Mittelalterkrimi gefällig?

Die Nase voll von Fachliteratur? Hier kommt ein mittelalterlicher Roman über eine mutige Begine, die sich entgegen aller gesellschaftlichen Konventionen auch mal als eine Art Privatdetektivin des Mittelalters betätigt.

Serafina ist Begine in Freiburg. Heißt: Sie gehört einer Gemeinde an, die ein christlich andächtiges Leben führt – ohne Klostergelübde. Eines Nachts geschieht das Unfassbare: Hostien wurden geschändet. Jemand hat sie zerschnitten und anscheinend mit Blut übergossen. Und das im Münster in Freiburg! Schnell fällt der Verdacht auf einen jüdischen Mitbürger der Stadt, einen Schuster. Doch ist das alles wirklich so einfach oder trügt da nicht der Schein? Serafina hat da ihre eigene Auffassung und nimmt spontan die Ermittlungen auf.

Die Kritik

Etwas ungewöhnlich fand ich am Anfang  das ausführliche Personenverzeichnis. Es ist nicht nur eine Übersicht über die Protagonisten, sondern in kurzen Sätzen werden die Figuren hier auch schon vorgestellt. Ich mag diese Übersichten, gerade bei historischen Romanen, in denen es eine Vielzahl an Figuren gibt. Während des Lesens kann ich mir so immer einen Überblick verschaffen, wie die Figuren zusammenhängen. Insofern fand ich das sehr gelungen.

Die Geschichte an sich ließ sich gut und auch flüssig lesen. Es ist ausführlich beschrieben und bietet genügend Stoff für mein Kopf-Kino. Die Figuren konnte ich mir nach dem Lesen des Personenverzeichnisses schon ein wenig vorstellen und hatte so auch schon sofort ein Bild von ihnen im Kopf. Das gefiel mir wirklich gut, weil ich so auch sofort in der Geschichte eintauchen konnte.

Sehr gelungen fand ich auch, dass am Beginn der Geschichte noch einmal ein kurzer Rückblick auf die Vergangenheit der Hauptfigur, der Begine Serafina und ihrer Geschichte vorgenommen wird. Das vorliegende Buch ist der zweite Teil einer Reihe um diese Begine und da ich den ersten Band noch nicht kenne, fand ich diesen Rückblick wirklich gelungen und passend.

Wenn ich einen historischen Roman lese, stehen für mich die historischen Fakten, die Handlung im Vordergrund. Das ist hier auch sehr gut gelungen. Die kriminalistischen Aspekte fand ich aber auch recht gut verwoben. Für mich war das nicht so spannend geschrieben, aber ich denke ich habe das Augenmerk auch eher auf den historischen Teil gelegt.

In der Geschichte werden historische Fachbegriffe verwendet, aber diese werden auch in einem Glossar hinten im Buch erklärt. Es war für mich eine nette Leseunterhaltung, die Figuren fand ich gut ausgeformt, aber ich hatte manchmal ein wenig das Gefühl, dass die Geschichte ein wenig plätschert, mir fehlte da doch ein wenig mehr Spannung und dieses Fesselnde, das einen ein Buch verschlingen lässt. 

Insgesamt ein historischer Roman mit einer recht spannenden Mischung aus Krimi und Historienroman, locker und leicht zu lesen, wirklich eine gute Leseunterhaltung.

Kerstin Tacke (academicworld.net)

Astrid Fritz. Hostienfrevel.
Rowohlt Verlag. 9,99 Euro.

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