Werther reloaded

Zu seiner Entstehungszeit als großer Wurf gehandelt hat Goethes leidender Werther seit den Hochzeiten der davon inspirierten Selbstmorde unzählige Schüler- und Studentengenerationen fast in selbigen getrieben. Jetzt bieten sich endlich neue Perspektiven auf die Leiden des jungen Leidenden.

Im englischsprachigen Raum schon seit einiger Zeit ein großer Erfolg scheit die Welle der Klassiker Mash-Ups nun auch nach Deutschland zu schwappen. Hier wie dort scheint es besonders die Kombination aus akuter Liebesnot und gewalttätiger Fantasy zu sein, die sich vorrangig anbietet. (Vgl. Pride and Prejudice and Zombies)

Wider die animalischen Triebe

„Werther, der Werwolf“ trägt als Autor neben dem großen Johann Wolfgang das wenig geistreiche Pseudonym „Wolf G. Heimrath“ auf dem Cover. Wenig geistreich ist leider auch der Großteil der Erweiterung des Briefromans um die noch weitaus animalischeren Triebe des jungen Werwolfs zwischen Selbstfindung und Identitätskrise.

Noch vor Einsetzen der Handlung wurde Werther von einem schwarzen Hund in die Hand gebissen. Ein Unfall, dem er zunächst keine weitere Bedeutung beimisst. Dazu ist er auch viel zu beschäftigt mit seiner neuen Bekanntschaft Lotte. Da kann einem schon einmal entgehen, dass die eigenen Sinne sich merklich geschärft haben. Auf dem großen Ball, zu dem er die Schöne begleitet geschieht das Unbegreifliche: Während eines gewaltigen Unwetters bemerkt Werther plötzlich, dass am Ende seiner Arme keine Hände mehr sind, sondern behaarte Klauen!

Zwischen Parodie und Hommage

Wie im Original wird die Geschichte als Briefroman mit Erzählereinschüben gegen Ende geschildert. Ganze Briefe sind fast wörtlich zitiert, andere leicht modifiziert, teils aber auch ganze Handlungsstränge neu konzipiert. Das Ganze ist dabei durchaus spannend – der Wunsch der Gute möge sich doch endlich umbringen, der mich beim Original stets ab etwa Seite 25 begleitet, hält sich sogar lange Zeit zurück.

An manchen Stellen ist man sogar drauf und dran sofort den passenden gelben Reklamband aus dem Regal zu ziehen … den Sprachduktus und Stil des damals noch jungen alten Meisters trifft der Autor nämlich erstaunlich gut. Und so schwingt das Werk recht frei zwischen Parodie und Hommage hin und her. Vielleicht kein Klassiker, aber ein netter Spaß.

(Gisela Stummer, academicworld.net)

 

192 Seiten

Goldmann Verlag (Mai 2011)

12,99 Euro

 

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