Die hellen Tage

In einer süddeutschen Kleinstadt erlebt das Mädchen Seri helle Tage der Kindheit: Tage, die sie im Garten ihrer Freundin Aja verbringt, die aus einer ungarischen Artistenfamilie stammt und mit ihrer Mutter in einer Baracke am Stadtrand wohnt. Doch das Leben in Zsuzsa Bánks „Die hellen Tage“ kennt nicht nur Sonnentage.

Die hellen Tage

Die Tage der Kindheit

Die Kindheit in Kirchblüt von Aja und Therese steckt voller kindlicher Träume, Wahrheiten und Nähe zu der Natur. Ajas Vater Zigi ist ein Schausteller, der während des Jahres durch die Lande zieht, um nur für ein paar Monate bei seiner Familie einzukehren und den beiden Mädchen die wildesten Geschichten zu erzählen. Seine Frau Évi wohnt mit Aja in einem mehr schlecht als recht gebauten Haus, das sie mit allerlei alten Schätzen eingerichtet hat: Angeschlagene Tassen, in denen sich das Kleingeld tümmelt, eine Rosentapete, vor der ein Stuhl wie ein Thron aufgebaut ist und ein Gartenzaun, der seine Funktion ebenfalls nicht richtig verstanden hat. Überall wächst und gedeiht es. Der Rasen wird nur einmal im Jahr von Zigi gemäht. Rituale finden sich ein, die jahrelang streng eingehalten werden.

Aja selber hat aufgrund eines Unfalles nur noch drei Finger an der einen Hand. Man darf ihr keine Armbänder oder Ringe zum Geburtstag schenken und dennoch möchte sie unbedingt Ärztin werden. In der Schule ist sie die Klassenbeste. Ihre Mutter eine Analphabetin, die von Thereses Mutter das Schreiben und Lesen beigebracht bekommt.

Therese erzählt das ganze Buch über die Kindheit, das Erwachsenwerden, das Erwachsensein und berichtet auch davon, dass keine der Familien es je einfach hatte. Auch ihr fehlt der Vater, der an einem Herzinfarkt viel zu früh gestorben ist. Ihre Mutter hat sich zusammen gerissen und leitet die Spedition weiter – mit Gewinn.

Als Aja und Therese Karl kennen lernen sind sie komplett. Karl seinerseits betrauert ebenfalls einen Verlust: Sein Bruder ist nie von der Schule nach Hause gekommen. Im kleinen Örtchen Kirchblüt will man einen Mann gesehen haben, der diesen in sein Auto gelockt hat. Richtig bestätigen kann keiner seinen Tod.

Die Kindheit der drei ist wirklich farbenfroh erzählt und ich habe mich die ersten Seiten über auch sehr geborgen gefühlt und mich auf Neues gefreut. Mit der Zeit wird diese Kindheit aber auch anstrengend; besonders dadurch, das Zsuzsa Bánk keine wörtliche Rede nutzt, um ihren Charakteren noch mehr Leben einzuhauchen. So wirkten Thereses Schilderungen immer etwas steif, wenn sie die indirekte Rede abgehackt und nicht fein säuberlich benutzte.

Die Charaktere selber sind irgendwann eingefahren, sie ändern sich nicht im Wesentlichen, nur Aja gerät gerne in die Pubertäre Phase und provoziert Évi in einigen Momenten. Karl und Therese bleiben gleich. Es gibt keine intimen Momente zwischen Therese und ihrer Mutter, keine Aussprache seitens Karls, seiner Mutter ein Stück Leben zurückzugeben.

Erwachsenwerden ist nicht schwer, Erwachsensein dafür sehr

Die drei studieren jetzt in Italien, ihre Mütter haben sie zurückgelassen, um die weite Welt zu erkunden. Dabei erfahren wir Geheimnisse, die den Weichzeichner krass überborden. Évi hat ein Geheimnis, Thereses Vater ebenfalls und der Vater von Karl, der sich von seiner Mutter getrennt hat, nähert sich Évi, was Zigi mit Verärgerung hinnimmt.

Am Ende wirkt alles doch sehr aufgeräumt, aber nicht ordentlich. Kein übergesprungener Funke, eine Farce jagt die nächste. Doch Aja ist Ärztin. Sie zieht im Buch alles durch, was sie möchte und bleibt am Ende mit einem zerbrochenen Spiegel zurück. Pech breitet sich aus.

Fazit

Das Buch ist am Anfang wirklich innovativ, neu und strahlend. Mit der Zeit verliert es aber ganz schnell seinen Glanz und wirkt matt und vergilbt. Die Charaktere bewegen sich das ganze Buch nicht, obwohl sie diverse Schicksalsschläge haben hinnehmen müssen. Eine richtige Kur findet nicht statt. Keiner ist bereit, der Schreibe eine neue Wendung zu geben.

Für mich war das Lesen insgesamt doch sehr, sehr anstrengend, so dass ich leider von diesem Buch abraten muss. Ich mag besonders die wörtliche Rede, die Büchern Charakter verleihen. Vielleicht hätte Bánk mit diesem Instrument der Autorenkunst noch einige Wendungen herbei rufen können. Schade.

Natascha Uka (academicworld.net-Userin)

Zsuzsa Bánk. Die hellen Tage
9,99 Euro. S. Fischer
 

 

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