Wüstenkind auf Selbstfindungstour

Amani ist ein Teenager mit einem massiven Problem: Ihre Mutter wurde erhängt, weil sie Amanis Stiefvater erschossen hat. Seither lebt sie im Haus ihrer Tante, der sie ein großer Dorn im Auge ist – vor allem, weil Amanis Onkel sie nun als eine Zweitfrau nehmen will. Amani muss weg, will nach Izman fliehen, einer großen Stadt irgendwo auf dem Wüstenplanet, auf dem sie lebt. Doch dafür braucht sie Geld – also gibt sie sich als Junge aus und will einen Schießwettbewerb gewinnen. Der Plan geht kräftig in die Hose und noch dazu hat sie jetzt Jin an der Backe, der vom Kommandant Naguib als Verräter gesucht wird. In ihrer Gesellschaft heißt das nichts anderes, als dass ihr Leben verwirkt ist …

Die Kritik

Die Grundidee ist sehr spannend, allerdings gibt es einige Faktoren, die dem Buch die Spannung ein wenig genommen haben oder den Leser stocken und grübeln lassen. Es beginnt mit dem Ort: Eine Wüstenregion, die selbstredend komplett verarmt ist. Das hat man so doch schon etwas zu oft gesehen / gelesen. Dazu kommt, dass die hier enthaltene Gesellschaft dermaßen patriarchisch geprägt ist, dass selbst ein halber Scherz gegenüber einem Offizier des Heeres angeblich dafür reichen würde, Amani von Rechts wegen erschießen zu dürfen. Im nächsten Moment darf sie jedoch eine Waffe tragen. Im 100-Seelen-Dorf hat außerdem jahrelang niemand bemerkt, dass sie sich unweit vom Haus schießen beigebracht hat?

Nicht zuletzt ist Amanis brennender Wunsch, aus dem kleinen Dorf auszubrechen und in die große Stadt zu flüchten ein relativ plattes Motiv. Jeder Teenager im ländlichen Raum mag es bisweilen nachfühlen können, was grundsätzlich nicht verkehrt ist – aber es ist kein großes Ziel des Lebens, mehr ein Wunsch nach erster Veränderung eines sehr jungen Mensches. Dazu kommt, dass es sich dieser Wunsch nicht richtig in eine von Blut und Hass geprägte Rebellion überführen lässt – ja, Amani folgt Jin und seinem Kompass, aber wie sie zur Rebellin mit eigener Motivation werden soll, erschließt sich bis zum Ende nicht so ganz.

Gut fist, dass die Romanze mit Jin sehr unbelastet angefangen hat. Beide Personen wurden aus einer gewissen Distanz beschrieben, die zu den beiden Charakteren passt. So handelt es sich um eine sehr entspannte Annäherung ohne klassischen Kitsch, die nicht zu sehr an den rosaroten Nervenenden kratzt und sich auch nicht in den Vordergrund drängt. Lobenswert außerdem die fantastischen Elemente der Wüste, die auch nur dort hineinpassen. Wesen wie die Buraqi bereichern Amanis Reise deutlich und regen die Fantasie des Lesers an.

Das Fazit: Für eine sehr junge Zielgruppe sicherlich ein spannendes Abenteuer mit einer Protagonistin, in die sie sich leicht einfühlen können. Allerdings sorgt das Buch bei Lesern jenseits der 16 Jahre nicht gerade für besonders viel Spannung.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Amani, Rebellin des Sandes. cbt Verlag.
Alwyn Hamilton. 9,99 Euro.

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