Österreich entdecken

Narr ist der zweite Band der Verschwörungsthriller-Trilogie des erfolgreichen Autorenduos Schilddorfer & Weiss. Die Leser können gespannt sein, was die Fortsetzung zu bieten hat …

Buch Rezension Narr

Wien im Ausnahmezustand

Wien befindet sich im Ausnahmezustand: während der Finanzministerkonferenz anlässlich der internationalen Bankenkrise herrscht Gewalt auf den Straßen, die öffentliche Sicherheit ist nicht mehr gewährleistet, mehr als ein Minister finden bei Anschlägen den Tod. Doch damit nicht genug – der Mord an einem Geschichtsprofessor, der kurz vor seinem Tod noch einen geheimnisvollen Hinweis in Form eines symbolträchtigen Kreuzes hinterlassen konnte, sorgt dafür, dass Professor Georg Sina und der Journalist Paul Wagner herauszufinden versuchen, wer und was hinter dem Mord steckt. Wurde der Aufruhr in Wien nur inszeniert, um von einem viel größeren, wichtigeren Ereignis abzulenken? Steckt eine Verschwörung dahinter? Das eingespielte Team muss bei seinen Ermittlungen weit zurück in die Vergangenheit gehen und kommt dabei einem Komplott auf die Spur, dass nicht nur sie selbst, sondern auch Österreich und sogar die Zukunft ganz Europas bedroht …

Österreich im Blickpunkt

Das Autorenteam Schilddorfer & Weiss hat mit diesem zweiten Teil der Trilogie um den Geschichtsprofessor Georg Sina mit seinem Freund, dem Reporter Paul Wagner einen Thriller geschaffen, der den Leser nach Europa führt, wobei der Hauptaugenmerk auf Österreich liegt. Fesselnd und mitreißend werden die Ereignisse im Wien der Gegenwart geschildert  – das Finanzministertreffen und die damit einhergehenden Unruhen, Morde geschehen, Anschläge fordern ihre Opfer – kurzum: die Regierung Österreichs wird in ihren Grundfesten erschüttert.

Parallele Geschichten

Während die Situation in Wien immer mehr außer Kontrolle zu geraten scheint, sorgt ein aufregender Fund in Berlin für Aufsehen.
Die Abschnitte und Ortsangaben sind deutlich gekennzeichnet, sodass es nicht schwerfällt, Orte und Zeiten zuzuordnen – zunächst zumindest. Schwierig fällt es mitunter, die Handlungsstränge, die das Autorenduo spinnt, sofort aufzugreifen und zuzuordnen, da der Leser mit einer Vielzahl von Orten, Personen und Motiven konfrontiert wird,  deren Zusammenhänge nicht immer sofort ersichtlich sind.

Lebendige Geschichte

Der Wiener Kongress, Kaiser Franz, Fürst Metternich, das „Schwarze Bureau“, die Phantome des Zaren, der israelische Geheimdienst Mossad, und viele andere  finden ihren Platz in dieser besonderen und spannenden Geschichte, die dem Leser dadurch einiges an Aufmerksamkeit und Konzentration abfordert. Doch genau hierin liegt vielleicht der Reiz, erst nach und nach fügt sich das Puzzle dann schließlich zusammen. Auch wenn einzelne Ereignisse  vorhersehbar erscheinen – das Gesamtbild fügt sich erst am Ende zu einem Ganzen zusammen.

Flüssiger Stil und bildhafte Sprache

Den Autoren gelingt es durch einen flüssigen und authentischen Schreibstil, dafür zu sorgen, dass man das Buch ohnehin kaum aus der Hand legen will, bevor man die letzte Seite erreicht hat. Durch  die detaillierte und bildhafte Darstellung der Protagonisten bleiben diese nicht lange fremd, auch nicht für den Leser, der  Georg Sina, Paul Wagner u.a. nicht bereits aus Teil 1 der Trilogie („Ewig“) kennt . Auch neue Figuren werden überzeugend dargestellt, sodass auch sie nicht lange fremd bleiben. Ebenfalls gefallen hat mir die äußerst bildhafte Beschreibung der Stadt Wien – obwohl ortsunkundig, konnte ich doch ein wenig der Atmosphäre dieser Stadt, ihrem Flair, aufnehmen.

Viele Pluspunkte

Dieser Thriller überzeugt durch intensive Recherche, viele  interessante historische und politische Fakten rund um das österreichische Kaisertum, die Habsburger usw., werden mit politischen und fiktiven Elementen zu einer spannenden und fesselnden Geschichte um einen schicksalhaften Komplott  verbunden. Ich genoss dies genauso wie die vielen risikoreichen Abenteuer, die bestanden werden  und die Rätsel, die gelöst werden mussten. Dadurch legt „Narr“ ein zügiges Tempo vor, Zeit für Langeweile bleibt nicht, immer ist an einem der vielen Schauplätze etwas los.

Kleine Schwäche

Einen Kritikpunkt habe ich dennoch: es ist schon auffällig, wie gut sich die Protagonisten in fast allen Bereichen auskennen, Reiner Zufall ist auch immer hilfreich und so manches Mal wirkten die Abenteuer doch ein wenig  zu vorhersehbar 😉 – dennoch komme ich zu einem absolut positiven Fazit.

„Narr“  ist ein anspruchsvoller, intensiv recherchierter  Thriller, der sich wohltuend aus der Masse abhebt: er verbindet historische und politische Ereignisse mit einem spannenden Thriller. Dabei sollte dem potenziellen Leser klar sein, dass „Narr“ keine leichte Kost ist, sondern eine nicht geringe Portion Konzentration und Interesse an der Österreichischen Geschichte einfordert. Doch wer sich darauf einlässt, den erwartet ein fesselnder Thriller im Flair Österreich’s und der Kaiserzeit, vor dem Hintergrund politischer und historischer Ereignisse. Absolut empfehlenswert!

Birgit Theis (Academicworld-User) 

Gerd Schilddorfer, David Weiss. Narr
9,99 Euro. Heyne

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