Die Gefahren der globalisierten Welt

Schweinegrippe, Vogelgrippe, SARS – fast jedes Jahr jagt das Gespenst einer globalen Pandemie durch die Medien, versetzt die Menschen kurzfristig in Panik und flaut – meist nachdem massenweise sündhaft teure Medikamente produziert wurden – alsbald erst in der öffentlichen Wahrnehmung und dann tatsächlich wieder ab. Steven Soderbergs neuer Film „Contagion“ stellt sich der Frage, was passiert, wenn dieser Zyklus so nicht zum Tragen kommt, wenn die Epidemie sich wirklich über den ganzen Erdball ausbreitet. Und er zeichnet ein erschreckendes Bild, das den Rahmen des Möglichen aber nicht sprengt …

So schnell geht Ansteckung. (engl. contagion) © Warner Bros. Pictures Germany

Casino letalis

Eine elegant gekleidete, gut gelaunte Frau sitzt im Spielcasino. Sie spielt, trinkt, unterhält sich. Was sie aber nicht weiß, der Film aber schon andeutet: Sie verbreitet dabei eine tödliche Hinterlassenschaft. Noch ist sie gesund, ohne Beschwerden, aber die Viren, die sie mit jedem Schluck aus dem Glas, mit jedem Pusten auf die Würfel hinterlässt, werden Millionen töten.

Als der Abend vorbei ist werden die Frau, Beth Emhoff (Gwyneth Paltrow) und die anderen Besucher dieses Casinos in der Nähe des Hongkonger Flughafens das Virus über die ganze Welt verbreiten. Beth ist zwei Tage später tot. Ihr Mann (Matt Damon) verzweifelt und die Welt am Abgrund: Immer mehr Menschen sterben, die Wissenschaft sucht fieberhaft nach einem Impfstoff, die Politik ist hilflos und die Medien, wie etwa Blogger Alan Krumwiede (Jude Law) wittern eine Verschwörung.

Ausgangssperren sind bald an der Tagesordnung. © Warner Bros. Pictures Germany

Von echten und falschen Helden

Im Laufe der weltweiten Krise kommt es zu Ausschreitungen, Plünderungen, Ausgangssperren. Da wird schon einmal die Beauftragte der WHO, Dr. Leonora Orantes (Marion Cotillard) auf Erkundungsmission entführt um Impfstoff zu erpressen. Da muss der friedliebende Vater zur Waffe greifen um seine Tochter zu beschützen.

Die stillen und unauffälligen Helden werden es schließlich sein, die ein Stück Normalität bewahren, während ringsum das Chaos herrscht, die ihr Leben riskieren um andere zu retten. Andere hingegen, die sich selbst als Retter stilisieren werden vielleicht nicht nur von uneigennützigen Motiven angetrieben.

Bald ist das Chaos unübersehbar. © Warner Bros. Pictures Germany

Atemlose Spannung ohne rechte Emotion

Mit einem gigantischen Starensemble inszeniert Oscar-Preisträger Steven Soderberg sein Katastrophenszenario. Der Kamera gelingt es Nuancen zu erfassen, die das Ausmaß erst erahnen lassen. Besonders schön am Anfang das Aufzeigen der Infektionskette. Minutenlang, fast ohne Dialog – sehr eindringlich. Die Spannung steigert sich im Laufe des Films fast ins atemlose.

Doch eines bleibt auf der Strecke: die Emotionen. Obwohl man die Verbreitung des Viruses, das Sterben der Menschen und den Verfall von Sitte und Anstand, von Recht und Ordnung, verfolgt fühlt und leidet man nicht so recht mit, mit dieser Vielzahl von Charakteren. Manche werden durchaus sympathisch gezeichnet, doch vermag ihr Tod, ihr Verlust nicht zu bewegen.

Der Herbst ist da und die nächste Krankheitspanik wird wohl nicht mehr lange auf sich warten lassen. Deshalb besser schnell ins Kino, denn wenn man in „Contagion“ von hinten ein Husten hört könnte man leicht einen hypochondrischen Anfall bekommen …

Gisela Stummer (academicworld.net)

Contagion

Regie: Steven Soderberg
Darsteller: Marion Cotillard, Matt Damon, Laurence Fishburne, Jude Law, Gwyneth Paltrow, Kate Winslet
Kinostart: 20. Oktober 2011

Im Verleih von Warner Bros. Pictures Germany

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