Stichworte

Pina Kühr, 25, hat von 2008 bis 2012 Schauspiel an der Schauspielschule Bochum studiert. Neben zahlreichen Engagements an diversen Theaterbühnen, unter anderem am Schauspielhaus Bochum, hat sie Hauptrollen in den Kurzfilmen „Weiche Haut“ und „Scheinreise“ gespielt. Außerdem arbeitet sie am eigenen Filmprojekt „Ein. Paar. Geschichten.“. Wir gaben ihr Stichworte zu Ausbildung, Beruf und Zukunft, die sie mit Leben füllte.

Phantasie

© Miriam Trescher/pixelio.de (Bilder oben) © Katrin Lautenbach (Bild unten)

„Kinder spielen und träumen, denken sich Geschichten aus, Welten, in denen sie weiter spielen und träumen. Als Kind konnte ich mich stundenlang in diesen Welten bewegen. Was war das für ein imposantes Erleben im Kino oder im Theater: Der Moment, wenn die Lichter ausgehen und ein Vorhang sich öffnet für eine kleine eigene Welt – das war für mich als Kind sicherlich die erste Berührung mit der Schauspielerei. Ehrlich gesagt, es steckt noch viel von dem Kind in mir, das ich einst war. Das Versinken in Phantasiewelten ist mir auch als erwachsener Mensch noch sehr vertraut.“

Eltern

„Meine Eltern sahen früh, dass ich große Lust an künstlerischen Dingen hatte, ich spielte, musizierte, malte. Das Theater wurde dann mit der Zeit immer wichtiger. Ich sah Filme und Theaterstücke und war begeistert von der Entdeckung, dass ein und derselbe Mensch in unterschiedlichen Geschichten ganz anders aussehen und vor allem ganz anders sein konnte. Ich hatte das Glück, schon früh durch häufige Theater- und Opernbesuche dieser Faszination nachzugehen. Ich habe allerdings die Eigenschaft, mich für Vieles zu begeistern. Irgendwann wollten meine Eltern wissen, was mich am meisten interessierte. Meine Entscheidung fiel auf die Schauspielerei. Freiraum geben und trotzdem Rückhalt sein – ich denke, so unterstützen Eltern ihre Kinder am stärksten.“

Verzweiflung

„Noch während des Abiturs begann ich, mich an Schauspielschulen zu bewerben. Ich hatte es unglaublich eilig und noch dazu keine Ahnung, was mich dort erwarten würde. Es ist eine wirklich prägende Erfahrung, von Stadt zu Stadt zu reisen und dabei immer wieder voller Hoffnungen und naiver Erwartungen in eine neue Bewerbung zu gehen. Ich habe mich zwei Jahre lang beworben und mir immer wieder sagen lassen müssen, dass es nicht gut genug sei, was ich mache. Es war erschütternd – aber ich nehme an, es war das Beste, was mir passieren konnte. Denn dadurch machte ich die unterschiedlichsten Erfahrungen in Nebenjobs, mit kleinen Rollen am Theater, im Studium der Musikwissenschaften, welches ich übergangsweise antrat. Dies alles half mir, eine kritische Distanz zu dem zu finden, was ich damals zu sehnsüchtig sein wollte.“

Erfolg

„Auf der Bühne wollte ich damals gefallen, ich wollte Bestätigung von anderen. Es ging mir nur darum, erfolgreich zu sein, ich entwickelte aber keinen Spaß beim Spiel. Ich habe so gespielt, wie ich dachte, dass es anderen gefällt. Erst als ich an der Westfälischen Schauspielschule Bochum vorsprach, fast halbherzig und mit einem Plan B in der Tasche – ein Studienplatz für Psychologie in London – spielte ich wirklich. Ich hörte nicht auf die kratzenden Stifte der Dozenten, ich hörte nicht auf das Lachen der Studenten, ich wartete nicht auf die Reaktionen im Raum, sondern spielte, was das Zeug hielt. Und hatte vielleicht das erste Mal wirklich Spaß auf der Bühne. Man kann auch ohne Leidenschaft an der Arbeit erfolgreich, aber nicht wirklich glücklich sein. Der Wunsch nach Anerkennung und Erfolg als einziger Antrieb reicht dazu nicht. “

Exzess

„Mir war vor dem Studium nicht bewusst, dass der eigene Körper das wichtigste Medium des Schauspielers ist und somit der volle Einsatz unumgänglich ist. So musste ich lernen, mit meinen körperlichen Grenzen umzugehen. Gerade bei Arbeiten, die mir nahegehen, tendiere ich dazu, meine Ermüdung zu ignorieren und weiterzumachen. Es ist etwa manchmal schwer einsehbar, einen spannenden Prozess wegen etwas so Profanem wie Schlaf zu unterbrechen. Der Exzess und die Verausgabung gehören in gewisser Weise auch zur Schauspielerei und vielleicht sogar zu jedem kreativen Beruf. Wenn ich völlig ausgeruht bin und ganz in Balance, habe ich wenig abzugeben; es ist als bräuchte man eine gewisse innerliche Aufreibung, um sich daran abzuarbeiten und dem Ausdruck zu verleihen.“

Gefühle

© Katrin Lautenbach

„Zur Ausbildung in der Schauspielschule gehört auch eine Ausei-nandersetzung mit dem menschlichen Wesen und dem eigenen Sein. Dieser Prozess war innerhalb des zeitintensiven und körperlich anstrengenden Studiums vielleicht am aufreibendsten. Es gab Zeiten, da war ich so sehr mit meiner Gefühlswelt beschäftigt, dass es wenig brauchte, um mich emotional zu beeinflussen. Die Arbeit an einer Rolle kann einen dann sehr verändern. Dies geht mir heute noch so. In solchen Momenten bin ich immer froh, wenn mich mein Freund oder andere Freunde mit einer kleinen sachlichen Ohrfeige zurück in die Realität befördern. Es reicht schon, wenn eine Freundin sagt: Komm mal runter, Pina. Es ist nur Theater!“

Traum

„Mein Traum ist es, das Erlernte auszuprobieren, Neues zu lernen, offen zu bleiben für fremde Impulse und dabei dem nahe zu bleiben, was mich ausmacht, woher ich komme. Ich möchte weiterhin die Zeit finden, meinen anderen Interessen zu folgen und die Fähigkeiten, die damit verknüpft sind, auszubauen. Ich hatte schon immer das Bedürfnis, nicht „nur“ eine Schauspielerin im Sinne einer Interpretin zu sein, sondern auch selbst Neues zu erschaffen. Deshalb nutze ich meine Erfahrungen als Schauspielerin, um selbst zu schreiben und Regie zu führen. Mein Traum ist es, irgendwann meine Interessen so zu verbinden, dass ich sowohl spielen als auch schreiben und musizieren kann. Und irgendwann meine eigenen Geschichten erzählen kann.“

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