Studieren, Leben und Überleben mit Joe Vogel: Feuerbohren

Die Tage werden kürzer und die Nächte bitter kalt. Der Winter steht vor der Tür. Wenn man in dieser Jahreszeit vom rechten Weg abkommt und kein Feuerzeug dabei hat, kann man auch schon mal erfrieren. Um das zu verhindern zeigt uns Überlebenskünstler Johannes „Joe“ Vogel, wie man mit einfachsten Werkzeugen und vor allem dem richtigen Wissen, Feuer machen kann.

Survival-Spezialist Johannes „Joe“ Vogel

Für den Vorgang benötigen wir zwei unterschiedliche Holzarten, die an jedem Baggersee gefunden werden können. Aus einem abgestorbenen, fingerdicken Ast aus Hartholz, wie etwa Hasel, wird ein rund 15 Zentimeter langes Stück geschnitten und auf beiden Seiten angespitzt.

Aus dem gleichen Strauch besorgt man sich als Druckholz ein frisches Holzstückchen, das dreimal so dick und etwa so lang ist, wie die Spindel. In die Mitte der langen Seite wird mit der Messerspitze ein Halbzentimeter tiefes Loch gebohrt. Mit trockenem Weiden-, Linden- oder einem anderen Weichholz wird ein kleines Brettchen gefertigt, das etwa drei Zentimeter dick ist. Rund zwei Zentimeter von der langen Kante entfernt wird wiederum ein kleines Loch gebohrt.

Aus einer stabilen Astgabel wird ein etwa ellenlanger „Geigenbogen“ gefertigt, in den ein Schnürsenkel so eingebunden wird, dass er fast straff gespannt ist.

Jetzt kann die Spindel zwischen dem Bogen und der Leine durchgeführt und nach außen zurückgedreht werden, so dass der Schnürsenkel einmal um die Spindel gewickelt ist. Eine Spitze der Spindel wird vorsichtig in das Loch im Weichholzbrettchen gesetzt. Von Oben wird das Druckstück aufgepresst.

Durch eine Sägebewegung wird die Spindel in Rotation versetzt. Das Druckholz wird zuerst nur leicht belastet, wenn sich die Spindel an die Löcher angepasst hat, wird der Druck verstärkt. Es entsteht sofort dichter Qualm und schwarzer Abrieb.

Nachdem das Loch im Weichholz so tief ist, dass die Spindel sicher gehalten wird, kann eine Kerbe vom Rand bis zum Zentrum der Bohrung eingeschnitten werden. Unter diese Kerbe wird ein Stückchen zerfaserte Serviette gelegt.

Nun wird so lange gebohrt, bis sich ein walnussgroßes Häufchen des schwarzen Abriebs auf den Papierflusen gesammelt hat. In diese qualmende Masse wird vorsichtig geblasen, bis die erste Glut zu sehen ist.

Der glühende Zellstoff wird in eine zweite, zerknüllte Serviette gelegt. Hier hinein wird so lange geblasen, bis die Hitze der Glut so stark ist, dass das Knäul zu brennen beginnt.

Dann hast Du es geschafft und sogar dem Tod vorerst ein Schnippchen geschlagen. Gutes überleben!

Unser Joe findet überall was zu knabbern

Johannes „Joe“ Vogel

Jahrgang 1984, macht in Kürze seinen Doktor in Biologie an der Uni Karlsruhe. Sein Bestseller „Tierische Notnahrung. Überleben in der Natur“ ist bereits ein Standardwerk der Outdoorliteratur. Seine Kolumne „Studieren, Leben und Überleben mit Joahnnes Vogel“ erscheint regelmäßig in Unicompact und auf academicworld.net

Weiterlesen & Weitersurfen

www.vivalranger.com
Webseite von Johannes mit Expeditionsblogs und Survivalshop. Wer mehr erleben will: Hier kann man auch direkt Workshops buchen.

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