Zeit ist Geld

… und Geld ist Zeit. Jedenfalls im Film „In Time“. Dort hat Lebenszeit als Währung das Geld abgelöst. Pleite also gleichbedeutend mit dem Tod. Ab dem 13. April auf DVD und Blu-ray.

Rezension: In Time

Die Uhr tickt

Wenn die Menschen nicht mehr sterben müssen könnte es eng werden auf der Welt. Das weiß man spätestens seit der äußerst einfallsreichen Erklärung aus „Wer früher stirbt ist länger tot“, dass die Menschen nun einmal sterben müssen, weil sonst am Stammtisch bald kein Platz mehr frei ist. Ganz ähnlich funktioniert das auch im Film „In Time“. Weil der Alterungsprozess und letzten Endes auch der Tod durch die neuesten Erkenntnisse der Wissenschaft aufgehalten wurden bleiben alle Menschen immer 25 – zumindest solange sie es sich leisten können. Denn mit dem 25. Geburtstag beginnt die Uhr auf jedermanns Unterarm zu ticken. Ein Jahr für jeden. Unerbittlich zählt sie Sekunde um Sekunde herunter. Und jeder weiß: Wenn die letzte Sekunde abläuft, ist es vorbei mit dem ewig jungen ewigen Leben. Also gilt es Zeit zu verdienen, zu erspielen, zu stehlen. Ein täglicher Kampf ums nackte Überleben. 

Will Salas (Justin Timberlake) ist ein ganz durchschnittlicher Bewohner dieser neuen Zeiten. Außerhalb der Arbeit bleibt ihm nicht viel zu tun, denn er lebt in einer der Zonen, in der man in der Regel morgens mit nicht viel mehr als einem verbleibenden Tag erwacht. Der nächste will sich also erarbeitet werden. Will ist nun seit 3 Jahren 25 und lebt zusammen mit seiner Mutter Rachel (Olivia Wilde). Gerade wurden wieder die Preise aufgestockt, der Kaffee kostet nun 4 statt 3 Minuten Lebenszeit, als Will in einer Bar den offensichtlich mit Zeit reichlich ausgestatteten Henry Hamilton (Matt Bomer) trifft. So ohne Bodyguard ein gefährliches Unterfangen, könnte ihm doch jeder seine Zeit stehlen. Als es brenzlig wird versucht der gutherzige Will Henry das Leben zu retten. Doch dieser ist der immerwährenden Jugend längst überdrüssig und will sterben. Vorher überträgt er seinen „Kontostand“ auf Will. 

Drei Generationen, ein Alter

Mit der neu gewonnenen Freiheit versucht Will zuerst seiner Umgebung zu helfen und wagt dann einen Abstecher in eine der besseren Zonen. Jeder Grenzübertritt kostet Monate Zeit – Aufstieg ist offensichtlich nicht gewünscht in dieser Gesellschaft. Im Casino – auch hier wird selbstverständlich um Zeit gespielt – lernt er Zeitverleiher Philippe Weis (Vincent Kartheiser) und von diesem unbemerkt auch dessen Tochter Sylvia (Amanda Seyfried) kennen. Weis lädt ihn zu einer Party in seinem Haus ein, wo er ihm seine Mutter, Frau und Tochter vorstellt – alle drei sehen identisch gleich alt aus. Als dort plötzlich Timekeeper Raymond Leon (Cillian Murphy) auftaucht, gerät die Lage außer Kontrolle. Salas nimmt Sylvia als Geisel und befindet sich ab sofort auf der Flucht. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, der nicht für beide gut enden kann.

Rezension: In Time

Potenzial verschenkt

Die Idee ist gut. Die Umsetzung leider eher naja. Irgendwann macht es einen schier Wahnsinnig diese gleichförmigen Menschenmassen zu betrachten. Alle glatt und ausdrucksarm – sogar Schauspieler wie Cillian Murphy, der sonst mit fast hypnotischem Blick gekonnt zu fesseln vermag, bleiben blass. Zumal der einzige Mensch mit wirklich Hintergrund-Geschichte Timberlakes Will Salas ist und der leider nur spärlich spannend wirkt. Alle anderen scheinen im luftleeren Raum zu hängen.

Bedeutungsschwere Anspielungen werden nie wieder aufgegriffen, Motivationen kaum hinterfragt. Es ist gewagt zwei Schauspieler zu Hauptfiguren zu machen, die zusammen nur drei Gesichtsausdrücke auf Lager haben. Timberlake schlägt sich da noch ganz wacker, agiert souverän und agil, aber Amanda Seyfried kommt über die Funktion bloßer Staffage einmal mehr nicht hinaus. 

Gisela Stummer (academicworld.net)

In Time – Deine Zeit läuft ab

Regie: Andrew Niccol
Darsteller: Amanda Seyfried, Justin Timberlake, Cillian Murphy, Vincent Kartheiser, Olivia Wilde, Matthew Bomer

Von: 20th Century Fox 
Ab 13. April im Handel

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