Markus Flohr: Wo samstags immer Sonntag ist

Wie studiert es sich in einem Land, in dem die Menschen nicht friedlich miteinander leben und wo man stets auf kriegerische Auseinandersetzungen gefasst sein muss? Markus Flohr über das Leben als Student in Israel …

 

 

 

 

„Jeder hat seine eigene Idee, worum es hier geht. Jeder hat sogar seine eigene Idee, wo er hier eigentlich ankommt. Du musst wissen: Die Leute kommen nicht im gleichen Land an.“

Konfrontation der Kulturen

Mit diesen Worten beschreibt Friedrich, den Markus auf seiner Reise nach Israel im Flugzeug kennenlernt, die Konfrontation der Kulturen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Demnach reisen Palästinenser in das von Juden besetzte Palästina, russische Israelis ins „Isragrad“, christliche Reisegruppen fragen sich, ob sie nun in Palästina, Israel oder dem Königreich Jerusalem ankommen und Deutsche sollten sich besonders in Achtnehmen.

Zum Studieren ins Krisengebiet

Über diese Zusammenhänge hat sich der Ich-Erzähler des Stücks bislang nur wenige Gedanken gemacht. Er kam nach Israel, um hier zu studieren. In ein Land, wie jedes andere. Dass es doch nicht ganz so einfach ist, wird ihm bald bewusst.

Nachdem Markus die ersten Tage bei Friedrich bleiben durfte, begibt er sich auf Wohnungssuche und wird relativ schnell fündig. Sein neues Zu Hause ist eine Studenten-WG, bestehend aus den unterschiedlichsten Charakteren. Hier wird Markus schließlich auch mit befremdlichen Gewohnheiten konfrontiert. Obwohl er als Sohn eines Pastors religiöse Disziplin eigentlich gewohnt sein sollte, überraschen ihn die Gebetsrituale seines Mitbewohners. Zusätzlich kommt es in der Anfangszeit öfter zu peinlichen Situationen, zum Beispiel eines Tages, als Markus einen falschen Teller benutzt und nicht mehr an das koschere Geschirr denkt. Besondere Erlebnisse warten auch in seinem Sprachkurs „Arabisch für Anfänger“, bei dem er auf die Kettenraucherin Noe trifft. Aus dieser neuen Bekanntschaft entwickelt sich schließlich eine Beziehung, die Markus vor neue Herausforderungen stellt, vor allem in Hinblick auf die Einstellung ihrer Eltern und damit verbundene Vorurteile.

Alltag in Israel

Wie der Titel schon andeutet, werden in dem Werk unterschiedliche Bereiche thematisiert, die für die meisten Leser sehr befremdlich sind. Wesentliche Aspekte des Alltaglebens sind in Israel ganz einfach völlig anders. So muss man beispielsweise damit leben, Sonntags zur Uni zu gehen, denn schließlich ist in Israel samstags immer Sonntag. Zusätzlich muss man leider auch mit Gefahren wie etwa kriegerischen Auseinandersetzungen klar kommen. Episodenhafte Erzählungen zeigen die Erfahrungen des Autors auf eindrucksvolle Weise. Der Text ist lebhaft geschrieben, verzichtet dabei nicht auf Ironie und witzige Passagen.

 

Fazit: Wo samstags immer Sonntag ist – Ein deutscher Student in Israel ist ein empfehlenswerter Text, besonders für all diejenigen, die sich für diesen Ort interessieren oder für Studenten, die bereits Erfahrungen im Ausland sammeln konnten.


Kindler Verlag 2011

14,95 Euro

 

 

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