Wader Wecker Vaterland

Eine Konzertreise durch zwei politische Lebensgeschichten. Hannes Wader und Konstantin Wecker zusammen auf den Bühnen Deutschlands. Regisseur Rudi Gaul („Das Zimmer im Spiegel“) zeigt ein Duo, das lange so nicht vorstellbar war, das gemeinsam durch das „Vaterland“ tourt und es schafft aus ihrer Gegensätzlichkeit eine musikalische Gemeinsamkeit zu erreichen. Zwei der bedeutensten Liedermacher Deutschlands auf der Leinwand, ab dem 15. Dezember im Kino.

Die Dokumentation „Wader Wecker Vaterland“ begleitet die beiden grundverschiedenen Liedermacher Hannes Wader und Konstantin Wecker auf ihrer Tour quer durch Deutschland. Man kann Wader und Wecker gemeinsam auf der Bühne erleben, wie sie ihre Lieder miteinander teilen und man ist überrascht wie gut das funktioniert.

Denn das Charakteristikum an Waders Liedern war immer die Einfachheit der Darbietung, er steht ja nur mit seiner Gitarre bewaffnet, vor einem Mikrofon und gibt seine Lieder zum besten, die durch Inhalt und weniger durch ihre Inszenierung glänzen. Und selbst dieses Arrangement scheint ihm noch zu üppig. So würde er sich am liebsten mit einer Gitarre begleiten, die weniger als sechs Saiten habe. Ganz anders Konstantin Wecker, der durch seine körperliche Präsenz, seine aufbrausende Klavierbegleitung und seiner einnehmenden Stimme, das Konzert als Leistungssport betreibt.

Was für die Musik gilt, gilt auch für den Charakter. Wecker der Imposante, der auf alle zugeht, alles orchestriert. Daneben Wader, der Eigenbrötler, der sein Süppchen alleine kocht, am liebsten Konzerte gibt, über deren Choreographie er allein die Kontrolle hat, weil es keine gibt. Wenn diese beiden zusammen Musik machen, wenn diese beiden Charaktere aufeinander treffen, vor allem bei den Proben ist das zu sehen, dann sagt Wecker was wer machen soll und danaben steht Wader wie ein Schuljunge, der eigentlich viel zu alt ist, um sich die Anweisungen eines „Lehrers“ anzuhören. Aber, und das ist die große Überraschung des Films, es funktioniert, sie machen zusammen richtig gute Musik.

Bewegte Biographien

Beide Künstler können auf ein bewegtes Leben zurückblicken. Der Regisseur beleuchtet des Leben von Hannes Wader und Konstantin Wecker, die beide versuchten sich der politischen Vereinnahmung zu entziehen, um weiterhin „ihre“ Musik machen zu können. Wecker verschlägt es dafür in die Toskana, Wader kauft eine Windmühle in Nordfriesland und zieht sich dorthin zurück.

Auch mit Skandalen hatten beide zu kämpfen. Wecker hatte sich dem Koks verschrieben hatte und in Waders Wohnung lebten in seiner Abwesenheit die Terroristen der Baader-Meinhof-Gruppe. Diese Probleme brachten jedoch keinen von ihnen zu schweigen, denn ihre Lieder haben eine fast zeitlose Qualität, was beispielsweise an Weckers „Willy“ zeigt, der nach dem Fall der Mauer, seine Aktualität in den rassistischen Pogromen der frühen neunziger Jahre bewies.

Wader und Wecker gewähren auch private Einblicke in ihr Leben. Man sieht Hannes Wader wie er die vier plus, in einer Schularbeit seiner Tochter als „gutes Ergebnis“ würdigt, obwohl er „das meiste geschrieben“ habe, wie seine Tochter ergänzt. Man darf bei den Weckers hineinschauen, wie sie zu Abendessen. Am spannensten jedoch, ist das gemeinsame Interview, das Wecker und Wader im Zug geben. Denn natürlich fahren die beiden nicht in einem schicken Auto herum oder fliegen gar durch die Republik, nein, die beiden fahren mit der Bahn. Hier werden Grundsatzfragen besprochen:

Wader: „Diese Frage ist mir über die Jahrzehnte immer wieder gestellt worden: ‚Meinst du, dass du mit deinen Liedern die Welt verändern kannst…‘ – Nein! Das meine ich nicht!“

Wecker: „Man muss doch die Gegenfrage stellen: Ohne unsere Lieder hätte sich die Welt verändert! Sie hätte sich negativ verändert!“

Auch in diesen Zitaten hört man wieder den so unterschiedlichen Charakter der beiden heraus, der sie voneinander absetzt und sie doch irgendwie verbindet, denn obwohl ihre Lieder ihre eigenen sind, die sie schon so oft vor Publikum geträllert haben, teilen sie diese miteinander erschaffen damit etwas Neues.

Fazit: Wer Wader und Wecker mag, wird sich im Kino an vergangene Tage erinnern und die Musik genießen, denn dieser Film ist für dieses Publikum gemacht. Wer die beiden eventuell nicht kennt, sollte dies mit „Wader Wecker Vaterland“ nachholen, denn der Film bietet eine wunderschöne Zusammenfassung der kulturellen Errungenschaften der beiden Liedermacher.

(David Santin academicworld.net)

Wader Wecker Vaterland

Regie: Rudi Gaul
Mitwirkende: Hannes Wader, Konstantin Wecker
Kinostart: 15. Dezember

Im Verleih von Zorro Film

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