Wenn die Musketen rollen…

.. und der Donner kein Sommergewitter ist, sondern das Grollen der Kanonen – ja dann sind wir live dabei im Amerikanischen Bürgerkrieg und liegen neben unserem Lieblingsrebellen Starbuck im Dreck.

Achtung, hier handelt es sich um Band 4 der Starbuck-Reihe!

Mal ganz abgesehen davon, dass Musketen eigentlich rettunglos veraltete Waffen sind. Aber das ist nur eine Widrigkeit, gegen die Starbuck kämpfen muss. Plötzlich wird er seiner Truppe enthoben und bekommt die verlachten Gelbschenkel übertragen. Deren Spitznamen kommt nicht von ungefähr: Bei ihrer ersten Schlacht sollen sie sich ordentlich eingepisst haben, bevor sie die Flucht angetreten haben. Vor Yankees! Schätze, das war keine Glanzleistung. So, und hier soll Nate Starbuck also weiterkämpfen. Er, der Sohn eines Priesters aus dem Norden, der auf der Seite des Südens kämpft.

Womit wir direkt auf einen wichtigen Punkt kommen: Der Krieg ist keine schwarz weiße Angelegenheit, pun intended. Manche Männer zogen in den Krieg, weil sie ‚ihren‘ Süden angegriffen sahen und verteidigen wollten. Manche von Ihnen haben sich also tatsächlich nicht an der Invasion in den Norden beteiligt. Andere wurden Soldat, weil es von ihnen erwartet wurde und gerade damals viel im Leben von der Ehre abhing. Und ja, einige standen tatsächlich auf der Seite der Sklavenhalter. Das Buch ist also mehr eine Geschichte über Geschichte. Sie glorifiziert keine Helden sondern versucht, ein einigermaßen realistisch anmutendes Bild zu zeichnen: Von den vielen Toten, den harten Entscheidungen. Von der Art abzustumpfen, wenn man dort zu viel mit bekommen hat. Wie erschreckend menschlich man bleiben kann und trotzdem den Abzug drücken, wenn der Typ vor dir eine Uniform in der falschen Farbe anhat.

Und so kämpft Starbuck. Um seine geistige Gesundheit, sein Leben, seine nicht-vorhandene Überzeugung, den Süden, die Anerkennung und seine Männer. Denn wer nicht kämpft, hat schon verloren – so ergeht es zumindest Starbucks ehemals besten Kumpel, Adam. Das ganze Buch ist eine einzige Schlacht!

Leider gibt es ein Manko, das nicht ganz unerheblich ist: Die letzten 100 Seiten bestehen aus einer reinen Schlachtenbeschreibung. Wobei man sich jetzt nicht an Titanen wie Tolstoi halten sollten, die das über mehrere hundert Seiten geschafft haben und damit tausende Menschen in den tiefsten Schlaf sinken ließen. Der Autor Cornwell lockert es immer wieder auf. Denn er ist mit seinem Leser so tief in seinen Charakteren und deren Gedankenwelten abgetaucht, dass es gar nicht anders geht. Nate leidet. Nate verändert sich. Seine Sichtweise auf die Welt adaptiert sich mit jedem toten Mensch, den er sieht. Und davon gibt es höllisch viele…

Auch für nicht Schlachten-affine Menschen lässt sich das Buch gut lesen und besonders das Ende stellt eine große Frage: Was wird aus all den Marionetten, wenn der Krieg irgendwann vorbei ist? Die Spannung auf Band 5 ist groß… Sollte es jemals einen geben! Denn das englische Original von Band 4 erschien bereits 1996. 

Bettina Riedel (academicworld.net)

Bernard Cornwell. Starbuck, Band 4.
Rowohlt. 14,99 Euro.

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