Der Kampf um Schottland

Schottland, 13. Jahrhundert. Robert Bruce entstammt einer sehr alten Familie und verbringt seine Jugend ganz normal: Reiten lernen, Kämpfen, Unfug, Familienprobleme mit seinem Vater. Bis sich die politische Lage zuspitzt und immer mehr Schotten für ihre Unabhängigkeit kämpfen wollen …

England und Schottland haben ein Problem: König Alexander stirbt „zufälligerweise“- und hinterlässt zwar eine junge Gattin, aber kein Kind. Sofort verbünden die Comyns sich mit den Balliols und streben dem Thron zu. Doch dann ist die junge Witwe plötzlich schwanger und beendet so die ersten blutigen Scharmützel zwischen den machthungrigen Familien. Das Baby stirbt – und die Arena ist wiedereröffnet. Die eine Seite unterstützt die Comyns, während andere eine entfernte Verwandte des Königs, ein Mädchen, in Norwegen unterstützt. Aber auch andere Familien haben theoretisch Anspruch auf den Thron: So auch Robert Bruce III, ein schottischer Junge. Von einer Hexe im Wald erfährt er, dass es einst das Schicksal seines Vaters war, selbst König zu werden. Doch dann musste die Hexe seinem Sohn das Leben retten. Der junge hat ein extrem schlechtes Verhältnis zu seinem Vater und kommt mit dem alten Recken von Großvater viel besser zurecht.

Die politische Lage spitzt sich immer weiter zu, sodass Schottland immer stärker an Unabhängigkeit einbüst. Voller Unmut schließt sich Robert den Rebellen an und kämpft fortan für Schottlands Unabhängigkeit – auch wenn er damit seine eigene Familie verrät.

Die Kritik

Inhaltlich geht es um eine sehr simple Frage: Wer wird der nächste König? In ausgeschriebener Form ist eine episch lange Geschichte geworden, die nicht immer strikt dem roten Faden folgt, sondern auch Raum für Seitengeschichten bietet. Es ist also eine sehr umfangreich gegebene Antwort auf diese Frage, dessen muss man sich als Leser gewiss sein – denn dieser epische Erzählstil ist nicht für jeden geeignet.

Die Geschichte des Robert Bruce ist eine bekannte – weil sie historisch tatsächlich stattgefunden hat. Wer wissen möchte, wie sie rein von der Faktenlage her ausging, kann das nachrecherchieren. Unterteilt wird die Geschichte in verschiedene Zeitabschnitte – der erste beginnt weit vor Roberts Zeit und bildet einen gewissen geschichtlichen Hintergrund ab, der später noch zum Tragen kommt. Diese ersten Seiten fand ich persönlich sehr gewöhnungsbedürftig – man darf sich davon nicht beeindrucken lassen, denn danach wird der Text um Längen besser.

Gut finde ich den Anspruch auf Authentizität. Denn in dieser Zeit war es nun einmal so, dass die Damen in der Öffentlichkeit ihre Haare versteckten und es das Vorrecht des Ehemannes war, die offenen Haare – vornehmlich im Schlafzimmer – zu sehen. Genau so denken auch die Personen in diesem Buch. Das mag sie unsympathisch machen oder den feministischen Gedanken beleidigen, ist technisch gesehen aber korrekt.

Kompliziert wird es durch die vielen Personen, die fortwährend genannt werden. Einige wiederholen sich zwar, aber bei so einem epischen Buch ist man fast versucht, einige Notizen anzulegen, um ja keine – eventuell wichtige – Person zu vergessen. Die Zahl der Charaktere trägt auch dazu bei, dass man mehr als hundert Seiten braucht, um sich einigermaßen auf den ganz jungen Robert als Hauptperson einzuschießen.

Die Sätze sind teilweise bemerkenswert lang – fast zu lang. Um damit gut umgehen zu können, muss man sich einfach Zeit für das Buch nehmen. Es eignet sich also nicht für das schnelle zwischendrin-Lesen in der U-Bahn oder im Bus.

Fazit: Lang, gehaltvoll, interessant und sehr detailfokussiert. Muss man mögen -und wer das mag, wird hier genau das finden, was er/sie sucht!

Bettina Riedel (academicworld.net)

Robyn Young. Rebell der Krone.
blanvalet. 9,99 Euro.


Hintergrundinformation: Das Buch ist Band 1 einer bisher 3-bändigen Reihe. Band 2 ist „Krieger des Friedens“ und Band 3 „König des Schicksals“.

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