Klopf, Klopf!

Wer ist da? Na die große Liebe! Aber lass uns noch kurz leiden, bevor wir gemeinsam glücklich werden können… So könnte man die meisten Werke der Bronte-Schwestern wohl für Twitter zusammenfassen. Eines der wohl efolgreichsten – Jane Eyre – gibt es für Lesefaule jetzt frisch als Hörspiel.

Die Geschichte von Jane Eyre ist keine Unbekannte. Das Waisenmädchen wächst bei einer Tante auf, die genauso gut in einem anderen Universum leben könnte: Auf ihre Art gibt sie Jane zwar die Möglichkeit, so zu werden wie sie (und damit gesellschaftlich akzeptabel), aber sie kommt zwischenmenschlich an die junge Jane einfach nicht ran. Denn die fühlt sich grundsätzlich falsch behandelt. Wie es dazu kommt? Sie beobachtet die Welt um sich herum und hinterfragt grundsätzlich alles. Warum muss es kompliziert sein, wenn es anders auch geht und vor allem: Warum ändert niemand etwas?

Als Mädchen kommt sie mit ihrer rebellischen Art so ziemlich nirgendwo gut an. Je älter sie wird, umso ruhiger wird es in ihr, auch wenn sie natürlich ihre vermeintlich störrische Eigenheit behält. Am Ende geht es aber wie bei allen Bronte-Büchern – also denen ihrer Schwestern – um die große Liebe. Die auf sehr akzeptable Art erreicht wird, sodass die Heroine zwischendurch zwar mal leidet, aber immer moralisch hochwertig bleibt. Viktorianische Literatur in Reinform 😉

Die Kritik

Seid ihr auch der Meinung, man sollte so ein bekanntes und die Jahrhunderte überdauerndes Werk gelesen haben? Ihr hattet aber noch nie die Muse? Dann lasst es euch erzählen. Nicht als klassisches Hörbuch, sondern gleich als Hörspiel! Soll heißen: Verschiedene Menschen übernehmen die Sprechrollen und es gibt Musik im Hintergrund. Das ist auch gut gemacht, denn es fällt viel leichter, die Rollen auseinander zu halten als bei einem reinen Hörbuch. 

Sich das Hörspiel bequem im Zug oder im Bus zu Gemüte zu führen, ist leider nicht empfehlenswert: Der Sound ist nicht gleichmäßig auf beide Kopfhörer verteilt. Da ruft die junge Jane mit viel Echo aus der Vergangenheit auf dem linken Ohr, während der Schreck ihrer Jugend von rechts schnarrt. Das macht nun wirklich keinen Spaß. Also: Lieber daheim hören, wo der Laptop netten Sound hat oder gleich oldschool in der Stereoanlage.

Zugegeben: Auch die Musik irritiert am Anfang. Sie ist sehr einfach und besteht aus gefühlt einem oder zwei Instrumenten. Das führt dazu, dass sie sich nicht an die Erzählung anpasst, sondern fast als Misston im Raum steht – sehr schade. Es braucht ein bisschen, bis sich der Zuhörer daran gewöhnt ist und genau hier hakt es wiederrum: Das Hörspiel hat eine Dauer von knapp 3.5 Stunden. Bis die Gewöhnung eintritt, ist das halbe Hörspiel schon gelaufen. Nicht so optimal für alle ich-lass-mir-unterwegs-was-ins-Ohr-flüstern-Liebhaber.

Summa Summarum: So richtig überzeugt das Hörspiel am Ende einfach nicht. Inhaltlich ist das Werk einfach so, wie es die letzten Jahrhunderte war, das ist natürlich vollkommen okay so. Die (technische) Umsetzung in Sachen Ton und Musik schmälert das Hörvergnügen, sodass keine uneingeschränkte Empfehlung gegeben werden kann … 

Bettina Riedel (academicworld.net)

Charlotte Bronte. Jane Eyre.
Das Hörspiel, gesprochen von Groth, Sylvester; Icks, Sascha; Redl, Christian.
Der Hörverlag. 19,99 Euro.

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