Unbewusstes Revoluzzer-Gen

Ein Mädchen will ihre kleine Schwester vor einem grausigen Schauspiel retten und stellt sich freiwillig als Tribut bereit. In der Welt von Panem ist das fast gleichbedeutend mit dem Tod. Denn Nordamerika ist ein einzelne Staaten zerfallen, die einem großen dienen – Panem. Ihre Handlung tritt eine Rebellion los, eigentlich fast gegen ihren Willen.

Katniss muss ihrem schlimmsten Albtraum mehr als nur einmal ins Auge sehen. © Studiocanal
Katniss muss ihrem schlimmsten Albtraum mehr als nur einmal ins Auge sehen. © Studiocanal
In Panem ist alles bunt und luxuriös - erst Recht der Moderator der Spiele © Studiocanal
In Panem ist alles bunt und luxuriös – erst Recht der Moderator der Spiele © Studiocanal
Präsident Snow © Studiocanal
Präsident Snow © Studiocanal

Katniss (Jennifer Lawrence) und Peeta (Josh Hutcherson) vertreten Distrikt 12 in den sogenannten Hunger Games. Darin kämpfen 24 Jugendliche um ihr Überleben – töten oder getötet werden, etwas anderes gibt es hier nicht. Sie können niemandem trauen und die tödlichen Gefahren der Arena tun ihr Übriges, um die Psyche von Katniss zu zerrütten.
 
Von der Jägerin zum Poster-Girl der Revolution

Wider alle Wahrscheinlichkeit überleben Katniss und Peeta die Hungerspiel. (Details zum Ende werden zwecks etwaigem Spoiler nicht genannt, keine Sorge!) Nun könnten sie sich in ihrem neuen Leben als große Helden eigentlich gemütlich einrichten. Leider ist es aber so, dass es – wie ihr Mentor Haymitch (Woody Harrelson) es ausdrückt – bei den Spielen zwar Überlebende gibt, aber niemals Sieger. Schreckliche Alpträume machen ihnen die Nächte zur Hölle. Peeta hat auch tagsüber mit der Realität zu kämpfen: Die große Liebe – zumindest bei Katniss – war leider nur Show für die Kameras. Genau die sind aber bereits wieder im Anmarsch – steht doch die große Tour der Sieger durch alle Distrikte an.

Präsident Snow (Donald Sutherland) gibt dafür eine klare Marschroute vor: Wenn Katniss ihn nicht von der großen Liebesgeschichte überzeugen kann, sieht es schlecht um alle aus, die ihr wichtig sind. Leider macht die Rundreise alles nur noch schlimmer. Der mehr als nur ungeplante Sieg von Katniss und Peeta sorgt zunehmend für Aufruhr. Auf einigen Stationen der Rundreisekommt es zu offenen Protesten. Da kann auch die anvisierte Hochzeit der vermeintlichen Turteltäubchen nicht mehr viel retten.

Neben knallhartem Durchgreifen fällt Snow nur noch ein Ausweg ein: Katniss muss sterben. Am besten öffentlich und in Schande. Kurzerhand werden alle bisherigen Regeln außer Kraft gesetzt. Zur 75. Auflage der Hungerspiele werden die Kandidaten aus den bisherigen Siegern ausgewählt. Da Katniss die einzige Frau ist, die jemals für Distrikt 12 gewonnen hat, bleibt ihr keine andere Wahl, als sich den Schrecken der Arena erneut zu stellen. Und diesmal geht es für Peeta und sie gegen erwiesenermaßen tödliche Gegner, die zudem noch echt miese Laune haben, weil ihr sicheres Leben Geschichte ist. 

… et voilá, Trailer zu Film 3: Mockingjay, Teil 1:

Kann man es denn „Die Kritik“ nennen?

Film und Buch eins sind absolute Kassenschlager und das sehr berechtigt. Das gesamte Setting, die Charaktere, die Dialoge, der politische Hintergrund – alles zusammen ergibt eine unwiderstehliche Mischung. Bei „Catching Fire“, Film zwei, handelt es sich also nicht nur für Katniss, auch für den Zuschauer um die zweite Runde – Vergleiche sind also angebracht. Der deutlich zweigeteilte Film räumt diesmal – übrigens der Buchvorlage durchaus entsprechend – den eigentlichen Spielen weniger Platz ein. Das tut der Dramaturgie aber keinen Abbruch. Wenn hier die Folgen aus dem ersten Teil mehr als deutlich werden – die Sieger werden als Besiegte, als geschlagene und gepeinigte Kriegsheimkehrer präsentiert – tut das vor allem der erzählerischen Tiefe gut. 

Bereits Bekanntes wurde angemessen gekürzt, um den Rahmen nicht komplett zu sprengen. Schließlich sind auch so noch 147 Minuten zusammen gekommen. Trotzdem gelingt es dem Film, der literarischen Vorlage treu zu bleiben und auch gerecht zu werden. Da zahlt es sich wohl aus, dass Autorin Suzanne Collins auch am Drehbuch stark beteiligt war. Die suggerierte Nähe aus dem Vorgänger – immer dicht dran mit der wackeligen Handkamera – wurde abgelöst durch stark ästhetisierte Panorama-Aufnahmen (vor allem von Katniss in Action). 

Die Qualität des hervorragenden Ensembles dürfte ohnehin längst außer Frage stehen. Neben der in jeder Szene überzeugenden Lawrence übertreffen sich besonders Stanley Tucci, als überkandidelter Moderator und Elizabeth Banks, als schrille Betreuerin von Distrikt 12, noch einmal selbst in ihren Persiflagen auf die geistlose Superstar-Kultur unserer Tage. Noch stärker als im ersten Teil wird auch der krasse Gegensatz zwischen der dekadenten, quasi mit Brot und Spielen ruhig gestellten Welt des Kapitols und den hungernden und geknechteten Bewohnern der Distrikte herausgestellt.

Eine kleine Reminiszenz an die Königshöfe des Absolutismus dürften sowohl die offen gereichten Abführmittel als auch die übertriebenen Kostümierungen sein. Auch damals war die Revolution des Volkes ja nur mehr eine Frage der Zeit. Gerade das Regenwald-Ambiente der Kampfarena ruft aber auch Erinnerungen an modernes TV-Grauen wie das Dschungelcamp hervor. Schließlich handelt es dich bei den Hungerspielen in der Welt von Panem letztlich um nichts anderes, als eine auf die Spitze getriebene Show à la Big Brother. 

Die perfekte Vorbereitung für den aktuell laufenden dritten Film: Die Tribute von Panem, Mockingjay Teil 1!

Bettina Riedel (academicworld.net)

Die Tribute von Panem  und Die Tribute von Panem – Catching Fire: Das Double Feature!

Regie: Francis Lawrence 

Darsteller: Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth, Woody Harrelson, Elizabeth Banks, Donald Sutherland, Stanley Tucci, Philip Seymour Hoffman, Lenny Kravitz

Ab dem 6. November im Vertrieb von Studiocanal erhältlich.

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