Emanzipation aus Versehen

Eine neuartige Droge verwandelt eine ängstliche Durchschnittsfrau in eine allwissende und mächtige Maschine mit nur einem Ziel: Ihr Wissen speichern und der Welt zugänglich machen bevor es zu spät ist. Denn nicht nur ein ganzes asiatisches Drogenkartell ist ihr auf den Fersen, auch die Zeit ist ihr Feind.

Emanzipation aus Versehen
Durch die Droge wird aus Lucy eine andere. © Universal

Lucy (Scarlett Johansson) hält sich in Taipeh auf und ist die typische amerikanische Partytouristin, deren Hauptbeschäftigung das Feiern ist. Durch einen vermeintlichen Freund gerät sie in die Hände des koreanischen Drogenbosses Mr. Jang (Choi Min-sik), der sie erst misshandeln lässt und ihr schließlich gegen ihren Willen ein Paket einer neuartigen Droge in den Unterbauch implantiert. Das gleiche Schicksal ereilt drei andere Männer. Der Plan ist, dass die vier als Drogenkuriere fungieren und die Substanz nach Europa schmuggeln sollen, wo die Pakete wieder aus ihren Körpern entnommen und von den dortigen Kartellangehörigen auf den Markt gebracht werden. Verständlicherweise hat Lucy Angst und wehrt sich gegen ihre Peiniger. Dabei wird sie von einem Tritt in den Bauch getroffen, das Päckchen platzt und die Droge tritt in Ihren Blutkreislauf ein – mit ungeahnten Folgen.

Vom ängstlichen Mädchen zur Killermaschine

Die Substanz bewirkt eine Steigerung der Nutzung der Gehirnkapazität. Sehr anschaulich wird im Film zur Verdeutlichung immer wieder zwischen dem Geschehen um Lucy und einem Vortrag des Gehirnforschers Prof. Samuel Norman (Morgan Freeman) hin- und hergesprungen. Demzufolge nutzen wir nur etwa zehn Prozent unserer Hirnkapazität, alles was etwa bis zu 20 Prozent der Leistungsfähigkeit des Gehirns reicht ist für die Forschung einigermaßen nachvollziehbar, was darüber hinaus möglich sein könnte übersteigt unsere Vorstellungskraft.  Ebenso ergeht es Lucy: Je höher die Konzentration der Droge in ihrem Körper wird, desto aufnahmefähiger wird ihr Verstand, plötzlich spricht sie koreanisch, kann mit Waffen umgehen, erahnt die Bewegungen und Gedanken des Gegenübers vor ihm selbst. 

Emanzipation aus Versehen
Und so fügsam ist sie schnell nicht mehr. © Universal

Je klüger desto stumpfer

Mit ansteigendem Verstand verkümmert dabei ihre Fähigkeit, etwas zu empfinden. Sie entwickelt telekinetische und telepathische Fähigkeiten, fühlt elektromagnetische Wellen Lucy weiß, dass sie auf ihren eigenen Verfall zusteuert und fasst einen Plan: erstens muss die Verbreitung der Droge unbedingt verhindert werden. Und zweitens muss all das Wissen über die Menschheit und die Welt, das sie in der kurzen Zeit ihrer Allwissenheit angehäuft hat konserviert werden. Doch für beides bleibt ihr nur wenig Zeit. 

Philosophischer Action-Thriller

Regisseur Luc Besson schafft einen unterhaltsamen Spagat zwischen spannungsgeladenem Action-Thriller und biophilosophischer Reflexion über die menschliche Kognition. Nicht mal der Humor bleibt auf der Strecke, denn die verblüffenden Fähigkeiten von Lucy sorgen für einige unvorhergesehene Lacher. An manchen Stellen mag es da zu logischen Lücken kommen, aber alles in allem ist der Streifen für einen anregenden Kinoabend unbedingt zu empfehlen, denn er bietet für das Bierchen danach einiges an Gesprächsstoff: sei es die Theorie von den ungenutzten 90 Prozent unserer Hirnleistung, die umstrittene Möglichkeit der Herstellung einer Droge, die diese Kapazitäten nutzbar machen könnte oder einfach nur die beeindruckenden Bilder des Films. 

Emanzipation aus Versehen

Miri Köbner (academicworld.net)

LUCY

Regie: Luc Besson
Darsteller: Scarlett Johansson, Morgan Freeman, Choi Min-Sik, Amr Waked

Ab 12. Januar im Vertrieb von Universal Pictures auf DVD und Blu-ray mit Digital UV sowie als Steelbook

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