Eine Lady mit Sinn für Sarkasmus

England in den 1930er-Jahren. In einem Dorf in der Grafschaft Devon vertraut sich eine Lady mit messerscharfem Verstand ihrem einzigen Freund an – dem Tagebuch. Eine unserer Rezensentinnen hat das „Tagebuch einer Lady auf dem Lande“ von E. M. Delafield gelesen.

Die Welt hat sich gegen sie verschworen: im Haushalt regiert das Chaos, die Köchin droht mit Kündigung und ihre beiden überaus reizenden Kinder Vicky und Robin neigen dazu, stets am falschen Ort zur falschen Zeit für Unheil zu sorgen. Von ihrem Gatten Robert, der sich am liebsten hinter der Times verschanzt, hat die Lady keine Hilfe zu erwarten. So kämpft sie allein um Haltung bei Teegesellschaften, Dorffesten, Abendeinladungen und vor allem, wenn sie der grässlich perfekten Lady B. begegnet, die ihre Eitelkeiten wie einen Pudel mit sich herumführt. Ein Glück, dass wenigstens ihr Tagebuch die Lady auf dem Lande nicht im Stich lässt.

Als Mutter zweier Kinder und Hausfrau in den 30er Jahren hat die namenlose Lady so einiges in ihrem Tagebuch zu notieren! Sie erzählt mit einem trockenem, manchmal sarkastischem Ton von ihrem Alltag. Etwa, wie sie sich quält, Hyazinthen zu überwintern, ihren kulturellen Horizont zu erweitern sucht, um bei gesellschaftlichen Anlässen halbwegs geistreiche Kommentare beizusteuern, oder einfach nur die Contenance nicht vor ihren Hausangestellten zu verlieren. Diese profanen Einträge sind es auch, die den Leser durch eine Reihe von Emotionen beim Lesen des Tagebuchs leiten.

Da möchte man die Lady in einem Moment an den Schultern packen und ihr ins Gesicht schreien: „Hör auf, immer nur das Opfer zu spielen, brich aus deinem Schneckenhäuschen aus und begegne deinen Mitmenschen und Bediensteten mit mehr Selbstbewusstsein!“, nur um dann im nächsten Moment lauthals über ihre haarscharfen Anmerkungen zum Verhalten anderer Protagonisten zu lachen; oder nachzusinnen über ihre selbstkritischen Überlegungen und diese auf den eigenen Lebensalltag zu übertragen.Von daher ein Klassiker, der durchaus auch auf die heutige Zeit übertragen werden kann und durch viele lustige Kommentare besticht. Definitiv weiterzuempfehlen!

Anita Daniel, academicworld-Rezensentin

E. M. Delafield. Tagebuch einer Lady auf dem Lande.

16,99 Euro. Manhattan

 

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