Menschen in Ausbildung bearbeiten Anträge für den ÖkoKredit der EthikBank, sie basteln mit am Internetauftritt der Bank, und: sie stehen Model für Plakate. „Wir setzen Personalkampagnen mit unseren eigenen Mitarbeitern um, weil das authentischer ist als mit x-beliebigen Werbefotos“, sagt Antje Häußler.

Erfolge posten, Frust ablassen, Mut machen

Von ihren Erlebnissen während der Lehre berichten die angehenden EthikBanker in einem „Azubi-Blog“, hier posten sie Erfolge und Stolpersteine. „Das Team im Marketing fetzt total!“ schreibt Therese. Annika freut sich über „ein Grillfest mit den Arbeitskollegen im Biergarten-Flair unseres Innenhofes“.

Sven hadert mit seinen Noten. Christin jubelt über ihr Englisch-Zertifikat: „Juhu ich habe es geschafft!!!“. Olga, die sich „in einem fremden Land mit einer fremden Sprache als Bankkauffrau“ beworben hat und bei der Bank in Eisenberg eine Zusage erhielt, möchte auch anderen Mut machen: „Ich glaube, es gibt viele junge Menschen, die denken, dass es schon zu spät ist, ein Lehrling zu werden und ihren Traumjob auszuüben.
Ich würde allen empfehlen – probiert es einfach!“

„Die Zeit der grünen Banken“: Mehr zur EthikBank gibt es hier

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