Volle Ladung Mittelalter: Krieg der Sänger

Auf den Spuren der großen Mittelalterlichen Dichter um Walther von der Vogelweide und Wolfram von Eschenbach kann man sich in Robert Löhrs „Krieg der Sänger“ in dramatische Umstände und einen Sängerwettstreit auf Leben und Tod hineinziehen lassen. Absolut fesselnd.

Literarischer Ausflug ins Mittelalter. Bild: Jens Bredehorn/pixelio.de
Literarischer Ausflug ins Mittelalter. Bild: Jens Bredehorn/pixelio.de

 

Freunde der Dichtung, Feinde bis aufs Blut

Was ihm im „Erlkönig-Manöver“ so grandios mit den deutschen Dichtern der Klassik und Romantik gelungen ist, das vermag Robert Löhr nun im „Krieg der Sänger“ auch den großen mittelhochdeutschen Verseschmieden angedeihen zu lassen. Er holt sie aus der Geschichte heraus, löst sie vom bloßen Text und haucht ihnen ein Leben ein, das man nicht vermuten würde. Er lässt sie singen und lieben, kämpfen und intrigieren. Viel ist nicht bekannt von den meisten der Meister, doch das wenige, was an Information vorhanden ist, verknüpft Löhr gekonnt mit Spekulationen, Fantastereien und allerlei werksgeschichtlichen Anspielungen. 

Den Rahmen bietet die Geschichte von Luthers nächtlicher Unterhaltung mit dem Teufel auf der Wartburg – die ominösen Tintenkleckse an der Wand seiner ehemaligen Stube zeugen bis heute von der Legende. Der Fürst der Finsternis will den Glaubensfürsten von der Schlechtigkeit der Menschen überzeugen. Zu diesem Zwecke schildert er ihm die Geschehnisse, die den Hauptteil des Buches bilden.

Zum Feiern geladen

Landgraf Hermann von Thüringen hat auf die Wartburg geladen. Ein Dichterfest soll es sein. Die Geistesgrößen der Zeit sollen an der Vereinheitlichung der deutschen Sprache arbeiten. Zu Anfangs geht es auch noch recht gesittet zu auf der Burg, doch statt ein gemeinsames Lied zu kreieren gilt es bald um das eigene Leben zu singen und dichten. Allzu bald stellt sich allerdings heraus, dass es sich um ein falsches Spiel handelt. Nicht jeder handelt ohne Hintergedanken und ausgerechnet der jüngste und unbedeutendste Dichter, Biterolf, muss sich als echter Held erweisen und die Fäden entwirren. Weil aber nicht jeder will, dass die Wahrheit ans Licht kommt, müssen sich einige der Dichter bald im Palas der Burg verbarrikadieren.

Rezension "Krieg der Sänger"

Der Ausflug ins dichterische Mittelalter ist auf jeden Fall ein sehr unterhaltsamer. Die Charaktere sind sehr schön und voller Leben gezeichnet, die Konflikte wirken nicht unglaubwürdig und viele Details sind – soweit heute absehbar – nah an der vergangenen Wirklichkeit. Besonders nett ist, vor allem für den Kenner der mittelhochdeutschen Literatur und Literaturlandschaft – wie Löhr Andeutungen in den Werken der Dichter zieht und in die Handlungen und Dialoge einfließen lässt. Doch auch für den relativ Unkundigen bietet die Geschichte einiges: Tempo, Spannung und pralles Leben – und vielleicht wird dabei sogar beim ein oder anderen der Wunsch geweckt, sich auch einmal den Originalen zuzuwenden. In vielen Szenen merkt man Löhr einmal mehr den Drehbuchautoren an, nicht zum Schaden der Schilderung.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Robert Löhr.
Krieg der Sänger
19,99 Euro. Piper Verlag

 

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