Die Fünfziger haben angerufen …

… und wollen ihren Rassismus zurück. Auf den stößt man als Zuschauer der Serie Manh(a)ttan nämlich ziemlich oft – was natürlich an der Zeit liegt, in der die Serie spielt: Rivalisierende Wissenschaftler kämpfen in den 1940ern darum, die erste Atombombe zu erbauen und damit den Zweiten Weltkrieg zu beenden. Eine inhaltliche Gratwanderung Deluxe …

Lionsgate 2014
Alle Bilder: Lionsgate 2014
Die Frauen müssen zwangsweise Halbtagsjobs annehmen, wie zum Beispiel das Abhören von Telefonaten, um Spione ausfindig zu machen …

1942 wird unter der Leitung des Physikers J. Robert Oppenheimer das sogenannte „Manhattan-Projekt“ von der US-Regierung ins Leben gerufen: Mitten in der Wüste, auf Indianergebiet in New Mexico, soll die erste Atombombe der Welt gebaut werden. Die USA erhofft sich davon, den wütenden Zweiten Weltkrieg zu beenden – und das so schnell wie möglich. Denn auch in Deutschland wird mit Hochdruck an der Entwicklung der zerstörerischen Waffe gearbeitet. Es ist ein Wettlauf zwischen den Nationen, es ist aber auch ein Wettkampf zwischen unterschiedlichen wissenschaftlichen Ansätzen.

Die Forschung und Entwicklung an der Waffe kreiert ein sensibles Spannungsfeld: Die Forscher haben allesamt ihre Familien mit auf den Stützpunkt gebracht, dürfen aber nicht das Geringste über ihre Arbeit erzählen. Dass Sie ihre Liebsten aus einem sozialen Umfeld herausgerissen und buchständlich in die Wüste geschickt haben, macht das Leben in New Mexiko nicht einfacher …

Die Kritik

Die Zahl der Schauplätze sind sehr eingeschränkt: Alles spielt sich in dem kleinen Lager inmitten der Wüste ab. Die Zahl der Charaktere ist ebenfalls überschaubar – und leidet leider darunter, dass die Serie in der Zeit spielt, in der sie spielen muss. Ein Haufen weißer Männer zwischen 30 und 60 auf dem Karrieretrip, während die Mädels daheim bleiben und die Kinder hüten. Während sie über ihre indianischen Hilfskräfte lästern, selbstverständlich. Das ist ein grundsätzlich unsympathisches Setting, das heute keiner mehr wirklich sehen möchte.

Umso härter muss die Serie darum kämpfen, den Zuschauer für sich einzunehmen. Dabei trifft sie auf ein weiteres Hindernis: Der amerikanische Pathos. Wir reden davon, dass die Atombombe erfunden werden muss. Heutzutage wissen wir ja, wie das so mit den Auswirkungen gelaufen ist und heute immer noch für schreckliche Folgen sorgt. Wenn dann die Charaktere in der Serie felsenfest davon überzeugt sind, ihrem Land zu dienen, hunderttausende Tote auf ihre Rechnung nehmen und meinen, es wäre das Ende des Krieges und eine heldenhafte Erfindung – spätestens hier habe ich jede Bindung zu der Serie verloren.

Sicherlich ist sie technisch richtig gut gemacht und man spürt auch mitten in der Wüste den Charme der Fünfziger, weil jedes äußerliche Details sitzt. Das gehört zu den positiven Aspekten, genauso wie die Verwicklungen in die Geheimhaltung: Denn wenn man mehrere Menschen auf ein Quadratmeter Wüste zusammenpfercht, kann keiner Geheimnisse für sich behalten, auch wenn das eigentlich lebenswichtig wäre. Also muss Big Brother den Bösen Cop mimen, der Leute aus dem Verkehr zieht und verschwinden lässt. Bis auf Anfangs geht es aber selten schwerwiegend aus, denn die Helden der Serie müssen natürlich brav weiter an der Atombombe tüfteln.

Fazit: Sehr schade, aber wegen der oben beschriebenen Schwierigkeiten landet Manh(a)ttan leider auf den unteren Rängen des Serien-Himmels. Insbesondere, wenn man auch Details achtet wie den platten Witz auf dem Cover: „Kern. Familie.“ Ich sag’s ja, die Fünfziger haben angerufen …

Bettina Riedel (academicworld.net)

MANH(A)TTAN, 13 Episoden
Ab dem 7. Juli als DVD, Bluray und digital im Handel erhältlich im Vertrieb von Studiocanal.

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