Tea Party – Die Weiße Wut. Was Amerikas Neue Rechte so gefährlich macht

Nach Obamas Wahl zum Präsidenten 2008, gründete sich als Reaktion darauf die Tea-Party-Bewegung, eine rechte Gruppierung die gegen Abtreibung, Homoehe, Darwins Evolutionstheorie, Minderheitenrechte und Gewerkschaften kämpft. Sie propagiert einen schmalen Staat und vor allem wenig Steuern. Washington ist für sie ein Sündenpfuhl voller liberaler Ostküsteneliten, die sich unrechtmäßig an dem Vermögen der amerikanischen Bürger vergreifen. Eva Schweitzer zeigt in ihrem Buch ein etwas verstörendes Bild einer populistischen, anti-fortschrittlichen und ewiggestrigen Bewegung, welche die politische Klasse der Vereinigten Staaten vor sich hertreibt.

Die Tea-Party-Bewegung, benannt nach der legendären Bostoner Tea-Party, bei der 1773 Bürger der Stadt Schiffsladungen Tee ins Wasser warfen, um so gegen die Besteuerung durch London zu protestieren, ist eine konservativ bis rassistische Bewegung der weißen Mittel- und Oberschicht in den USA, die vor allem gegen Präsident Obama kämpft. In ihm sehen sie das große Übel unserer Zeit, denn der Präsident sei ein Sozialist, weil er die staatliche Krankenkasse eingeführt habe, er dürfe gar nicht Präsident sein, da er nicht in den USA geboren sei und dazu soll er auch noch Muslim sein, der das Land an ausländische Kräfte ausliefere.

Drei Ebenen der Tea-Party

Aber wer sind die Protagonisten dieser Bewegung? Hier gibt es drei Ebenen. Die erste Ebene, das Fußvolk, stellen die unzufriedenen, konservativen, religiösen, meist wohlhabenden, weißen Bevölkerungsschichten des Südens und des mittleren Westens dar.

Die mittlere Ebene sind die Politiker der Bewegung, von denen sich aktuell mehrere um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner bemühen. Darunter sind illustre Gestalten wie Rick Perry, Gouveneur aus Texas, Ron Paul, ein Libertärer ebenfalls aus Texas, Michele Bachmann, eine Opportunistin aus Iowa, Newt Gingrich, ein Washington-Insider, der sich als erzkonservativer Moralapostel hervortut oder Hermain Cain, einziger schwarzer Kandidat der Bewegung, der als Chef der Pizzakette „Godfathers“ Karriere machte und sich nett grinsend als Onkel Toms Hütte-Quotenneger einspannen lässt und damit beweisen soll, dass die Tea-Party gar nicht rassistisch sei.

Die dritte Ebene der Bewegung sind die Gönner und die von ihnen gegründeten Institutionen, die Unternehmensfreundliche Politik und Politiker unterstützen. Hier sind vor allem die Koch-Brüder zu nennen. Sie sind die Besitzer von Koch Industries, ein riesiges Unternehmen in Privatbesitz, das einen jährlichen Umsatz von 100 Milliarden Dollar aufweist. Sie wehren sich gegen Steuern, Umweltauflagen und gewerkschaftliche Mitbestimmung. Auch in dieser Ebene angesiedelt werden, kann das News-Network Fox News. Der konservative Fernsehsender ist der meistgesehenste, unausgewogenste und extrem rechte „Nachrichtensender“ in den USA. Hier geben sich konservative Kolumnisten, dämliche Hetzer und wirtschaftsnahe „Experten“ die Klinke in die Hand.

Die Wurzeln der Tea-Party

Die Autorin zeigt in ihrem Werk auch die historische Dimension des politischen Konflikts, der gerade in den USA ausgetragen wird. Hier geht sie auf die Geschichte der Vereinigten Staaten ein und zeigt dabei Bruchlinien in der amerikanischen Vergangenheit, die heute zu großen Kontroversen führt. Die großen Themen sind hier Sklaverei, Immigration und vor allem die Freiheit, die in den USA als absolut angesehen wird, natürlich vornehmlich für die Weißen.

Zu dieser Freiheit, gehört nicht wie in Europa die Gleichheit oder die Brüderlichkeit, so etwas wird als „sozialistisch“ gebrandmarkt und gilt als herbe Beleidigung im politischen Betrieb, sondern zur Freiheit gehören das Recht auf Waffenbesitz, die Abstinenz des Staates in wichtigen sozialen Belangen, wie Bildung, Krankenversicherung, Umwelt und Umverteilung, aber auch der Vorrang der Wirtschaft vor anderen Bereichen.

Eine Dokumentation des Verfalls

Eva Schweitzer reiste für das Buch durch die Vereinigten Staaten, besuchte viele Veranstaltungen der Bewegung und sprach mit vielen interessanten Gesprächspartnern. Sie zeigt die Bevölkerungsstruktur in den verschiedenen Landesteilen, die sich oft so unterschiedlich zueinander Verhalten, dass man kaum glauben mag, dass diese sich in ein und demselben Staat befinden. Eigentlich und darauf wird nicht eingegangen, da sich die Autorin nicht in Spekulationen üben möchte, geht es um den Niedergang der weißen Mittelschicht, die demographisch gesehen ihre Mehrheit bald verlieren wird, sich nun mit aller Radikalität an die Macht klammert und versucht ihren Niedergang aufzuhalten. Was als Phänomen einer amerikanischen Wiedergeburt und Rückbesinnung auf alte Werte dargestellt wird, ist in Wirklichkeit das letzte Aufbäumen einer untergehenden Rasse – ja, die USA sind ein Land das nach Rassen getrennt ist – welche die Geschichte der Vereinigten Staaten in den letzten Jahrhunderten maßgeblich geprägt hat.

Fazit: Ein sehr informatives, gut und interessant geschriebenes Sachbuch über die rechte politische Kultur in den USA, die jeder gelesen haben sollte der sich für Politik interessiert. Mit historischen Einschüben, sowie einer Reise durch ein Land das den Anspruch erhebt „das großartigste Land der Welt zu sein“ aber irgendwie auch nur Mittelmaß darstellt, macht Eva Schweitzer dieses große Gebilde doch verständlich. Das ist der größte Bonus an einem durchweg gelungenen und spannendem Buch. Das einzige Manko, ist der Untertitel: „Was Amerikas Neue Rechte so gefährlich macht“, denn das kommt nicht heraus. Zwar haben die Mitglieder, Spender und Profiteure der Bewegung viel Geld und ein gefährliches Gedankegut, aber da sie eine Minderheit in der Minderheit darstellen, die zur Zeit, an ihrer Anhängerschaft gemessen, lediglich zu viel Aufmerksamkeit bekommt, ist mit einer Niederlage bei den republikanischen Vorwahlen, sowie ihrer durch Ignoranz und Egoismus selbstverschuldeten Marginalisierung zu rechnen.

(David Santin acdemicworld.net)

Eva C. Schweitzer. Tea Party. Die weiße Wut
14,90 Euro. DTV Premium

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