Dein Ende wird dunkel sein

Eine Expedition in die Arktis, das war 1937 noch ein ziemlich großes Abenteuer. In Michelle Pavers „Dein Ende wird dunkel sein“ kommt noch eine ordentliche Portion Düsternis dazu.

So idyllisch zeigt sich die Arktis den Expeditionsteilnehmern selten. Bild: low500/pixelio.de
So idyllisch zeigt sich die Arktis den Expeditionsteilnehmern selten. Bild: low500/pixelio.de

1937 beschließen fünf junge Engländer, zu einer Expedition in die Arktis aufzubrechen. Jack Miller ist von Beginn an unsicher, ob er sich der Gruppe wirklich anschließen soll, er fürchtet, aufgrund seines sozialen Status der belächelte Außenseiter zu bleiben. Da sein Leben aber auch sonst nicht nach seinen Vorstellungen verläuft, begibt er sich mit auf die Reise, die von Anfang an unter keinem guten Stern steht: Einer der Expeditionsteilnehmer sagt kurz vor dem Start ab, da sein Vater verstorben ist, ein weiterer bricht sich auf dem Schiff in die Arktis ein Bein. Zu dritt schlägt die Gruppe ihr Lager in Gruhuken auf, während die Schiffscrew gar nicht schnell genug von dem Ort wegkommen kann, über den unheimliche Gerüchte existieren …

Ein spannendes Tagebuch

„Dein Ende wird dunkel sein“ ist nahezu komplett in Form eines Tagebuches des 28-jährigen Jack Miller geschrieben. Diese Erzählweise bietet intensive Einblicke in die Gedanken und Gefühle des Protagonisten. Ebenso schildert er die Tagesabläufe, Forschungsaktivitäten und Ereignisse innerhalb der Gruppe.

Das Buch liest sich sehr flüssig. Trotz der chronologischen Einträge, die teilweise nur die Forschungsaktivitäten schildern, ist es sehr spannend geschrieben. Dies hätte ich so gar nicht erwartet, da der Leser die Handlung ja eigentlich nicht direkt miterlebt, sondern Jack die Erlebnisse nachträglich zusammengefasst schildert. Aber die Erzählweise in diesen Tagebucheinträgen ist sehr fesselnd, teils fröhlich, teils düster, teils verzweifelt und man erlebt Jacks Entwicklung sowie seinen inneren Kampf mit: Soll er seinen Kameraden erzählen, was er gesehen zu haben glaubt?

Die stetige Anspannung, die bei Jack zu fühlen ist, seine Unsicherheit, sein Zwang, immer wieder aus dem Fenster zu schauen, ob noch alles unverändert ist, war es auch, die mich immer wieder zum weiterlesen brachte, weil man unbedingt wissen wollte, wie es dem jungen Forscher weiter ergehen wird.

Ein Leben in Dunkelheit

Michelle Paver gibt im Nachwort an, die Figuren und den Expeditionsort erfunden zu haben. Trotzdem habe ich als Leser einen sehr bildhaften und glaubwürdigen Eindruck erhalten, wie eine Expedition zu dieser Zeit, in der Kommunikation mit der Außenwelt nur durch Morsen möglich war und die technische Ausstattung aus heutiger Sicht eher mager ausfiel, abgelaufen sein mag.

Was mich vor allem beschäftigte, war das Thema der Dunkelheit. Es ist so selbstverständlich, dass morgens die Sonne aufgeht, dass es draußen hell wird – je nach Jahreszeit mal mehr oder weniger – dass man sich gar nicht vorstellen kann, wie sich ein Leben in stetiger Dunkelheit anfühlt. Wie würde ich reagieren, wenn eine Orientierung nur mithilfe weniger Lampen und der eigenen Sinne möglich ist? Wie nimmt man Geräusche und Bewegungen wahr, die man kaum bis gar nicht erkennen kann?

Rezension "Dein Ende wird dunkel sein"

Der Gruselfaktor ist hier bereits vorbestimmt, auch ohne dass man sich an einem vermeintlich verfluchten Ort befindet. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Lektüre in den Abend- und Nachtstunden zu einer Gänsehaut führen wird – auch bei Tageslicht blieb ein Schaudern nicht aus.

Fazit:
„Dein Ende wird dunkel sein“ ist eine interessant geschilderte Geschichte über junge Forscher in der Arktis, die einen authentischen Eindruck vom Leben in Dunkelheit und Eis wiedergibt. Die unheimlichen Begebenheiten und der eindringliche Erzählstil der Tagebucheinträge erzeugen eine fortwährende Spannung, die das Lesen zu einem Gänsehauterlebnis machen.

Anja Zenker (academicworld.net-Userin)

Michelle Paver. Dein Ende wird dunkel sein
13,95 Euro. Rowohlt

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