Die Erinnerung ist ein trügerisch Ding

Mie war einst eine erfolgreiche Musicaldarstellerin und führte mit ihrem Mann und der gemeinsamen Tochter ein absolutes Bilderbuchleben. Da zerstört ein Autounfall die Idylle, weil sie sich seither nicht mehr an Ereignisse aus der jüngeren Zeit erinnern kann. Weder, was sie gerade noch einkaufen wollte, noch der Geburtstag ihres Mannes. Es ist eine super anstrengende Situation, die allen das Maximale abverlangt.

Es ist das Haus ihres Großvaters und liegt abgeschieden im Wald – die ideale Gruselbühne.

Dann verschwindet ein Mann aus der Umgebung und Mie war angeblich die letzte, die mit ihm gesehen wurde – nur erinnert sie sich nicht daran. Nach einem Rückfall weist die Polizei sie schließlich in eine geschlossene Psychiatrie ein. Dem Misstrauen, das man ihr entgegen bringt, kann sie wenig entgegen setzen – und merkt erst allmählich, dass sie sich gar nicht so gut auf Freunde und Familie verlassen kann, wie sie es eigentlich gedacht hätte.

Die Kritik

Als Zuschauer verfolgt man die Geschichte auf 2 Zeitverläufen: Einmal die Gegenwart, in der Mie schon in die Geschlossene eingewiesen wurde und einmal die Vergangenheit. Beide laufen am dem jeweiligen Startzeitpunkt weiter und so erlebt man, wie nicht nur Mie sich allmählich erinnert, die Polizei Stück für Stück mehr herausfindet – sondern auch, wer in Mies Umfeld vielleicht nicht ganz die Wahrheit gesagt hat.

Hinter der Idylle verstecken sich Abgründe, die wegen der Steine, die der Erinnerung im Weg liegen, nun offenbar werden. Die Nerven liegen blank – nicht nur bei Mie, die sich selbst schon gar nicht mehr vertrauen kann. Ihr Mann und sie verlernen zu leben und sind darin gefangen, sich um Mie zu kümmern, sie abzusichern, bis es mehr Richtung Kontrolle geht.

Für Spannung ist so von Anfang an gesorgt und durch den stetigen Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart erkennt man, wie falsch man am Anfang die gesamte Situation eingeschätzt hat. Die Handlung enthüllt in jeder Folge neue Details, die alles bisher erlebte in ein vollkommen neues Licht rücken. Der Gruselfaktor ist wirklich human, im wahrsten Sinne des Wortes. Wer Grusel nicht mag, kommt mit der Prise, die eingestreut ist, voll auf seine Kosten. Wer eher einen Horrorstreifen sucht, dessen Bedürfnisse werden nicht abgedeckt.

Die eigentliche Geschichte wird immer wieder unterbrochen durch ästhetisch umgesetzte Einbildungs- oder Traumsequenzen, wie beispielsweise Mie als Ballettänzerin, wie sie sich immer wieder an der gleichen Bewegung (=Erinnerung?) versucht und schließlich daran zerbricht. Aspekte wie dieser würde man vermutlich dem niederländischen Eigenarten zuordnen, die sich immer wieder im der Serie wiederfinden lassen. Kleine, zauberhafte und inhaltlich aussagekräftige Einstreuungen machen aus einer einfachen Serie echtes TV-Vergnügen.

Bettina Riedel (academicworld.net)

Tabula Rasa
9 Episoden

Ab dem 17. April als DVD und BluRay im Vertrieb von Pandastorm Pictures im Einzelhandel erhältlich.

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