Unter Räubern

Lukas Hartmanns „Räuberleben“ zieht den Leser tief in die Geschehnisse um die Verurteilung des Räubers Hannikel, eines Zigeuners und seiner Sippe im 19. Jahrhundert hinein.

Rezension "Räuberleben"
© Karina Sturm / pixelio.de

Prozessbericht

Der Bericht des Schreibers Wilhelm Grau, der den Oberamtmann Schäffer auf der Suche nach dem Hannikel und darüber hinaus bei den Verhören Hannikels und seiner Angehörigen begleitet, zeigt in einer leicht altertümlichen, sehr authentischen Sprache, wie derartige Prozesse damals vonstattengingen. 

Dem Leser wird ein intensives Bild der Rechtssprechung und des Denkens der damaligen Zeit gezeigt, während zugleich durch Grau das ganze Geschehen kritisch beleuchtet wird und sowohl die Angeklagten als auch die Ankläger sehr persönliche und sehr menschliche Züge annehmen.

Entgegen dem Gefühl, das mich als Leser anfangs beschlich, dass die Richter und Amtsleute der damaligen Zeit alle irgendwo grausam oder zumindest gefühlskalt gewesen sein müssen, um so richten zu können wie es damals nun einmal gemeinhin üblich war, präsentiert sich hier ein deutlich facettenreicheres Bild, das keine der handelnden Personen nur gut oder nur schlecht dastehen lässt, weder die Amtsleute noch die Räuber.

Einblicke ins Alltagsleben

Kurze Einblicke in das Leben des Schreibers, geben dem Leser eine Idee des Alltags und der Probleme der damaligen Zeit, ebenso gibt es kurze Einschübe, die einen Blick auf den katholischen Herzog Karl Eugen und seiner protestantischen Frau Franziska erlauben. 

Rezension "Räuberleben"

Das Buch setzt mit einem Bericht des Schreibers Grau 1794 ein, in dem er berichtet, dass es einen großen Brand gegeben habe und wo eventuelle Zusammenhänge zwischen dem Tod des Räubers Hannikel wenige Jahre vorher und dem Brand angesprochen werden. Hierauf folgt der Rückblick des Schreibers auf die Suche nach dem Hannikel und den Prozess mit den Verhören, die darauf folgten. Grau selber nahm großen Anteil am Schicksal von Hannikels Sohn, so dass er den ganzen Prozess sehr intensiv begleitete. 

Ein sehr lesenwertes Buch für Leser, die sich auf die Zeit, die Sprache und die Denkweise des 19. Jahrhunderts einlassen können!

Irina Wolpers (academicworld.net)

Lukas Hartmann. Räuberleben
22,90 Euro. Diogenes

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