Der Mythos hinter dem Mythos

Was haben Stammessagen, religiöse Heilsgeschichten und Märchen wie der Froschkönig gemeinsam? Nicht viel denkt mancher vielleicht auf den ersten Blick. Joseph Campbells „Der Heros in tausend Gestalten“ stellt eine Typologie der Heldenfahrt auf, in die sich aber all diese „Geschichten“ wunderbar stimmig einfügen.

Krieger mit Mission. Bild: Oliver Playford/aboutpixel.de
Krieger mit Mission. Bild: Oliver Playford/aboutpixel.de

Die Geschichten der Welt

Auf beeindruckende Art und Weise gelingt es Joseph Campbell in seinem Werk „Der Heros in tausend Gestalten“ eine gigantische und schier unüberblickbare Fülle von Heldengeschichten aus allen Zeiten und aller Welt sinnvoll zu ordnen und zusammen zu stellen. Das 1949 erstmals erschienene Werk ist noch immer DAS Standardwerk der Mythenforschung und dabei so verständlich geschrieben, dass sich auch der Laie in diese Welt der Jungfrauengeburten und Abstiege in die Unterwelt einfindet.

Viele der Beispiel, die Campbell verwendet sind jedem Kind ein Begriff, von vielen aber dürften bisher nur Spezialisten Kenntnis haben. So genau spielt das aber keine Rolle, denn die Geschichte, die hinter all den Geschichten zum Vorschein kommt, ist in ihren Grundzügen relativ heterogen:

Da ist der Außenseiter, der Auserwählte, der sich vom Elternhaus losmachen muss, unterschiedlichste Abenteuer zu bestehen hat, geheimes Wissen wieder zum Vorschein bzw. zur Anwendung bringt und dieses dann eigentlich unter seinen Zeitgenossen zu lehren.

Mythengestalten aus aller Welt werden thematisiert. Bild: Miriam Trescher/pixelio.de
Mythengestalten aus aller Welt werden thematisiert. Bild: Miriam Trescher/pixelio.de

Der Monomythos

Diesen Kern, den Campbell als Modell entwickelt, nennt er Monomythos. Die Erkenntnisse des Autors weisen dabei regelrecht tiefenpsychologische Relevanz auf. Immer wieder weist er darauf hin, dass die Heldenfahrt, wie sie sich im Weltgeschichtlichen und in der epischen Erzählung im Großen vollzieht, sich in verkleinertem Maßstab auch im Leben des modernen Individuums abspielt. 

So sieht Campbell seine mythologische Untersuchung auch ein Stück weit als Orientierungshilfe für den modernen Menschen, der sich jenseits der so lange bewährten religiösen oder mythischen Unterschützung im Leben zurechtfinden muss.

Leichte Lektüre sieht anders aus, aber das Buch ist auf jeden Fall mit Gewinn zu lesen, phasenweise hochinteressant. Es tun sich dem Leser Zusammenhänge auf, an die er so vielleicht nie gedacht hätte, die aber, wenn man genauer darüber nachsinnt, fast auf der Hand zu liegen scheinen. 

Gisela Stummer (academicworld.net)

Joseph Campbel. Der Heros in tausend Gestalten
14,95 Euro. Insel Verlag

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