Unsichtbar ist das Leben nicht einfacher

Clover Hobart ist eine ganz gewöhnliche Hausfrau: Sie ist mit einem netten Mann verheiratet, hat für die Erziehung ihrer inzwischen erwachsenen Kinder ihren Job aufgegeben und liebt ihren Garten – eben völlig normal. Bis sie eines Morgen plötzlich unsichtbar ist.

Gestern war ihr Leben noch vollkommen normal, heute blickt Clover Hobart in den Spiegel und sieht außer der Zahnbürste, die in der Luft schwebt – nichts. Gar nichts! Sie ist unsichtbar. Wie sie bald entdeckt, ein Zustand, der auch seine Vorteile haben kann – aber auf die Dauer? Und was wird ihre Familie dazu sagen?

Dass viele Frauen das Gefühl haben, dass ihre Familie sie nicht mehr wahrnimmt, ja regelrecht übersieht, ist bekannt. Aber wenn es dann tatsächlich geschieht – was tun? Die Protagonistin steht im Bad und nur ihre Zahnbürste schwebt durch den Raum. Der erste Gedanke – ich bin überreizt – ich habe Sehstörungen. Aber weit gefehlt – sie bleibt unsichtbar und ihre Familie? Merkt nichts, egal was sie macht. Zu sehr sind die Abläufe im Alltag festgelegt und keiner achtet auf den anderen. 

Doch Dank einer guten Freundin und einer Anzeige in der Zeitung kommt Clover darauf, dass sie mit diesem Schicksal vielleicht nicht alleine ist. Es sind viele Frauen, die sich unsichtbar durch ihr Leben kämpfen. Sie alle ziehen natürlich auch Vorteile aus ihrem Zustand. So zeigen sie beispielsweise plötzlich Zivilcourage, wo sie sichtbar nie eingegriffen hätten. Eine Frage aber bleibt: Warum sind sie überhaupt unsichtbar geworden? Bei gemeinsamen Treffen und Gesprächen können sie genau das herausfinden und dem Grund den Kampf ansagen. 

Das Gute: Der Grund, weshalb die Frauen unsichtbar werden, hat nichts mit ihrer Psyche zu tun. Damit bleibt immerhin ein Klischee und ein nicht überraschendes Ende ist ausgeschlossen.

Die Geschichte zeigt das Gedankenspiel „Was wäre, wenn …“, das jeder bestimmt schon selber mal durchspielt hat. Leider ist die Story etwas langatmig, bis es endlich zu entscheidenden Handlungen kommt und sie sich aktiv wehren, anstatt nur darüber zu sinnieren. Am Ende wirkt alles etwas krampfartig. Fazit: Ein Buch für ein verregnetes Wochenende mit Stromausfall im Haus.

Cornelia R. (academicworld.net-userin)

Jeanne Ray. Club der unsichtbaren Frauen.
Wunderlich Verlag. 14,95 Euro.

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