Ins Visier genommen

Es gab eine Zeit, da wurden aus den Nazis Gejagte: Als Fritz Bauer, seines Zeichens geradezu legendärer Staatsanwalt, ihre Witterung aufnahm und sie für ihre Verbrechen vors Gericht stellte.

Es ist wohl einer der spektakulärsten Fälle überhaupt: Die Suche nach dem Nazi-Obersten Eichmann (offiziell ein ehemaliger SS Obersturmführer). In allen Ecken der Welt wird er vermutet, doch dann bringt ein Augenzeuge die Suche(nden) zu sich: Argentinien. Der Sohn Eichmanns hat sich dort in ein Mädchen verschaut. Dessen Vater ist deutscher Abstammung und erkennt ihn aus der Zeitung wieder. Das klitzekleine Problem: Ein einziger Zeuge reicht nicht. Damit der Mossad aktiv wird, brauchen sie eine zweite Quelle. ‚Sie‘, das ist in diesem Fall Bauer und sein junger Kollege Angermann, die sich an den Mossad gewandt haben – obwohl das als Landesverrat gilt. Das andere ’sie‘ sind die Alt-Nazis, deren Freunde leider immer noch in der BRD sind – und Bauer so gut wie es nur geht behindern. Sogar nach Kuwait würden sie ihn gerne locken … Doch während Fritz Bauer ausschaut, als würde er gleich einen Herzinfarkt bekommen, ist er in Wahrheit ein Pit-Bull, der sich verbissen hat. Sein Kollege Angermann läuft nicht so stabil – und muss sich bald entscheiden, wem er sein Leben widmen möchte.

Die Kritik

Der Staat gegen Fritz Bauer ist kein akzentuierter oder besonders harter Film. Die Hochzeit der Nazis ist vorbei, die Öffentlichkeit will sich im Wirtschaftswunder suhlen und sich einfach freuen, noch am Leben zu sein. Und Nazis waren wir ja auch nie! Das pisst den Hauptdarsteller richtig an und das merkt man. Auch wenn das Thema ein sehr Ernstes ist, ist die dauergeladene Art des Darstellers unterhaltsam. Ein bisschen bleibt der Film trotzdem an der Oberfläche, weil man immer nur der Person Fritz Bauer folgt – und als alter Mann ist seine Waffe die pragmatisch eingesetzte Logik. Action gibt es also wenig.

Dennoch ist der Film eine gute Erinnerung: Dass nach dem Krieg die Nazis nämlich nicht plötzlich alle weg waren. Dass sie immer noch ihre Größenwahn auslebten, nur jetzt eben im Kleinen. Dass sie in Frieden sie ihre verquere Logik an die nächste Generation weitergeben konnten. Dass sie genau das nicht verdient haben! Es beruhigt allerdings zu sehen, wie weit unsere Gesellschaft trotzdem gekommen ist: Dass ausgelebte Homosexualität beispielsweise kein Strafbestand mehr ist. 

Ein bisschen hat man ja Angst, dass der Film plötzlich abbrechen muss, weil der Hauptdarsteller einen Herzinfarkt bekommen hat, so gut geht der Klaußner in seiner Rolle auf – in diesem Sinne also: Keine Sorge, der läuft weiter. Auch wenn er sich etwas zieht – durchhalten ist angesagt.

Fazit: Inhaltlich ein eher ruhiger Film, weil die Jagd mehr auf Taktik und Logik beruht. Trotzdem wertvoll, weil eben nicht ein typischer Film, in dem Nazis vorkommen – denn wenn die mal auftauchen, dann doch immer allen Klischees entsprechend wie bei Marvel. Allein Burghart Klaußner und seine Performance sind es wert, dass man sich den Film reinzieht, sensationelle Leistung!


Bettina Riedel (academicworld.net)

Der Staat gegen Fritz Bauer.

Darsteller: Burghart Klaußner, Ronald Zehrfeld, Sebastian Blomberg, Lilith Stangenberg und Jörg Schüttauf

Seit dem 11. März als DVD und BluRay im Vertrieb von ALAMODE im Handel erhältlich.

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