Things you love

Wann ist eine Webseite ein Erfolg? Wenn sie neue, nie dagewesene Funktionalitäten und Möglichkeiten bietet? Nein. Sondern, wenn deine Mutter sie kennt und nutzt. Pinterest.com könnte so ein „Web-Ding” werden.

von David Lins

 

Pinterest vereinigt „Dinge, die man liebt“. Seufz!

Was ist Pinterest.com? Böse gesagt: Eigentlich kaum etwas anderes als Facebook, nur mit noch mehr Katzenvideos und fotografierten selbstgemachten Kuchen. Aber einfach auch eine Seite, bei der verstanden wurde, wie das Internet funktioniert: Visuell.

Pinterest.com ist eine Online-Pinnwand, wo private User sich via Wort, Bild und Video über gemeinsame Interessen austauschen können – „über Dinge, die sie lieben” – wie es in der Selbstpräsentation so schön heißt.

Liebe und was zu gucken ist ein erfolgreiches Konzept: In den USA rangiert Pinderest.com schon auf Platz 15 der meistbesuchten Seiten. Nicht zuletzt übrigens dank geballter Frauen-Power. Kaum eine andere Seite hat soviele weibliche User wie die Online-Pinnwand. Frauen, eine der gesuchtes-ten Zielgruppen – da dauert es nicht lang, bis sich die Werbewirtschaft einklinkt. Mittlerweile nutzen immer mehr Unternehmen das Portal, um auf ihre Produkte aufmerksam zu machen. Wie Pinterest.com selbst davon profitieren will, bleibt fürs erste rätselhaft, denn die Vision des Unternehmens ist unbekannt.

Was wiederum ein wenig an Facebook erinnert, wo man immerhin ehrlich mit dem Thema umgeht und offenbart, dass man keine Ahnung hat, was man erschaffen hat und wohin die Reise geht. Aber man weiß, dass es cool ist und Millionen User hat. Darüber wären viele andere Unternehmen sehr froh.

Zum Beispiel auch Branchenprimus Google.com, der zwar gefühlt in Kürze die Weltherrschaft an sich reißt, aber dessen Social-Network-Ableger Google Plus zu einer Lachnummer in der Branche avancierte. Google Plus, das Fitness-Center unter den Sozialen Netzwerken. Man meldet sich motiviert an und geht dann nie wieder hin.

Warum es eine Seite „schafft”oder nicht – so richtig erklären kann es niemand. Ende des letzten Jahrtausends gab es beispielsweise eine Plattform namens Uboot.com. Man konnte dort ein Profil anlegen und Fotos hochladen, man hatte eine Pinnwand, konnte andere Mitglieder in seine Freundschaftsliste aufnehmen. Eigentlich war es wie ein Ur-Facebook, nur für Uboot.com gab es Fernsehwerbung. Aber keinen Erfolg, auch wenn es die Seite tatsächlich immer noch gibt. Dem User wird auf der Startseite empfohlen, sich der Einfachheit halber über Facebook anzumelden. Das ist quasi wie über Amazon Hertie-online zu betreten.

Mit Logik kommt man oft nicht sehr weit. Ende des letzten Jahrtausends schossen schließlich alle auch plötzlich grundlos auf Moorhühner. Und warum einer ganzen Generation ein Stück Gehirn aus dem Ohr gefallen ist und sie angefangen hat, sich bei Jamba Klingeltöne herunterzuladen – auch das bleibt ungeklärt. Insofern:

Auf Liebe, Katzen und Mutters Schmalzgebackenes zu setzen, erscheint im Gegensatz dazu richtig durchdacht und einleuchtend. Problematisch könnte jedoch das deutsche Urheberrecht werden – genauer gesagt dubiose Bildagenturen, die im Nachhinein die Rechte an viral gewordenen Fotos aufkaufen, um dann durch dubiose Anwaltskanzleien Schadenersatz für ge- postete Bilddateien eintreiben zu lassen. Jüngst machte ein Fall Schlagzeilen, wo das Bild eines „Snake Cake” – einer Torte, die einer echten Python zum Verwechseln ähnlich sieht – auf diese Weise etliche Blogger, die das Bild geteilt hatten, um je knapp 2.000 Euro ärmer machte.

In den USA genießen Blogs einen gewissen Rechtsschutz, der solches Gebahren unmöglich macht, während in Deutschland momentan Ratlosigkeit bei den Produkt- und Kreativmultiplikatoren herrscht. Nach einer fälligen Anpassung geltenden Rechtes auf das neue mediale Umfeld ist zu erwarten, dass Pinterest.com auch in Europa durchstartet.


2010 gegründet, war Pinterest.com (aus: to pin + interest) ursprünglich als Einkaufsführer geplant. Die User nutzten es jedoch auch, um Kochrezepte, Wohnideen und allerlei Privates auszutauschen – der Start eines neuen Social Networks.

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