Senyoria

Jaume Cabré: Senyoria

Wir schreiben das Jahr 1799, kurz vor der Jahrhundertwende, und befinden uns in Barcelona. Der Anwalt Don Rafel Massó i Pujades hat es zu etwas gebracht: Er ist Präsident des königlichen Gerichtshofes und ziemlich stolz auf seine Position, die ihm nicht nur wesentlich mehr Einkommen sondern auch mehr Ansehen einbringt.

Doch der Frieden wird durch einen brutalen Mord an einer französischen Sängerin getrübt. Der Fall muss schnellstens geklärt werden. Da kommt es sehr gelegen, dass der junge Dichterling Andreu mit der Dame eine Liebesnacht verbracht hat und partout ein Medaillon mit seinem Namen vergessen hat. Der einzige Entlastungszeuge, Andreus Freund Nando, ist leider mit dem Militär unterwegs. Da alle Indizien gegen ihn sprechen und man ihm nicht glaubt, wird Andreu hingerichtet. Man hat in seiner Wohnung allerdings auch ein brisantes Schriftstück gefunden, das Sa Senyoria ernsthaft in Gefahr bringen kann. Es tauchen weitere Beweise auf und Polizeichef Jerónimo Manuel Cascal de los Rosales richtet sein Augenmerk auf Sa Senyoria und seine Taten der Vergangenheit.

Stil und Sprache

Das Buch lässt sich flüssig lesen, denn die Handlung ist super-spannend und der Autor schreibt fesselnd, unterhaltsam und intelligent. Gekonnt stilsicher mit einer herrlichen Leichtigkeit wird man durch den Roman geführt. Am besten finde ich die immer wieder auftauchenden ironischen Elemente, die dem Ganzen den nötigen Schuss Spritzigkeit verleihen. Das Buch spielt zwar 1799, aber man fühlt sich, als könnte diese Geschichte heutzutage genauso passieren, was nicht zuletzt durch die moderne Schreibweise unterstützt wird.

Figuren

Protagonist ist Don Rafel Massó i Pujades, von allen nur ?Sa Senyoria? (Euer Gnaden) genannt. Er ist sehr stolz, sich seinen Posten mit harter Arbeit und nicht nur durch Geburt erarbeitet zu haben. Doch er ist auch nicht fehlerfrei: Er ist zwar mit Donya Marianna verheiratet, aber lieben tut er sie nicht wirklich. Dafür hat er seine Liebschaften. Er betrügt seine Frau nach Strich und Faden, doch sie merkt es nicht. Vielleicht will sie es auch gar nicht. Allerdings nutzt sie seine Position gerne mal aus, um das zu bekommen, was sie will. Zum Beispiel Ordensdame in einer ominösen Bruderschaft zu sein.

Und die ach so feine Barceloneser Gesellschaft ist bei weitem nicht so fein wie sie vorgibt. Jeder sucht sich Gespielen und Gespielinnen, gerne mal Jahrzehnte jünger bzw. älter als man selbst. Wer mit wem? Solche Gesprächsthemen sind an der Tagesordnung und bringen bestimmte Damen gerne mal ein paar Stufen weiter auf der Gesellschaftsleiter. Man könnte gerade meinen, die ganzen Herrschaften, aber auch die Damen, sind sexsüchtig, wie es schlimmer nicht mehr geht.

Persönliche Meinung

Bei dem Roman handelt es sich um einen historischen Krimi. Hat man im ersten, längsten Teil des Buches noch mehrere Handlungsstränge, deren Zusammenhang unklar ist, etwa welche Rolle der alte Mann Ciset spielt oder warum Sa Senyoria den Dichter Andreu unbedingt schnellstens tot sehen will, so fließen im zweiten und dritten Teil alle Geschehnisse zusammen und man versteht die Geschichte erst richtig. Vom Ende war ich allerdings selbst überrascht. Ein klein wenig negativ empfand ich dass der Mord an der französischen Sängerin nicht aufgeklärt wurde.

Ich vergebe 4 von 5 möglichen Sternen.

Verena Spangler

 

Jaume Cabré

Senyoria

443 Seiten

24,80 Euro

Suhrkamp

 

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