Wider die Ewigkeit

In diesem Band der Foundation-Reihe schickt Isaac Asimov als Protagonist Andrew Harlan ins Rennen. Als sogenannter Ewiger kann er die Zeit manipulieren – ein Job, der klinische und mathematische Präzision erfordert. Die kommt ihm abhanden, als er sich Hals über Kopf in eine Zivilistin verliebt. Mit enormen Konsequenzen für die Ewigkeit …

Andrew Harlan ist ein Ewiger. Das heißt, er arbeitet in und mit einer Gruppe anderer Ewiger daran, der menschlichen Gesellschaft durch die Jahrhunderte hinweg eine optimale Entwicklung zu ermöglichen. Das bedeutet nichts anderes, als dass er und seine Kollegen in den Ablauf der Zeit eingreifen, um bestimmte Konsequenzen zu ändern oder zu erzielen. Wird beispielsweise eine technische Innovation aus einem künstlich ausgelösten Zufall nicht erfunden, wird einige Jahre später ein Krieg vereitelt.

Ihre Arbeit erstreckt sich dabei bis in die 100.000 Jahrhunderte – es gibt also Zeitreisemöglichkeiten und die Ewigen selbst scheinen kaum zu altern. Seine Tätigkeit macht aus Harlan einen Mensch, der fast zu einem Roboter erzogen wird: Absolute Objektivität, Neutralität, Detailorientierung. Bis er auf eine junge Frau (Noÿs Lambent) trifft, die ihm gehörig den Kopf verdreht – und zu beispiellosen Verbrechen an der Zeit animiert. Nebenher hat er den Auftrag, einen jungen Neueinsteiger auszubilden, der eigentlich schon viel zu alt ist und auch sonst so gar nicht in das Schema der Ewigen passt …

Die Kritik

Das erste Hauptthema ist in dieser Geschichte die Zeit, und was der Mensch daraus macht, wenn er sich ihrer bemächtigen kann. Für Isaac Asmiov wird die Zeit für diesen Band tatsächlich zu einer Art vierten Dimension, die der Mensch nach seinen Regeln manipulieren und biegen kann. Immerhin haben seine Gesellschaften aber einen moralischen Hintergrund und es herrscht keine Anarchie – nur eben das Modell, dass einige wenige über das Schicksal vieler Milliarden Menschen in vielen tausend Jahrhunderten entscheiden. Das ist natürlich ein Analogum zur Gesellschaft mit ihren reichen und armen Mitgliedern: Zehn Prozent der Menschheit kontrollieren 90 Prozent des Geldes. Das gibt ordentlich zu denken, ist aber leider für den einzelnen Leser nichts, woran er/sie etwas ändern könnte.

Das zweite Hauptthema ist ziemlich brandaktuell und stößt bei der Generation Y vermutlich auf pure Zustimmung: Wir sind nicht nur Roboter, die Arbeitsaufträge annehmen und abarbeiten. Denn Harlan ist ein TEchniker, der quasi komplett emotionsfrei arbeitet. Das klappt aber eben nicht, als er auf Noÿs trifft und er gar nichts dagegen unternehmen kann, dass er Gefühle entwickelt. Und plötzlich ist er ein Mensch mit Regungen, Emotionen, Gefühlsausbrüchen, scheinbar irrationalen Schlussfolgerungen. Er entreißt sich damit dem Kokon des Roboterdaseins und steht auf einer vollkommen neuen Wahrnehmungsebene. Die bringt ihm ordentlich Schwierigkeiten ein, weil sein Umfeld damit nicht klarkommt – womit wir beim Arbeitsalltag der Gen Y angekommen wären.

Es gibt drei Gründe, warum dieser Band nicht zu den stärkeren Asimov-Büchern gehört. Erstens, weil die Hauptperson lange sehr gefühlsneutral ist und damit einfach kein persönliches Interesse an seinem Schicksal entsteht. Zweitens, weil im Buch viele Gedankensprünge enthalten sind. GLaubt man, dass Person A jetzt mit Plan A durch die Welt geht, springt sie völlig überraschend zu Plan B bis G im nächsten Kapitel. So wird das Lesen sehr unruhig. Der dritte Grund ist der, dass der Buchtitel ab nach dem zweiten Drittel der Geschichte das Ende ganz offensichtlich werden lässt, was extrem schade ist.

Fazit: Grundsätzlich interessanter Hintergrund, aber leider ein Buch der großen Foundation-Reihe, das man auch mal auslassen darf.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Isaac Asimov. Das Ende der Ewigkeit.
Heyne Verlag. 8,99 Euro.

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