Frauen, Geld und eine gute Zeit.

Adam stolpert – passend zum Namen – unbedarft wie der erste Mensch in die Welt der männlichen Stripper von Tampa. Der coole Mike nimmt ihn unter seine Fittiche und ermöglicht ihm ein Leben mit reichlich Unterhaltungswert, aber nicht ohne Schattenseiten. Steven Soderberghs neuer Film „Magic Mike“ startet am 16. August in den deutschen Kinos.

Frauen, Geld und eine gute Zeit.
Zwischen Stripperdasein und Strand – das Leben von Mike könnte schlechter sein. Alle Bilder: © Concorde Filmverleih GmbH

Von Jungfrauen, Feuerwehrmännern und testosteronreichen Regenschauern

„Wenn Mädchen heißen wie Blumen, Autos oder Edelsteine – dann heißen sie nicht wirklich so“, erklärt Mike (Channing Tatum) seinem jungen Protegé Adam (Alex Pettyfer). Beim Dachdecken lernen die beiden sich kennen. Adam ist spontan beeindruckt von dem selbstbewussten Mike. Als er ihn am selben Abend beim ausgehen trifft scheinen ihm die Damen nur so zuzufliegen und Geld auch keine Rolle zu spielen, in die tollsten Clubs kommt Mike problemlos hinein. Adam überzeugt ihn davon, ihn mit zu nehmen, gerne würde er ihm dafür bei Gelegenheit einen Gefallen tun. 

Frauen, Geld und eine gute Zeit.
Matthew McConaughey (oben) ist sich für kein Outfit zu schade. True Blood Werwolf Joe Manganiello (unten) ist wenig Klamotten ja schon gewohnt.

Die Gelegenheit allerdings kommt früher als gedacht. Wie sich herausstellt ist mit Mike die Nacht bisweilen magisch. Als „Magic Mike“ verdient er mit heißen Stripnummern im Club „Xquisite“ sein Geld. Adam soll den Strippern für einen Abend hinter der Bühne behilflich sein. So verfolgt er den Aufmarsch der Herren in Schirm und Mantel zum sinnigen „It’s raining men“ und die anschließenden Einzelnummern, etwa Big Dick Richie (Joe Manganiello) als sexy Feuerwehrmann oder Ken (Matt Bomer) das lebendige Pendant zu Barbie. Als Tarzan (Kevin Nash) mit seiner Nummer als Lianenschwinger kurzfristig ausfällt landet der unbedarfte Jüngling spontan zu den Klängen von Madonnas „Like a virgin“ auf der Bühne. Trotz ungelenker Bewegungen erkennt Club-Besitzer Dallas (Matthew McConaughey) Potenzial in ihm und heuert ihn für die Truppe an. Das süße Leben kann beginnen. Wenig begeistert davon ist allerdings seine Schwester Brooke (Cody Horn), die wiederum Mike spontan ins Auge sticht. Der fühlt sich nämlich sowieso längst ein wenig auf dem Absprung und würde am liebsten individuelle Möbel bauen anstatt sich gegen Kohle zu entblättern …

Die Geschichten hinter der Geschichte

Channing Tatum, Alex Pettyfer, Matthew McConaughey, Matt Bomer, Joe Manganiello, Kevin Nash, und Adam Rodriguez rocken die Bühne. Wenngleich mit unterschiedlich viel Bewegungstalent gesegnet präsentieren sie die gestählten Muskeln souverän und geben ihren Figuren auch abseits der Stripperklischees durchaus Tiefe. Vor allem McConaughey scheint an der Rolle des schmierigen Bühnenjunkies Dallas großen Spaß zu haben. Gerne hätte man noch mehr von dieser interessanten Gruppendynamik gesehen, über die Motivation der einzelnen erfahren und dafür weniger Zeit mit der eher absehbaren Geschichte von Ein- und Ausstieg der beiden Freunde Adam und Mike verbracht. Denn diese Haupthandlung schafft es leider nicht, den Film zu bereichern. 

„Magic Mike“ wirft einen intimen, aber nicht schamlosen Blick hinter die Kulissen der männlichen Seite der Stripperwelt. Der Zuschauer erlebt zwar die Herren auch in Action auf der Bühne, doch der Schwerpunkt liegt auf der Darstellung der Dynamik im Hintergrund. Wenn etwa Big Dick Richie den goldenen String kurz vor dem Auftritt noch schnell an der Nähmaschine flicken muss, weil ihn die weiblichen Fans beim letzten Mal wieder zerrissen haben. 

Frauen, Geld und eine gute Zeit.
Wichtiger als Handlung sind bisweilen die Schauwerte …

Es fehlt der Soderbergh-Faktor

Den Soderbergh merkt man dem Film am ehesten am Gelbfilter an. Freilich, manche filmische Umsetzung zeugt von seinem Können – etwa die Partyexzesse von Mike und Adam – aber im großen und ganzen fehlt dem Film ein Gutteil des Herzbluts, das Soderberghs Filme trotz seiner schnellen Arbeitsweise für gewöhnlich auszeichnet. Auch die Coolness und Stilsicherheit, die er seinen Gangstermovies perfektioniert hat tritt hier leider nicht zu Tage. 

Bleiben die gut trainierten Herren mit mehr oder weniger Bewegungstalent. Optisch wäre da ja schon fast für jeden was dabei, aber die Kostüme … naja und im Grunde, ganz ehrlich, sind die Standbilder wahrscheinlich besser als die bewegten. Einen gewissen Unterhaltungswert kann man dem ganz trotz alldem nicht absprechen, denn ins Soderbergh schafft es immerhin, dass der Film nie gänzlich ins Geschmacklose abdriftet. Im  Idealfall, meine Damen, mit der besten Freundin reingehen, die Ansprüche zu Hause lassen, sich nicht mit der (ohne hin dürftigen und stereotypen) Handlung aufhalten und sich amüsieren. 

Frauen, Geld und eine gute Zeit.

Gisela Stummer (academicworld.net)

Magic Mike

Regie: Steven Soderbergh
Darsteller: Channing Tatum, Alex Pettyfer, Matt Bomer, Joe Manganiello und Matthew McConaughey

Kinostart: 16. August 2012

Im Verleih von Concorde Filmverleih GmbH

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