Von London nach Kentucky

Seit dem letzten Abenteuer der Kingsmen (!) ist es ruhiger geworden um Eggsy. Er hat eine wunderbare Freundin gefunden – schwedische Kronprinzessin natürlich – und dient seinem Vaterland brav als Kingsman. Dann geschieht das Unvorstellbare: Die gesamte Organisation wurde gehackt und durch einen weltweiten Streich des sogenannten Golden Circles zerstört. Nur Eggsy und Merlin überleben und aktivieren das Doomsday-Protocol. Was sich als eine Flasche Bourbon herausstellt, die eine geheime Botschaft in sich trägt. Merlin und Eggsy wird klar: Die einzige Unterstützung, die sie je bekommen werden, liegt wohl in Kentucky, wo sie auf eine seltsame Truppe names Statesman treffen. Bleibt die Frage: Wer steckt hinter den Anschlägen und wie können sie das weltweit umfassende Komplott entschärfen?

Die Kritik

Der erste Kingsman-Film war ein Feuerwerk schrägen Humors, Gentlemen und fast schon charmanten Gangsterfiguren. Damit muss sich der zweite vergleichen und diese Gegenüberstellung verliert er leider. Was nicht heißt, dass der Film dramatisch misslungen wäre – er ist nur nicht ganz so gut. Doch von vorne: Eine gewissen politische Note bekommt er durch die Argumentation der Anführerin des Golden Circles – gerade in Zeiten, in denen sogar in den USA teilweise Gras legalisiert wird. Klar – Poppy hat auch die härteren Drogen im Gepäck und überschreitet damit Grenzen, aber eine gewisse Aktualität gibt es durchaus.

Nicht handlungs- sondern personenbezogen, aber genauso positiv hervorzuheben: Die Performances von Channing Tatum, Pedro Pascal, Julianne Moore und Halle Berry sind super unterhaltsam – wer Channing Tatum nicht mag, muss in diesem Fall einfach über das Gesicht hinwegsehen. Sie nehmen den Fokus ein wenig von Eggsy herunter und bereichern den Film durch bunte und überraschende Charaktere mit den verschiedensten Hintergründen. Ein wenig Feminismus kommt am Ende auch noch zum Einsatz und so erreicht der kleine Unterhaltungsfilm genau das richtige Maß Tiefe, ohne zum Moralapostel zu verkommen.

Natürlich ist es für den aktuellen Stand der Technik vollkommen unlogisch, dass Colin Firth aka Galahad dank einer revolutionären Technologie überlebt und es braucht auch das bewährte Klischee, um ihn aus seiner geistigen Verwirrung zu reißen. [Mini Spoiler-Alert] Am Ende gibt es zudem einige Löcher in der Geschichte, zu der unter anderem die Toten gehören, die durch die Katastrophe Stück für Stück umkommen. Stattdessen ist das Ende sonnig bis heiter, ganz sauber und von den Körperflüssigkeiten ist kein Tropfen mehr zu finden.

Am Ende des Films eine immer noch recht charmante Unterhaltung mit überraschend starker Brutalität, die dieses Mal eine Nuance zu sehr verharmlost wurde.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Kingsman – The Golden Circle

Ab dem 1. Februar im Vertrieb von 20th Century Fox Home Entertainment auf 4K Ultra HD Blu-ray, Blu-ray und DVD fürs Heimkino erhältlich.

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