Frisch und frei geht die Luft im Himmel

Mit dem dritten Band von Das Gewölbe Des Himmels – Der Ausgestoßene konnte Peter Orullian zuletzt nicht so überzeugen. Kann Band 4 wieder etwas Schwung in die Handlung bringen und die Leser mitreißen?

Da sie eine Leiholan ist, befindet sich Wendra immer noch in Decalam, um dort in der Discantus-Kathedrale das Leidenslied zu erlernen. So wankelmütig wie sie ist, hilft es allerdings nicht sehr, dass ein Sänger nach dem anderen aufgeben muss. Das heißt nichts anderes, als dass der Schleier immer dünner wird und die Wesen des Born bald ihre Welt überfluten werden. Doch der Gedanke an Penit beherrscht sie immer noch und so macht sie sich natürlich auf die Suche nach ihm – und trifft auf allerlei Menschenhändler, an denen sie ganz gut die Stärke ihres Gesangs testen kann…

Die Regentin von Decalam, Helena, sieht sich derweil immer größerem Widerstand von Aszendent Roth ausgesetzt. Der glaubt nicht an die Schauermärchen von den bösen Sheson aus dem Born und Feinden wie den Bardy’n. Die Zweifel der Ratsmitglieder von Decalam nutzt er also für seine Intrigen, um Helena vom herrschaftlichen Thron zu stoßen – und sein Gefolge wächst stetig an. Stehen alle Sheson bald vor dem Tod?

Doch wo ist der wichtigste Sheson der Geschichte? Verdanji ist für die anderen quasi wie vom Erdboden verschluckt, denn nach ein bisschen Action kommt er erst mal ins Gefängnis von Decalam. Damit steht sein Sodale, der Autorensohn Braethen erst mal allein da. Dann wird der oberste Sodale ermordet und in seinen Händen ein Buch von Braethens Vater gefunden – mit einer Widmung an seinen Sohn. Damit wäre klar, dass es auch um Braethen ein Schicksal geben muss, von dem bisher nicht einmal er selbst wusste …

Die Kritik

Es gibt nach wie vor sehr sehr viele Entwicklungen, beziehungsweise Verwicklungen, die rein politischer und strategischer Natur sind. So richtig zur Sache geht es also weiterhin nicht und das macht aus dem Fantasyepos eine Geschichte, die zu sehr auf Logik und Überlegungen beruht. Die Charaktere denken zu viel und handeln zu wenig. Insgesamt gibt es ein prominentes Beispiel dafür: Tahn. Er hat eine wissenschaftliche Theorie, die er gerne beweisen würde. Vielleicht gibt es auch Leser, die total darauf abfahren – es ist ja auch nicht schlecht gemacht oder grundsätzlich uninteressant. Aber für mich ufert der Beweis für die Theorie etwas aus. Wie die Schlachtenbeschreibungen bei Tolstoi! Interessanter ist da schon die Idee rund um Wendras Gesang. Ihr Charakter wird zwar zunehmend unsympathisch, weil ihre Schuld rund um die Opfer der Fern in der letzten Schlacht eher wenig authentisch rüber kommt. Sollte sie nicht vor Schuld zerfressen sein? Nein, lieber lässt sie sich so richtig in die Dunkelheit ziehen und nutzt ihre Lieder, um weiter zu töten. Wobei sie sich ja auch weiterentwickelt und heilen lernt – trotzdem greift ihre Handlung nicht so richtig.

Trotzdem ist Band 4 besser als Band 3, denn der Umfang dieser verkopften Geschichten ist zurückgegangen, diesmal kommt öfters mal wieder eine Hieb- oder Stichwaffe zum Einsatz. Was Orullian auch gut hinbekommt ist, dass man plötzlich Mitleid mit denen hat, die man verachten sollte. Dass auch die Geschöpfe aus dem Born eigentlich normale Lebewesen sind und keine hohlen Tiere, die einfach bösartig sind. Zwischen ihnen und anderen Charakteren können sich sogar echte Freundschaften entwickeln. Es menschelt also noch etwas stärker bei denen, die eigentlich als Gegenseite zu Tahn und seinen Kumpanen vorgestellt waren.

Gleich geblieben ist der Wechsel der Kapitel zwischen den einzelnen Protagonisten, das erleichtert das Lesen durchaus, denn auch der vierte Band ist wieder sehr umfangreich geworden.

Fazit: Ein starkes Beispiel für Wissenschaft-getriebene Fantasy, in der es wenig Raum für Romantik, Spaß und Schlachtenepos gibt. 

Bettina Riedel (academicworld.net)

Das Gewölbe des Himmels, Band 4 – Die Verbündeten. Peter Orullian.
Blanvalet. 14,99 Euro.

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