Geheimbünde – Mythos, Macht, Wirklichkeit

Ein Buch über die Geschichte der Geheimbünde

Die Welt wird kontrolliert von Rosenkreuzern und Triaden, Mafiosi, Major-Labels, Militärs und Syndikaten?

Nahezu jedes große, unvorhergesehene Ereignis ruft heutzutage Menschen auf den Plan, die dieses durch das Wirken mächtiger, geheimer Verbindungen erklären, als ein Beispiel sollen hier nur die zahllosen Verschwörungstheorien zu den Anschlägen vom 11. September genannt werden. Diese Erklärungsversuche greifen dabei immer auf kohärente Vorstellungen von obskuren Geheimbünden und kriminellen Vereinigungen zurück, welche unser Leben aus dem Dunkel heraus leiten sollen. Den wahren Kern dieser Vorstellungen versucht Klaus-Rüdiger Mai in seinem Buch ?Geheimbünde. Mythos, Macht und Wirklichkeit.? aufzuzeigen.

Geschichte der Geheimbünde

In seinem (durch den Rezensionisten mangels eines Vorwortes o.Ä. rekonstruierten) Vorhaben, die Geschichte der Geheimbünde chronologisch aufzuarbeiten beginnt der Autor nach einer kurzen Einführung als Aufhänger mit dem Mord an Roberto Calvin, dem sog. ?Bankier Gottes? und somit mit den italienischen Geheimbünden des 19. Jahrhunderts. Hier etabliert der Autor auch sein Erzählprinzip, dem er grob treu bleiben wird: Nach einer historischen Hinführung, die den Kontext erläutert, geht er zunächst auf die Gründung und die Geschichte des Geheimbundes, seine Ziele und Konzeptionen ein, um dann die innere Struktur zu erläutern. Dann wendet sich der Fokus, meist mittels einer geschickten Überleitung dem nächsten Geheimbund zu. In diesem Fall handelt sich dabei um die berühmt berüchtigten Freimaurer, die auch nach dem vorgestellten Schema abgehandelt werden.

Nach und nach werden so alle namenhaften und auch einige unbekannte Bünde vorgestellt: Nach Italien wendet sich der Autor England zu und widmet sich, wie bereits erwähnt, den Freimaurern, um sich danach den ebenso bekannten Rosenkreuzern zuzuwenden. Nachdem anschließend die Templer und die Illuminaten beleuchtet werden, geht Mai anschließend auf die zunehmende Verstrickung der Geheimbünde in die Politik ein. Die (angebliche) Verbindung der Illuminaten zur Französischen Revolution, das Protokoll der Weisen von Zion sowie verschiedene deutsche Geheimbünde und ihre Entwicklung bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten werden hier beschrieben.

Danach wendet sich der Blick nach Russland, hier werden die russischen Freimaurer und ihr Mordanschlag auf Zar Alexander II. vorgestellt. Anschließend werden irische Geheimbünde in den Fokus genommen, bevor der Autor sich mit der schwarzen Hand und dem Mord an dem österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand, der den ersten Weltkrieg auslösen sollte, wieder einem Attentat zuwendet. Nach einem vergleichsweise kurzen Exkurs zu den Geheimbünden Afrikas und Chinas und einem ebenso kurzen Kapitel über die Mafia kommt Mai schließlich wieder zu seinem Eingangsthema zurück: Geheimbünde im Vatikan und ihre Tätigkeiten. Ausgiebig widmet der Autor sich hier der Freimaurerloge Propaganda Due und dem Opus Dei, bevor er abschließend einen Ausblick auf moderne Entwicklungen, ?moderne? Freimaurer und Templer, sowie geheimen Netzwerke liefert.

Fazit

Mit seinem Buch versucht Klaus-Rüdiger Mai Licht ins Dunkel der Geheimbünde zu bringen, doch leider schafft er das mitunter nicht immer. Das liegt zu einem daran, dass er sich scheinbar nicht im Klaren war, für wen er dieses Thema erhellen wollte: Trotz der Betitelung Sachbuch auf dem Buchrücken, wird das Werk einem wissenschaftlichen Anspruch nicht gerecht. Fast nie belegt der Autor seine Aussagen mit Fußnoten und selbst in den wenigen Fällen, in denen er es tut, gibt er nur den Autorennamen und den Buchtitel an, so müsste man, wollte man seine Aussagen überprüfen ein weiteres komplettes Buch lesen, da die Seitenangaben fehlen.

So wirkt er fast wie die Geheimbündler, die er sich als Thema ausgesucht hat, in dem er sich als Wissender ausgibt, ohne die Quellen seines Wissens preiszugeben und somit nachprüfbar zu machen (was zu bedauern ist, da das Buch durchaus einige interessante Informationen enthält). Auch disqualifiziert der zum Teil verworrene und unsachliche, weil wertende Schreibstil das Buch für ein wissenschaftliches Publikum. Ein unwissenschaftliches Publikum wird das Buch allerdings wohl als viel zu detailliert und trocken empfinden?

Manuel Kamenzin

 

Klaus-Rüdiger Mai

Geheimbünde. Mythos, Macht und Wirklichkeit

429 Seiten

8,95 Euro

Bastei Lübbe

 

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