Wandelnde Mumien, ein frisch geschlüpfter Flugsaurier und echte Schwesternliebe

In „Adèle und das Geheimnis des Pharaos“ fährt Regisseur Luc Besson so ziemlich alles auf, was sich die abenteuerlustige Protagonistin vorstellen kann. Ab dem 1. April 2011 auf DVD.

 

   

Wandelnde Mumien, ein frisch geschlüpfter Flugsaurier und echte Schwesternliebe
Adèle hoch zu Kamel in Ägypten.

Gut, für den Fan der durchschnittlichen Hollywood-Comic-Verfilmung ist „Adèle und das Geheimnis des Pharaos“ vermutlich kein besonderer Genuss. Da sich die Comicvorlage von Jacques Tardi aber auch eher auf einer Linie mit europäischen Großen, wie Tim und Struppi und nicht so sehr in der Nähe von Super-, Spider- oder Batman befindet, war das wohl auch vorauszusehen.

 

Im Paris Anfang des letzten Jahrhunderts schlüpft ein Flugsaurier aus einem uralten Ei und sorgt für große Verwirrung, gleichzeitig dringt Adèle, die lebenslustige, starrsinnige und abenteuerlustige Reporterin und Hobby-Archäologin in ein altes Pharaonengrab ein. Was die beiden Handlungsstränge mit einander zu tun haben bleibt lange offen – und soll auch hier nicht verraten werden. Adèle für ihren Teil sucht nach einer Möglichkeit, ihre Schwester ins Leben zurückzuholen, die nach einem Unfall mit einer Hutnadel nur mehr vor sich hinvegetiert. Sie ist sich ganz sicher, dass Patmosis, Leibarzt von Ramses II. und leider ebenso lange tot wie dieser, ihre beste Chance ist. Doch diesen aus dem Sarkophag zu holen und nach Paris zu verfrachten ist nur der erster eine ziemlich ausufernden Reihe von Schritten, die nötig sind, um sich dem Ziel auch nur von Ferne zu nähern. Dabei ist sich die Reporterin für nichts zu schade: sie raucht, flucht, bricht ins Gefängnis ein, will den französischen Regierungschef bezirzen und tut überhaupt all das, was zu dieser Zeit für eine junge Dame wohl weder schicklich noch angemessen ist. Ein weiblicher Indiana Jones mit feministischem Tatendrang – selbst eine schießwütige Lara Croft hätte da Mühe mitzuhalten.

Wandelnde Mumien, ein frisch geschlüpfter Flugsaurier und echte Schwesternliebe
© Universum

Herrlich skurill

Die Heldin Adèle Blanc-Sec ist weder von einem anderen Planeten, noch hat sie sonstige übermenschliche Superkräfte – ihre Überlegenheit ergibt sich aus einer ganz besonderen Mischung von überwältigender Ehrlichkeit und bissigem Sarkasmus, gepaart mit einer ordentlichen Portion Mut und Unverfrorenheit. Männer, Mumien, Bösewichte – für Adèle sind das keine ernstzunehmenden Hindernisse. In einer herrlich skurrilen und überdrehten Welt lässt Regisseur Luc Besson so kleine Schwierigkeiten wie Tod, Schwerkraft und Storylogik mühelos hinter sich. Natürlich könnte der Pterodaktylus eleganter animiert durch die Lüfte schweben, aber muss einen das bei einem derartig charmanten, sehr französischen Filmabenteuer, wo schon einmal eine Mumie im Anzug durch Paris spaziert und sich nach dem Weg zur Ausstellung der Mumie von Ramses II. erkundigt, wirklich stören? Natürlich könnte die Handlung geradliniger sein, könnten die Charaktere im Hollywood’schen Sinne nachvollziehbarer sein. Aber gerade diese inhaltlichen, wie charakterlichen Verschrobenheiten machen den Film zu etwas Besonderem.

 

Cast: Mathieu Amalric, Louise Bourgoin, Gilles Lellouche, Philippe Nahon, Frédérique Bel

Regisseur: Luc Besson

 

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