Phnom Penh Calling!

Nach dem Abi heißt es für viele: Ab ins Ausland! Dafür gibt es zahlreiche Möglichkeiten, seinen Aufenthalt nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten. Die meisten weiblichen Schulabgänger entscheiden sich für eine Au-Pair-Tätigkeit. Die USA, Kanada oder Neuseeland stellen dabei die gefragtesten Destinationen dar. Doch nicht für Debora aus Forchheim, die elf Monate als Au-pair in Kambodscha arbeitete. Seit 3 Wochen ist sie wieder in Deutschland und berichtet für academicworld.net von ihren Erfahrungen.

Für Debora (19) ein absolutes Highlight: Angkor Wat bei Sonnenuntergang

Du warst 10 Monate als Au-pair in Kambodscha. Warum genau Kambodscha und wie hast du alles in die Wege geleitet?

Nach dem Abitur stand es ja schon fest: Gleich Studieren, nein danke! Ein Jahr im Ausland, ja bitte.

Also habe ich mich eine Weile mit sämtlichen Organisationen rumgeärgert, bis ich irgendwann auf die Idee kam, alles selbst zu organisieren, auch wenn es eine Stange Geld kosten könnte. Die Idee als Au-pair zu arbeiten kam mir ziemlich spontan und ich hab auch ohne große Erwartungen ein Profil bei AupairWorld erstellt, weil da der Fokus auf den USA liegt und da wollte ich nicht hin.

Lieber Asien, am besten nicht muslimisch und bevorzugt ein Entwicklungsland, da ich mir noch einen zweiten sozialen Job suchen wollte. In ganz Thailand gab es nur zwei Familien, die eine Deutsche suchten. Aber irgendwann habe ich den Knopf „andere Länder“ entdeckt – Kambodscha war nicht einmal als Land aufgeführt – und bin dort auf eine deutsch-französische Familie gestoßen. Kambodscha hat mir nicht so wirklich was gesagt, aber nach kurzem Informieren, war mir klar: Da will ich hin!

Also habe ich diese Familie angeschrieben. Sie haben jemanden gesucht, der das Deutsch der Kinder verbessert und das auch nur halbtags. Perfekt! Nach zwei Wochen E-Mail-Schreiben und Skypen, hatte ich den Job. Und der Flug war schon eine Woche später!

Fischerboot in Krong Kep

Wie waren deine Erwartungen vor der Reise?

Viel Zeit für mich, viele Kulturschocks, Hitze, zum Glück kein Winter, kein Wochenendleben, wundervolle Natur, Englisch aufbessern, viel Armut … Heimweh war kein Thema, ich kann mich recht gut mit Situationen abfinden.

Wie sah ein typischer Tagesablauf bei dir aus?
Ab der Zeit, als ich von der 18-jährigen, deutschen Abiturientin zum „English Head Teacher from Australia“ wurde:

6:30 Uhr Aufstehen

7:20 Uhr: Zur Schule radeln, durch den chaotischsten Verkehr der Welt  (Habe ja in der Hauptstadt Phnom Penh gewohnt)

7:40 Uhr: Vor dem Schulgatter stehen, Eltern und Schüler begrüßen, Unterricht vorbereiten

8:00 Uhr: 15 kleine Monster auf Englisch unterrichten, die kaum ihre eigene Sprache sprachen.

Kaffeepause mit Kollegen am nächsten Verkaufsstand (jeder kann einen Laden oder Restaurant aufmachen)

11:30 Zurück nach Hause radeln und Mittagessen

14:00 Deutsch, Spiel und Spaß mit meinen Gastschwestern.

18:00 Abendessen, danach frei und Unterricht vorbereiten

Besonders die jungen Khmers wollen nicht mehr von „Head Teacher“ Deboras Seite weichen

Deine drei schönsten Momente?

In jedem Fall: Angkor Wat bei Sonnenuntergang! Die Atmosphäre, das Licht, einfach was Besonderes! Dann: Die Abende mit 1,75-Dollar-Cocktails auf einer Rooftop-Bar bei Blick auf den Mekong und natürlich als mich mein Freund besucht hat und wir gemeinsam auf der Bilderbuchinsel Koh Rong waren.

Haben deine Erwartungen der Realität entsprochen? Was denkst du nun über Kambodscha?

Kambodscha ist verrückt, von vorne bis hinten. Die Leute da sind geistig irgendwo im Mittelalter, der Verkehr ist abnormal, Korruption spielt eine so große Rolle, das kann man sich nicht vorstellen. Prostitution begegnet einem täglich, genauso wie hunderte alte, weiße Männer auf der Suche nach billigem Sex. Gegessen wird alles: Ameisen im Omelett, Vogelspinnen in der Suppe. Kultur und Religion sind allgegenwertig. Die Mönche, die Tempel, alles sehr faszinierend. Die Schere zwischen Arm und Reich ist gigantisch, wer Geld hat, hat Macht. Du kannst jemanden ohne Strafverfolgung umbringen, wenn du das nötige Geld an die richtigen Menschen schickst. Die Kriminalitätsrate ist hoch, ich selbst wurde zweimal ausgeraubt.

Auf dem Land leben die Leute in einfachen Holzhütten ohne Strom mit einer Kuh und ein paar Pflanzen. Und sie sind scheinbar dennoch glücklich.

 

Meine Wochenenden waren entgegen meiner Erwartungen richtig gut. Es gibt in Phnom Penh viele Bars, ein paar Clubs und relativ viele Ausländer, weshalb es mir leicht fiel, Freunde zu finden. Shopping hingegen ist ziemlich spaßfrei. Die Menschen sind klein und dünn. Kleidergröße XXS, Körbchengröße A und Schuhgröße 36 ist Durchschnitt. Da kann Einkaufen ziemlich deprimierend sein.

 

Mein Fazit: In Kambodscha kannst du machen, was du willst. Ich meine, ich habe als „English Head Teacher“ Karriere gemacht, war dreimal im Fernsehen und habe eine Rede vor dem Ministerium für Bildung gehalten. Wo sonst ist sowas möglich?

 

Da könnte man glatt neidisch werden…

Ein guter Rat für alle, die dir nacheifern wollen?

Ich habe sogar fünf.

 

1. Nichts ernst nehmen. Lernen, über alles zu lachen und aus jeder Situation das Beste zu machen.

 

2. Die lokale Sprache zu lernen, erleichtert sehr viel.

 

3. Freunde sind wichtig, nicht nur die zuhause (dafür gibt‘s Skype), sondern auch welche vor Ort.

 

4. Solange man alles auf eigene Faust macht, ist man der eigene Chef

 

5. Immer im Hinterkopf haben, dass ein Rückflugticket innerhalb von fünf Minuten gebucht werden kann.

 

Wenn ihr noch mehr über Deboras Zeit in Kambodscha erfahren wollt dann besucht ihren Blog: at-the-heart-of-southeast.blogspot.de

 

 

 

 

Das ganz normale Verkehrschaos in Phnom Penh
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