Königliches Theater

Sie ist die Königin, nach der eine ganze Epoche benannt wurde: Queen Victoria. Die meisten kennen Bilder von ihr, als sie bereits ein hohes Alter hatte. Jetzt kehrt sie, verkörpert von Jenna Coleman, in der Blüte ihrer Jugend in unsere Köpfe zurück.

(C) ITV Plc

Victoria ist eine junge Frau von 18 Jahren, als der Tod des englischen Königs, ihr Onkel, sie zur neuen Königin macht. Sie wusste schon von ihrem Schicksal, seit sie 13 Jahre alt war und freut sich nicht nur – sondern brennt richtig auf den Job. Da ihre Mutter und deren Lebensgefährte nur versuchen, sie zu beeinflussen, sieht sie sich zunächst als Einzelkämpferin. Doch selbst mit ihrem extrem sturen Kopf merkt sie bald, dass sie nicht alleine zurecht kommt. Zum Glück gibt es da den verwitweten „Lord M“, also Lord Melbourne, der sie immer stärker unterstützt. Bis das gesamte Land tuschelt, denn ihre Bindung scheint über das akzeptable Maß hinaus zu gehen … Das Land ist nicht gerade stabil und sie muss schnell in die Rolle der starken Königin hineinwachsen – ohne sich zu sehr in die Politik einzumischen, denn dafür gibt es bereits das Parteiensystem. Und weil sie als Königin und junge Frau ohne Begleitung nicht ernst genommen wird, muss sie heiraten – und die Auswahl ist extrem begrenzt!

Die Kritik

Das Fazit vorab: Eine eher oberflächliche Serie. Die Kostüme sind schick, ohne Frage. Die junge Monarchin wird ausschließlich in ihrem Palast oder bei Spazierfahrten gezeigt – von Politik so gut wie keine Spur. Insofern geht es nur um ihr Ego, Feste, wen sie heiratet, Lord M. und ganz am Rand die Zeit, in der sie gelebt hat. Es reicht einfach nicht, die Queen einmal kurz auf einer der ersten Eisenbahnen überhaupt fahren zu lassen, um sie mit der Außenwelt zu verankern oder ein angemessenes Porträt der viktorianischen Epoche zu zaubern.

Zwischendrin versuchen die Macher der Serie wenigstens noch etwas, mit der Zeit zu faszinieren: Die ersten Gaslichter, Bedienstete, die wie in einer Parallelwelt leben. Freizeitbeschäftigungen wie Bogenschießen. Zeremoniell auf Bällen. Ein Minimum an Intrige durch einen nahen Verwandten, der den Thron erben könnte. Das spielt im Endeffekt alles keine große Rolle und wirkt so merkwürdig unwichtig. Deswegen verkommt die Serie zu einer Momentaufnahme eines jungen Mädchens in schönen Kleidern, das ab und an eine Krone aufgesetzt bekommt.

Ich persönlich mag Jenna Coleman sehr und ihre schauspielerische Leistung stelle ich nicht in Frage. Wohl eber die Faktoren rundherum, die sie zusammen mit ihrem Kollegen Rufus Sewell nicht wieder gut machen kann. Nette Unterhaltung für ein Weilchen, aber ohne größeren Tiefgang leider nicht empfehlenswert.

Bettina Riedel (academicworld.net)

VICTORIA, Staffel 1

Ab dem 31. März 2017 auf DVD und BluRay im Vertrieb von itv /Label: Edel im Handel erhältlich.

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