Die Tote im Wellness-Hotel

Eine Kommissarin, die so gar nicht in ein gängiges Schema passen will und eine Story, die immer wieder zu überraschen vermag. Das stimmige Rezept für einen spannenden Krimi.

Dieser Krimi beginnt nicht mit einer größeren Vorgeschichte, sondern man befindet sich gleich mittendrin, denn die Kommissarin Vera Stanhope ist es selber, die die Leiche findet.

Untypische Hauptfigur

Von so einer Kommissarin liest man selten. Sie ist keine toughe, gut aussehende Mittdreißigerin, mit florierendem Familien- und Freundeskreis. Vielmehr mimt sie in dieser Hinsicht eher die tragische Figur. Sie ist schon im fortgeschrittenen Alter, alleinstehend, übergewichtig, sieht nicht gut aus, trinkt zu viel und ist überaus dominant, was ihr auch unter Kollegen selten Sympathiepunkte beschert. Eine Frau mit vielen Ecken und Kanten, und doch (fast) immer hoch professionell und mit einer sehr guten Intuition gesegnet. Ihre Umgangsweise mit Zeugen etc. wirkt mütterlich, doch das täuscht nur über ihre messerscharfe Kombinationsgabe hinweg. Oft wusste ich nicht, ob ich Vera Stanhope bewundern oder bemitleiden sollte.

Gelungene Mischung

Die Autorin hat es mit Leichtigkeit geschafft nicht nur alle Seiten der Vera Stanhope gut und glaubhaft miteinander zu verknüpfen, sondern darüber hinaus hat sie weitere gut ausgearbeitete Charaktere erdacht, alle sehr lebendig und authentisch. Man hatte im Verlauf des Buches immer mehr das Gefühl, dass man alle Personen und ihre Beziehungen untereinander in ihrer Gänze sehr gut kennt.

Überraschende Wendungen

Auf der Suche nach dem Mörder gelang es der Autorin mich mehrfach auf die falsche Fährte zu führen. Theorien wurden entwickelt und wieder verworfen, was mich dauerhaft zu fesseln vermochte. Der ganze Fall war bis zum Schluss sehr undurchsichtig, die Auflösung recht überraschend. Die Zwischenpassagen, in denen es nicht oder nur am Rande um den Kriminalfall ging, waren so interessant und kurzweilig, dass man einfach gerne weiter las.

Fazit: Ein Krimi, der es vermochte mich auf mehrfache Weise zu überraschen. Ein gut konstruierter Fall, mit seichtem Beginn, der dann volle Fahrt aufnimmt – sehr zu empfehlen!

Tanja Geyer (academicworld-Userin)

Ann Cleeves. Seelentod
9,99 Euro. Rororo

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