Fahrstunde mit Vati

In „96 Hours – Taken 2“ wird wieder fröhlich entführt und befreit. Nur ist es diesmal, zumindest anfangs, Ex-Agent Bryan Mills selbst, der in die Hände grimmiger Gesellen fällt. Gut, dass der Apfel nicht zu weit vom Stamm gefallen ist und Töchterchen Kim zu Hilfe eilt. Seit 15. März auf Blu-ray und DVD im Handel.

Fahrstunde mit Vati
Kim rennt, Bryan schießt. Ein wahrlich dynamisches Duo. © Universum Home Entertainment

Die Rache der Entrechteten

Kim Mills (Maggie Grace) versucht sich an einem Leben als ganz normale Jugendliche in Los Angeles. Nach den Erfahrungen aus Film Nummer eins gar nicht so einfach. Schließlich wurde sie dort von einer Mädchenhändlerbande verschleppt und nur das radikale Einschreiten von Daddy Bryan (Liam Neeson) konnte Schlimmstes verhindern. Der bemüht sich seither auch ziemlich um ein gutes Verhältnis. Besonders daran, dass sie im dritten Anlauf den Führerschein besteht ist ihm gelegen. Die beiden versuchen sich als Vater-Tochter-Aktivität sogar an gemeinsamen Fahrstunden – was sich später noch auszahlen wird. Den Freund allerdings versteckt Kim lieber, damit der Herr Papa ihn nicht nach guter alter CIA-Manier komplett durchleuchtet. Tut er natürlich trotzdem.

Tut aber schnell auch nicht mehr viel zur Sache. Bei einem familiären Trip nach Istanbul lauern nämlich schon die bösen Jungs. Diesmal: Familie und Freunde derer, die Bryan in Teil eins gemeuchelt hat, um das Töchterchen zu befreien. Nun wollen die nämlich Rache nehmen. Dazu sollen die drei Entführt und aus dem Verkehr gezogen werden. Allerdings erwischen die grimmigen Albaner nur Bryan und seine Ex-Frau Lenore (Famke Janssen). Jetzt muss Kim beweisen, dass sie ganz nach dem Herrn Papa kommt. Der ist dann auch einigermaßen zügig gefunden und befreit, doch die Gangster haben Lenore noch immer in ihrer Gewalt. Aber da haben sie die Rechnung natürlich ohne Mills gemacht.

Schauwerte im Überfluss

Wenngleich dem Film der raue Charme des ersten Teils etwas abhandenkommt, wirft er, ganz nebenbei und vielleicht auch ungewollt, eine interessante Frage auf: Warum sind eigentlich die Angehörigen des amerikanischen Ex-Agenten (im Grunde also auch ein Killer), so viel wichtiger, ihr Leben so viel wertvoller, wie das der albanischen Familienmitglieder, die er auf seinem Rachefeldzug ohne Zögern oder einen zweiten Blick umgenietet hat. Antworten bleiben hier natürlich aus, schließlich ist Selbstjustiz im amerikanischen Genrekino seit Jahr und Tag ein probates Mittel, um sich und die Liebsten zu beschützen. Staatliches Gewaltmonopol: Pah! 

Fahrstunde mit Vati

Das aber natürlich nur am Rande. Schließlich weiß der Zuschauer vorher, worauf er sich einlässt. Und Liam Neeson als Ein-Mann-Armee hat auch im zweiten Aufguss Unterhaltungspotenzial. Allerdings im Vergleich zum ersten Teil deutlich mehr am Mainstream orientiert. Was schade ist. Denn gerade die überraschenden Einfälle, wie die Eigenortung per Granateneinschlag sind es, die gute Laune machen. Begeistern können zudem die eindrucksvollen Bilder von Neu-Handlungsort Istanbul. Die sind nämlich extrem beindruckend und zeigen die Metropole am Bosporus bei der einen oder anderen Verfolgungsjagd in ihrer Zwiespältigkeit zwischen Geschichte und Moderne.

Gisela Stummer (academicworld.net)

96 Hours – Taken 2

Regie: Olivier Megaton
Darsteller: Liam Neeson, Maggie Grace, Famke Janssen

Im Vertrieb von Universum seit 15. März auf Blu-ray und DVD
 

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