Familienroman mit Tiefgang vom Wallander-Autor

Der Roman „Daisy Sisters“ von Henning Mankell, den man sonst vor allem als Krimiautor kennt, erzählt die Lebensgeschichte von Elna und ihrer Tochter Eivor.

Rezension "Daisy Sisters"

Die Geschichte beginnt 1941, zur Zeit des zweiten Weltkrieges und spielt in Schweden. Zwei junge Frauen, die sich jahrelang nur Briefe geschrieben haben, treffen sich zu einer gemeinsamen Radtour durch Schweden. Scherzhaft nennen sie sich Daisy Sisters. Es wird eine Reise, die das Leben der einen für immer verändern wird, denn als die beiden jungen Frauen an der Grenze zu Norwegen auf zwei Soldaten treffen, wird Elna von einem der beiden vergewaltigt. Die Folgen sind schrecklich für sie und werden ihr Leben für immer verändern: Sie ist schwanger und verliert dadurch ihre Stelle als Zimmermädchen. 

1956, 15 Jahre später lebt Elna mit ihrer Tochter und deren Stiefvater in Halberg. Die Geschichte wird nun aus der Sicht des älteren Nachbarn erzählt. Elnas Tochter ist mittlerweile fast so alt, wie Elna damals. Sie will etwas erleben in ihrem Leben, hat Träume für ihre Zukunft. Da lernt sie einen jungen Mann kennen. Wird  sich das Schicksal von Elna bei ihrer Tochter wiederholen?

Ein durchaus anspruchsvoller Familienroman

Henning Mankell kannte ich bisher nur als Autor von Kriminalromanen. In dieser Familiengeschichte schlägt er nun leise Töne an. Als Leser spürt man die Verzweiflung in der Elna steckt. Den Verlust der Stelle, die Bedrohung in das soziale Abseits zu rutschen. Henning Mankell thematisiert aber auch die politischen Hintergründe. Das Gespaltensein der Bevölkerung während des Krieges in die politischen Lager: Kommunismus, Sozialismus und auch Verehrer des Nationalsozialismus.  

Ein tiefgründiger Roman über den Lebensweg zweier Frauen und ihre unerfüllten Wünsche. „Daisy Sisters“ ist ein wunderbares Buch, das von Zukunftsträumen und Wünschen handelt und dem Blick auf die Realität. Träume zerbrechen, aber es wird kein Kampf geführt um sie trotzdem zu erreichen. Diese Stimmungen wurden sehr gut deutlich im Roman. 

Die Suche nach dem Platz im Leben

Ein Kennzeichen von Mankell Bücher ist meist der leicht depressive männliche Protagonist, der mit seinem Leben hadert. Auch in diesem Buch findet er aich wieder, in der Person des alten, alkoholabhängigen und lebensmüden Nachbarn, der sich mit Elna und ihrer Tochter anfreundet und dadurch einen Platz im Leben findet. 

Der Autor prangert in seinem Buch auch gesellschaftliche Unterschiede an. Kinder aus Arbeiterfamilien habe kaum eine Chance auf eine höhere Schulbildung. Arbeiter bekommen nur unbezahlten Urlaub und auch keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Im Laufe der Zeit bessert sich die Stellung des Arbeitertums, aber auch in den 1950er Jahren gibt es kaum Aufstiegsmöglichkeiten. Es ist also auch ein politisch angehauchter Roman, der auf Missstände in der Gesellschaft hinweist. Das Buch las sich sehr flüssig und anschaulich, ist aber nichts zum Nebenbei-mal-lesen, sonder eher eine etwas anspruchsvollere Lektüre.

Kerstin Tacke (academicworld.net-Userin)

Henning Mankell. Daisy Sisters
12,95 Euro. Deutscher Taschenbuch Verlag (dtv)

 

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