Ein Leben am Hang

Mit AM HANG inszeniert Markus Imboden erfolgreich den gleichnamigen Bestseller von Markus Werner, in dem der Ehemann und der ehemalige Liebhaber einer Frau über den Sinn der Liebe diskutieren. Unmengen Wein inklusive, selbstverständlich.

Felix und Bettina in AM HANG
Felix und Bettina – ein Bild aus glücklicheren Zeiten.

Es ist zwar kein Hang, an dem  Felix steht, als er seinem Leben das erste Mal ein Ende setzen möchte, aber es sind Bahngleise samt rasant herankommendem Güterzug. Erfolgreich ist er damit allerdings nicht, denn prompt taucht ein junger Mann auf, der ihn von den Gleisen reißt. Dank gebührt ihm dafür aus Felix‘ Sicht allerdings keiner – seit seine Frau Bettina ihn nach einer Affäre verlassen hat, steht er psychologisch am Hang. Getrieben von dem immerwährenden Kreislauf des Warums reist er letztendlich an den Ort der Trennung, der gleichzeitig die Bühne für das Schauspiel der Affäre bot. Kaum im Hotel angekommen, gibt er sich einer Runde russischen Roulettes hin – ebenfalls erfolglos. 

Verheißungsvolles Treffen am Ort der Trennung?

Während heftigen Alkoholkonsums trifft er im Restaurant des Hotels beim Abendessen auf seinen erstmaligen Lebensretter von den Bahngleisen. Thomas, ebenfalls allein unterwegs, beschließt, Felix Gesellschaft zu leisten. Doch während er in den Unterhaltungen mit dem grantigen Felix nichts weiter als eine kurzfristige Bekanntschaft sieht, erkennt Felix, mit wem er da am Tisch sitzt: mit niemand Geringerem als dem ehemaligen Liebhaber seiner Frau, dem Grund all seines Übels. Felix will es wissen, Felix will alles wissen: über den Mensch Thomas, über die Affäre und letztlich auch über das Ende – doch welches Ende wählt Felix für Thomas und auch sich selbst?

Die Charaktere und ihre Schauspieler

Gespielt wird die Rolle des emotional instabilen Felix von Henry Hübchen, der mit seinem trotzigen Charme die Zahmheit des ursprünglichen Felix mit dem Unverständnis, der Wut und der Obsession eines von der Liebe Verlassenen so glaubwürdig kombiniert. Dies gilt insbesondere dann, wenn Felix mitten in einer scheinbar gut laufenden Unterhaltung durch rüpelige Kommentare oder Wutausbrüche überrascht, die den Zuschauer auch mal zum Lachen bringen.

Max Simonischek gibt den sich nicht binden wollenden Lebemann Thomas, der sich von einer kurz brennenden Liebesflamme zur nächsten bewegt. Jedoch überzeugt er nicht vollumfänglich, zu gleichmütig seine Darstellung, zu gleichmäßig seine Mimik. 

Die Frage nach der Frau

Gut gelungen ist die Darstellung der Bettina, die sich Thomas im Übrigen mit dem Namen Valerie vorgestellt hat. Dieser Charakter bleibt gänzlich unverstanden, da sie einerseits die Trennung von Felix angeblich nicht überwinden kann, aber auch nicht zu ihm zurück möchte. Zudem weiß sie genau, dass sie bei Thomas kein neues Zuhause gefunden hat. Doch wohin soll die Reise für Valerie/ Bettina gehen? Derartig portraitiert aus der Sicht des Liebhabers und des ehemaligen Ehemanns, kann sich der Zuschauer bis zuletzt fragen: Wer ist eigentlich diese Frau?

Das Fazit

Basierend auf Markus Werner’s Roman AM HANG aus dem Jahr 2004 ist der Film definitiv kein Trauertheater zur Beziehungsbewältigung. Die Männerdiskussionen um die Liebe und den Sinn einer Ehe, Bindung und jahrelange Partnerschaften sind interessant und werden hauptsächlich zu Tisch ausgetragen, wahlweise mit literweise Rot- oder Weißwein. Sehenswert ist der Film vor allem aufgrund Henry Hübchens Darstellung als launenhafter Felix, der seiner Frau in endloser Monotonie alles gegeben hat, ohne zu hinterfragen, ob sie es denn überhaupt auch so wünscht. Die Herausforderung, alles darzustellen ohne genau zu klären, wer eigentlich Valerie/ Bettina ist und wie ihre Version der Geschichte lauten würde, bleibt, wie es auch sein sollte, die zentrale Frage dieser insgesamt gelungenen Literaturverfilmung.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Am Hang

Regie: Markus Imboden
Darsteller: Henry Hübchen, Max Simonischek

Kinostart: 31.10.2013
Im Verleih: Arsenal Filmverleih

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